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Wilder Westen in Giesing Illegaler Abriss von Baudenkmal erhitzt die Gemüter

In höchst zweifelhafter Aktion wurde in Giesing ein denkmalgeschütztes Haus illegal abgerissen, es sollte eigentlich saniert werden, die Anwohner sind aufgebracht und sprechen von kriminellem Vorgang. Bereits am Donnerstag gab es einen Versuch, das Haus abzureißen, der konnte durch Anwohner, Polizei und Lokalbehörde verhindert werden.

Von: Steffi Wagner

Stand: 04.09.2017 | Archiv

Denkmalgeschütztes Haus in Giesing abgerissen | Bild: BR/David Friedman

Es klafft eine Lücke in der Oberen Grasstraße in Giesing. Noch vor ein paar Tagen stand dort, in der historischen Feldmüller-Siedlung – ein denkmalgeschütztes kleines Handwerker-Haus aus dem 19. Jahrhundert. Eigentlich sollte es saniert werden.

Nun ist nur noch eine Ruine übrig, ein Stück historisches München wurde plattgemacht. Und das in einer höchst fragwürdigen Aktion, wie Anwohner Michael Seitz berichtet. Ein Bagger sei gekommen, der Baggerfahrer habe das Loch aber nicht in die Straße gerissen, sondern in die Hauswand des unter Denkmalschutz stehenden Hauses. Seitz traut seinen Augen kaum – und reagiert prompt:

"Ich bin hingelaufen, hab  mich in das Loch gestellt und hab die Polizei gerufen. Letzendlich wurde der Bau eingestellt und war dann versiegelt."

Anwohner Michael Seitz

Für die Anwohner war der Fall damit erledigt. Von Seiten der Lokalbaubehörde wurde noch einmal klargestellt, dass das Haus nicht abgerissen werden darf.

Hau-Ruck-Aktion der Baufirma

Das hinderte die Baufirma allerdings nicht daran, am nächsten Tag erneut anzurücken. Und diesmal in einer Hau-Ruck-Aktion tatsächlich das Haus plattzumachen.  Seitz und andere Nachbarn riefen erneut die Polizei. Bis die kam, waren die Arbeiter schon verschwunden. Nur etwa neun Minuten dauerte der Spuk – dann war alles vorbei. Die Empörung unter den Nachbarn ist groß.

OB Reiter will mit aller Härte gegen Verantwortliche vorgehen

Angelika Luible hat zusammen mit Seitz und den anderen Nachbarn Unterschriften gesammelt. Es sind bereits über 150 Stück. Sie fordern: Der Eigentümer soll das Haus wieder aufbauen, und zwar gemäß dem alten Vorbild.

Parteiübergreifend fordern auch Politiker Konsequenzen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter teilt in einem schriftlichen Statement mit, er sei schockiert, mit welcher Dreistigkeit der Denkmalschutz missachtet wurde. Er wolle mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vorgehen.

Bußgeld in sechsstelliger Höhe möglich

Möglichst harte Sanktionen will auch die zuständige Behörde erreichen. Laut Martin Klamt vom städtischen Referat für Stadtplanung und  Bauordnung steht unter anderem eine Bußgeldforderung im Raum:

"Der Bußgeldkatalog gibt Sanktionen in sechsstelliger Zahlenhöhe vor."

Martin Klamt vom städtischen Referat für Stadtplanung und  Bauordnung

Den empörten Anwohnern geht das nicht weit genug, schließlich sei es ein Präzedenzfall. Und Angelika Luible ist sich sicher: "Das hat er einkalkuliert, zahlt der aus der Portokasse."

Das Handwerkerhaus zählte zu den wertvollen Gebäuden, die die Stadtgeschichte dokumentieren. Selbst im Denkmalatlas des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ist es eingetragen.


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waldler, Dienstag, 05.September, 09:53 Uhr

12. Name der Baufirma?

Warum wird der Name der Baufirma eigentlich nicht veröffentlicht?
Und wenn eine Immobilienfirma das beauftragt hat, warum wird die ebenfalls nicht veröffentlicht? Dann hätte man als Wohnungskäufer wenigstens die Chance bei dieser Firma nicht zu kaufen.

  • Antwort von kleinlaut, Dienstag, 05.September, 11:04 Uhr

    Steht zur Hälfte auf dem Bild (lässt sich leicht googeln - CSH Baubetreuung).

  • Antwort von waldler, Dienstag, 05.September, 11:32 Uhr

    Danke, habe ich gemacht.
    interessant ist, dass die Seite scheinbar nicht mehr aktiv ist.

Eugen, Dienstag, 05.September, 09:31 Uhr

11. Baurecht entziehen

Bußgeld in Höhe der Kosten für den Wiedeaufbau und Enteignung.
Anders wird man solchen Abrißspekulanten nicht Herr.

  • Antwort von kleinlaut, Dienstag, 05.September, 11:03 Uhr

    ... dem kann man nur zustimmen! Langsam bekommt man den Eindruck, Gesetze sind für viele nur noch "unverbindliche Empfehlungen" ... da gehört wirklich einmal durchgegriffen ...

Münchner1977, Montag, 04.September, 21:04 Uhr

10.

