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Von Kids bis Nightsession Wie Skateboardfilme salonfähig wurden

Wer sich auf Filmfestivals mal genau umschaut bemerkt: Plötzlich Skateboardfilme, überall! Sogar Nas dreht über eine Skategang, denn Skateboardfilme ziehen mittlerweile ein großes Publikum an - aber das war nicht immer so.

Von: Alexandra Reinsberg & Philipp Jöster

Stand: 16.06.2016 | Archiv

Vier Skateboarder sitzen auf der Straße und chillen  | Bild: Philipp Dettmer

Mit dem Münchner Film "Nightsession" von Philipp Dettmer ist im April wieder mal ein Skatefilm in die Kinos gekommen, der auf eine breite Zustimmung stößt. Das diesjährige Filmfest München hat neben Nightsession gleich eine ganze Reihe mit acht weiteren Skatefilmen im Programm. Und auch der Rapper Nas bringt seinen Film "The Land", der eine junge Skatergang aus Cleveland begleitet, noch in diesem Jahr heraus. Skateboarding auf der Leinwand boomt und zieht mittlerweile ein großes Mainstream-Publikum an. Das war aber nicht immer so. Filme über oder mit Skateboardern mussten lange Zeit um Anerkennung kämpfen - gleichzeitig haben sie den Sport und seine Wahrnehmung in der breiten Masse verändert. Ein Kino-Rückblick:

Zurück in die Zukunft (1985)

Für viele Kinogänger war tatsächlich der Klassiker "Zurück in die Zukunft" Mitte der 80er Jahre der erste Berührungspunkt mit Skateboards im Kino. Michael J. Fox, der sich aus einer Kiste sein Board baut, an ein Auto hängt und vor den Typen flieht, die ihn verprügeln wollen - ein Klassiker! Dem Publikum wurde so ganz nebenbei ein neuer Trend "untergejubelt". Und dann geht der Film mit dem Hoverboard sogar noch den Schritt in die Zukunft - und unsere Gegenwart. Nachdem der Film erschienen war, brach die erste Skateboard Trendwelle los, die bis Anfang der Neunziger anhielt. Außerhalb des Kinos ließ sich plötzlich viel Geld damit verdienen. Und Michael J. Fox musste nach dem ersten Teil angeblich sogar eine Erklärung für das australische Fernsehen drehen, um davor zu warnen, sich mit einem Skateboard an die Stoßstange eines Autos zu hängen.

Thrashin' (1986)

Mit Thrashin' taucht zum ersten Mal ein gewisser Tony Hawk auf der Kinoleinwand auf. In der Geschichte, einer Mischung aus West Side Story, Grease und allen anderen Liebesstorys mit zwei verfeindeten Gangs, spielt Tony Hawk zwar nur eine Neberolle, danach ging es für den Skateprofi allerdings straight bergauf. Für Thrashin', der nach der aggressiven Fahrweise Thrashing benannt wurde, bauten die Filmmacher Kameras auf die Boards, um dem Publikum den Thrill des Skateboardings näher zu bringen.

Kids (1995)

1995 sorgte dann "Kids" für einen eher schlechten Ruf von Skaterboardern. Die Teenager in New York beschäftigen sich in dem Film nämlich mit nichts anderem als Drogen, Sex, Abhängen und zwischendurch 'ne Runde Skaten. Dabei spielt Aids in den 90er natürlich eine große Rolle und die Jungs nutzen ihre Skateboards sogar, um einen Mann zu verprügeln. Skateboarding befand sich damals wieder in der Nische und der Film war für das Image der damaligen Skate-Community keine große Hilfe.

Lords of Dogtown (2005)

Ganz anders dagegen werden die Helden der Boards in "Lords of Dogtown" gefeiert. Der Film kommt 2005 in die Kinos, spielt aber in den 70ern und erzählt die Geschichte der Zephyr-Boys, die damals tatsächlich berühmt wurden. Die drei Jungs Tony Alva, Stacy Peralta und Jay Adams sind als Surfer am Venice Beach bekannt, bis sie das Skateboarden für sich entdecken. Weil in Kalifornien zu dieser Zeit das Wasser knapp war, üben die Drei in leeren Pools und erfinden kurzerhand einen ganz neuen Skate-Stil. Der Film bringt einem großen Publikum die Evolution des Skateboards und die Ursprünge des Freestyle Skateboardings näher, denn zur Zeit der T-Boys wurden zum ersten Mal richtige Tricks gemacht. Der Film erzählt außerdem vom Erfolg der Z-Boys, die Contests rocken und den Spaß am Skateboarding leben.

Street Dreams (2009)

Schon ein Jahr bevor sich mit der Gründung von Street League Skateboarding das professionelle Skateboarden komplett veränderte, zeigt "Street Dreams" 2009 die wegweisenden Schritte hin zum Skateboarding, wie es heute im Mainstream bekannt ist. Derrick Cabrera, der vom US-Skateprofi Paul Rodriguez gespielt wird, träumt in dem Film von einem großen Sponsor für seine Skateboard-Karriere. Nebenbei muss er die Schwierigkeiten des Alltags meistern: Die Eltern stressen, die Schule nervt, mit der Freundin ist Beef und sein bester Freund wird immer besser im Skaten und somit zu seinem Konkurrenten. Produziert haben den Film Größen wie Rob Dyrdrek, der Street League Skateboarding gründete. Die 4,5 Millionen Aufrufe des Films bei Youtube zeigen, dass das Interesse an der Szene und dem Thema 2009 wieder groß ist.

This ain´t California (2012)

"This ain't California", der 2012 auf der Berlinale gefeiert wurde, erzählt den Kult ums Skateboardfahren weiter. Der Film spielt in einem Umfeld, das mit Skateboarding eigentlich so gar nicht verbunden wird - der DDR. Regisseur Marten Persiel erzählt teil dokumentarisch, teils im Spielfilm von einer Gruppe, die gegen den repressiven Staat anskaten und für die das Brett zum Vehikel wird um sich frei zu fühlen. Was davon Fakt und was Fiktion ist, wurde im Nachhinein groß diskutiert. Das Gefühl der Freiheit beim Skaten bringt der Film aber zu hundert Prozent auf die Leinwand.

Nightsession (2014)

Auch der Film "Nightsession" aus München rückt das Lebensgefühl des Skateboardens in den Mittelpunkt. Die vier Protagonisten cruisen nachts mit Bierchen in der Hand durch die Stadt. Thomas, Sergio, Pacel und Jonas quatschen über das Leben, Partys oder einfach diesen Jingle einer Versicherungswerbung, den man sich doch eben auch mal bei YouTube anhören kann. Die Nacht scheint in diesem Film endlos, genauso die Freiheit, die die vier Jungs beim Skaten fühlen.

Zwischen Skateparks in jeder Stadt, die auch gerne mal von Papa und Sohn gleichzeitig genutzt werden, Longboard-Fahrern auf dem Weg zu Arbeit und professionell organisierten Skateboard-Vereinen ist Skateboarding mittlerweile weit entfernt von der Schmuddel-Kids-Nische, die es noch in den 80ern hatte. Skateboarding ist Big Business, taugt als großes Sportevent, lukratives Werbemittel und eben auch als Storyvorlage für Kinofilme, die die Skateboardkultur einem breiten Publikum näher bringen. Wohl auch deshalb können wir uns jetzt sogar mit unseren Eltern mehr und mehr Skateboardfilme im Kino anschauen.


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