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Horst Seehofer Zeitstrahl: Stationen eines Politikerlebens

Published at: 15-3-2012

  • 1949
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Das historische Kreuztor, ein Wahrzeichen von Ingolstadt

    1949

    In ärmlichen Verhältnissen daheim

    Am 4. Juli 1949 kommt Horst Lorenz Seehofer als Sohn eines Lastwagenfahrers und Bauarbeiters im oberbayerischen Ingolstadt zu Welt. Seine Mutter Grete gilt als starke Frau in der Familie. Der Bub wächst zusammen mit einem Bruder und zwei Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf.
    An der Freiherr-von-Ickstatt-Schule in Ingolstadt macht er die Mittlere Reife. Später studiert er Verwaltungswirtschaft.

  • 1969
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Horst Seehofer bei einer späteren Rede von der Jungen Union (JU)

    1969

    Herantasten an die Politik

    Im Jahr 1969 tritt Seehofer in die Junge Union, 1971 in die CSU ein. Zehn Jahre lang arbeitet er in den Landratsämtern Ingolstadt und Eichstätt, wo er auch seine spätere Frau Karin kennenlernt. Unter anderem ist er dort als Geschäftsführer des Rettungszweckverbands und des Planungsverbands tätig.

  • 1980
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Der Bundestag in Bonn 1980

    1980

    Der Schritt in den Bundestag

    1980 wird Seehofer mit gerade einmal 30 Jahren für die CSU in den Bundestag gewählt. Er profiliert sich als sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe.
    Vom scherzhaft so gerufenen "Chefsanitäter" rückt er zum Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium auf. 1989 ist er maßgeblich an der Ausarbeitung der Rentenreform und der Gesundheitsreform unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) beteiligt.

  • 1992
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Bundesgesundheitsminister Seehofer

    1992

    Bundesgesundheitsminister und Buhmann

    Eine Umbildung des Bundeskabinetts befördert Seehofer 1992 dann auf die große Bühne: Als Gesundheitsminister legt er nach nur drei Wochen einen Gesetzesentwurf zur Sanierung des maroden Gesundheitswesens vor.
    Für die Lobbyisten seines Ressorts wird er damit in Rekordzeit zum Buhmann. Doch er bekommt die SPD-Opposition mit ins Boot und setzt einen rigorosen Sparkurs durch, der zunächst vor allem Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser belastet - weniger die Versicherten.

  • 1998
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Horst Seehofer 1998

    1998

    Aus dem Abseits zum Vize

    Nach dem Regierungswechsel 1998 landet Seehofer zunächst im politischen Abseits. Doch nach dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble als Fraktionschef im Zuge der CDU-Parteispendenaffäre kehrt er als Vize-Fraktionsvorsitzender ins Zentrum der Bundespolitik zurück. Er wird der Verhandlungsführer der Union bei den Gesprächen zur Riesterrente.

  • 2002
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Ulla Schmidt (SPD) und der Unions-Verhandlungsführer Seehofer

    2002

    Einmal Klinik und zurück

    Auf seine eigene Gesundheit nimmt Seehofer wenig Rücksicht: Als er im Januar 2002 ins Klinikum Ingolstadt eingeliefert wird, diagnostizieren die Ärzte eine Herzmuskelentzündung. Danach will er es ruhiger angehen, lässt sich dann aber vom damaligen CSU-Chef und Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber in dessen Kompetenzteam für die Bundestagswahl 2002 einspannen.
    Nach Stoibers Niederlage wird Seehofer "schwarzer" Ansprechpartner für Rot-Grün. Mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) handelt er den Konsens zur Gesundheitsreform aus.

