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Teenager wollte zum IS Jetzt spricht der Blogger

Ein 13-jähriger Bub aus München macht sich auf den Weg, um sich in Syrien dem IS anzuschließen. Er hat es bis an die türkisch-syrische Grenze geschafft. Dort hat ihn die Polizei aufgespürt. Geholfen hat dabei ein Blogger aus Deutschland - er hat erstmals mit einem Journalisten darüber gesprochen.

Von: Joseph Röhmel

Stand: 10.09.2015 | Archiv

Der 13-Jährige am Infostand der Koranverteilaktion "Lies" | Bild: Erasmus Monitor

Blogger fahndet nach IS-Kämpfern

Mehrere Blogger schreiben unter dem Decknamen Erasmus Monitor. Den brauchen sie, um von Islamisten nicht so leicht erkannt und aufgespürt zu werden. Regelmäßig beobachtet und beschreibt ihr Blog die militante Salafisten-Szene. Erasmus Monitor berichtet von jungen Menschen, die sich aufmachen zum Islamischen Staat - nach Syrien oder in den Irak. In der Regel sind sie 16 bis 25 Jahre alt. Aber ein 13-Jähriger? Erstmals spricht Erasmus Monitor öffentlich über den Fall des Münchners. Der hat einen der verantwortlichen Blogger direkt angeschrieben – und zwar von einem anonymen Recherche-Account.

"Der Junge hat sich an einen verdeckten Recherche-Account auf Facebook an mich gewandt, dass ich ihm womöglich über die syrische Grenze nach Rakka helfe. Der Jugendliche hat mich frei raus gefragt, ob ich in Syrien bin. Er bräuchte dringend Hilfe. Er stehe jetzt an einem Bus-Terminal in Gaziantep. Er bräuchte jetzt einen Schleuser. Sein vorgesehener Schleuser hat ihn im Stich gelassen. Und er hoffe jetzt eben, dass Jihadisten seine Ausreise organisieren könnten."

Erasmus Monitor  

Der Blogger von Erasmus-Monitor war geschockt, wie er dem BR schildert. Ein 13-Jähriger, ein Kind, das nach Syrien ausreisen will, allein an der türkisch-syrischen Grenze. Deshalb hat er die Behörden informiert, auch das Auswärtige Amt und das Bundeskriminalamt. Wenig später kam die Bestätigung: Es handle sich tatsächlich um einen Jugendlichen, der ausgereist sei. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Erasmus Monitor war hautnah dabei:

"Das BKA hatte den Jungen auf dem Schirm. Sie wussten auch die ungefähre Position des Jungen. Letztlich wusste man aber nicht, wo genau er sich befindet. Die BKA-Beamten standen bereits in Kontakt mit Verbindungsbeamten in Istanbul. Letztlich wurde abgesprochen, wie agiert werden muss, um zu verhindern, das der Junge womöglich doch in den folgenden Stunden oder Minuten durch einen Schleuser abgeholt werden würde."

Erasmus Monitor

Nach BR-Informationen stand der 13-Jährige vor allem unter dem Einfluss einer engen Verwandten. Die wollte wohl einen Mann in Syrien in der IS-Hochburg Rakka heiraten. Die Frau stiftete den Buben offenbar zur Ausreise an. Warum, ist momentan noch unklar. An der türkischen Grenze, berichtet Erasmus Monitor, soll sie dann kein Visum erhalten haben. Deshalb reiste der Bub allein weiter, offenbar fest entschlossen, dem Islamischen Staat zu folgen. Schon in München war der 13-Jährige den Behörden aufgefallen. Er engagierte sich in der umstrittenen Koran-Verteilungsaktion Lies. Seine Mutter bemerkte offenbar die Radikalisierung und gab ihn deshalb in ein Jugendheim.

"Das BKA hatte auch eine längere Vorgeschichte mit dem Jungen und hat ja auch bereits Deradikalisierungsprogramme und Verhaltenstherapie gemacht. Deswegen kam er ja auch zeitweise in ein Jugendheim, um zu schauen, wie kann der Junge wieder auf die Spur gebracht werden."

Erasmus Monitor

Aber offenbar konnte ihn die Jugendeinrichtung nicht komplett vor IS-Aktivisten schützen. Vielleicht ein wesentlicher Grund, warum der 13-Jährige nach Syrien ausreisen wollte. Letztlich gelang es den türkischen und den deutschen Ermittlern, den Jungen aufzuspüren. Momentan befindet er sich in einer Jugendeinrichtung in der Türkei und kommt nach Angaben der Polizei nach Deutschland zurück.


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