.....und genauso schnell wie´s weg war, werden dort Eigentumswohnungen entstehen....
Sorry, aber genauso dass seh ich jeden Tag auf meinen Fahrten durch die Stadt. Sailerstraße, drei zweistöckige Häuser von um 1900. Weg, da ensteht Luxus am Oly-Park. Erhartdstraße ebenfalls altes Jugendstilhaus. Auch weg. Klar, direkt an der Isar, da geht was. Wieviele Jahre hat man in Thalkirchen wegen dem alten Bahnhof gestritten und diskutiert. So lange bis alles vergammelt war. Also, alles weg, 7000€ pro qm in der Lage sind aus heutiger Sicht ja ein Schnäppchen gewesen.
Heute bin ich nach nur drei Monaten Pause die Putzbrunnerstraße Richtung Alt-Perlach nach Perlach gefahren. Alle kleinen Gewerbehäuschen, KFZ-Werkstätten, usw. sind weg. Riesen Baugruben. Man kann es sich denken. In Altperlach ein großer ehemaliger Bauernhof verschwunden.
Aber das ist der einzige Weg den wir gehen müssen. Auf eine freie Wohnung kommen mittlerweile 700 Bewerber.....

Sabine S., Montag, 04.September, 21:00 Uhr

9. Die wahren Schuldigen sitzen im Münchner Rathaus

Der scheinheilige Herr Reiter sollte besser seinen Mund halten. Denn seiner Politik und der seines Vorgängers und Parteifreunds Ude ist es zu verdanken, dass München wie ein Krebsgeschwür immer weiter wächst. Und dieses Wachstum ist der Grund dafür, dass in München selbst Akademiker nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. An eine eigene Wohnung ist für Normalverdiener gar nicht zu denken. Und die Spekulanten reiben sich die Hände. Was die Firma "CSH Baubetreuung" in Giesing treibt ist kriminell. Aber das wirkliche Verbrechen sind die Münchner Mieten und Wohnungspreise! Und die Politik tut absolut NICHTS dagegen!

  • Antwort von Jo, Dienstag, 05.September, 08:23 Uhr

    Ja, richtig, die SPD ist schuld. Das leuchtet natürlich jedem ein, dass es mit der CSU am Ruder Unmassen günstigen Wohnraum gäbe und alte, denkmalgeschützte Bauten erhalten bleiben. Die CSU ist auch die Partei, der ja im Allgemeinen ein erfolgreicher Kampf gegen ausunfernden Kapitalismus am ehesten zugetraut wird.

  • Antwort von Sozi, Dienstag, 05.September, 10:33 Uhr

    Hat nicht Herr Söder GBW-Wohnungen an die Patrizia " verscherbelt " ?
    Beim BR gab es doch darüber einen großen Bericht.
    Sollen wir Herrn Söder jetzt bei der SPD ansiedeln ?

wiesner, Montag, 04.September, 20:51 Uhr

8. Wer zahlt?

Es ist schon erstaunlich wie unbeteiligte Fremde sich in Privateigentum und in die Belange von Bauherren reinhängen wollen. Wer mitreden will, soll dafür auch bezahlen.

  • Antwort von Euer Ernst, Montag, 04.September, 22:04 Uhr

    Auch ein Bauherr muss sich an geltende Gesetze halten - nur in Ihrer Welt offensichtlich nicht.
    Und nochmal: Da Sie offensichtlich nichts über die Geschichte dieses Hauses wissen und auch keine Ahnung vom Denkmalschutz haben, sollten Sie eigentlich besonders viel zahlen, um mitreden zu dürfen...

  • Antwort von Bineejj, Montag, 04.September, 23:22 Uhr

    Teure Sanierungsmaßnahmen von Altbauten werden mit Steuergeldern unterstützt. Zudem basiert Privateigentum, jeder Form, auf der Akzeptanz der umgebenden Gesellschaft. Und ich akzeptiere weder Ihre Meinung, noch die Aktion der fraglichen Eigentümers. Und wenn Sie schon mit Rechtsbegriffen wie Privateigentum daherkommen wollen, wie wäre es dann mit "Eigentum verpflichtet". Oder wollen Sie sich nur die Rosinen raus picken - Wiesner?

  • Antwort von Jo, Dienstag, 05.September, 08:31 Uhr

    Lieber Euer Ernst, liebe(r) Bineejj, also hören Sie mal: Wer es geschafft hat, viel Geld anzuhäufen (Ausbeuten, Erben, Betrügen) ist schließlich ein Leistungsträger. Dann hat er "Eigentum" und damit kann er doch machen, was er will. "Eigentum verpflichtet" – ja reicht das denn nicht, dass er Bauarbeiter beschäftigt? Es wird Zeit, dass Geld haben wieder mehr Ansehen erhält. Ich schlage einen Geldadel vor: Zum Ritter wird man ab einer Million geschlagen, für den Grafen muss man fünf Millionen haben, Herzog nicht unter 10 Mio. Und selbstverständlich müssen auch Rechte damit einhergehen: Mehrfache Wahlstimme, Steuererleichterung, Immunität bei Gesetzen, die doch nur der Allgemeinheit (Plebs) nützen. Beispielsweise so ein Quatsch wie Denkmalschutz. Viel zu kompliziert. Einfach sehen, wo der höchste Profit gemacht wird. Ist doch leicht einzusehen.