  • 2004
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Plakat in der Münchner U-Bahn mit Seehofer als Landesvorsitzendem des VdK Bayern

    2004

    Knatsch um die Kopfpauschale

    Stress bekommt Seehofer dann aber vor allem mit der "großen Schwester" CDU: Weil er die Privatversicherung für Zahnersatz ablehnt und sich für eine Bürgerversicherung einsetzt, kommt es zum Krach zwischen Seehofer, CDU-Chefin Merkel und dem damaligen CSU-Chef Stoiber.
    Einen innerparteilichen Kompromiss will Seehofer nicht mittragen. Er gibt seine Zuständigkeit für die Gesundheitspolitik ab und stellt seinen Vize-Fraktionsvorsitz im Bundestag zur Verfügung. Seehofer tritt von der politischen Bühne Berlins ab und wird Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK.

  • 2005
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Horst Seehofer und Michael Glos (rechts)

    2005

    Für die Bauern und Verbraucher

    Nach der Bundestagswahl 2005 und dem erneuten Rückzug des geplanten Berliner Superministers Stoiber nach München ernennt Kanzlerin Merkel Seehofer zum Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Bereits wenige Tage später wird er mit dem Gammelfleisch-Skandal konfrontiert.
    Im Berliner Kabinett ist Seehofer nicht der einzige Bayer. An seiner Seite: Parteikollege Michael Glos als Wirtschaftsminister.

  • 2007
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Der 60. Geburtstag mit Sohn Andreas, Frau Karin und den Töchtern Susanne und Ulrike (v.l.)

    2007

    Private Turbulenzen

    Anfang 2007 tauchen in der Presse Berichte über eine Liebesaffäre Seehofers in Berlin auf. Mitte Juni 2007 wird Seehofer Vater einer unehelichen Tochter namens Anna-Felicia. Am Ende trennt er sich von der Geliebten und entschließt sich, bei seiner Familie in Ingolstadt zu bleiben. Mit seiner zweiten Frau Karin hat Seehofer die Kinder Ulrike, Andreas und Susanne.

  • 2008
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Seehofer neben Erwin Huber (links) und Günther Beckstein

    2008

    Ministerpräsident und CSU-Chef in einem

    Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit für die CSU bei den Landtagswahlen 2008 treten Ministerpräsident Günther Beckstein und der CSU-Vorsitzende Erwin Huber von ihren Ämtern zurück. Seehofer wird am 25. Oktober 2008 mit 90,3 Prozent der Delegiertenstimmen zum CSU-Vorsitzenden gewählt und zwei Tage später mit 104 von 184 abgegebenen Stimmen zu Becksteins Nachfolger. Das Finanzdebakel bei der BayernLB stellt Seehofer gleich zu Beginn vor große Herausforderungen.

  • 2010
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Türkische Frauen in Deutschland

    2010

    Debatte um die Zuwanderung

    Im Oktober 2010 erregt Seehofer die Gemüter, als er in einem Interview sagt, Deutschland brauche keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen wie der Türkei und den arabischen Ländern. Damit löst er eine Welle der Empörung aus - nicht nur bei den Einwandererverbänden und den anderen Parteien - auch bei Arbeitgeberverbänden.
    Darüber hinaus stößt er seine eigene Partei und die Koalitionspartner vor den Kopf - etwa, als er sich gegen die Rente mit 67 ausspricht. SPD und Gewerkschaften applaudieren, CDU und FDP sind verärgert.

  • 2011
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Seehofer auf dem CSU-Parteitag in München vor dem damaligen Verteidigungsminister zu Guttenberg

    2011

    Ein Rivale tritt zurück

    Im März 2011 tritt Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit von allen politischen Ämtern zurück. Die CSU stürzt daraufhin in eine tiefe Krise. Seehofers Job: Er muss der verunsicherten Basis auf dem Politischen Aschermittwoch neue Orientierung geben, den Abgang des von ihm geförderten Hoffnungsträgers beklagen und zugleich den Schaden gering halten.

  • 2011
    Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Bayerische Fahne mit Anti-Atom-Logo vor dem Atomkraftwerk in Gundremmingen (Schwaben).

    2011

    Im "Land der Bürgerenergie"

    Ganz neue Töne hört Bayern von seinem Ministerpräsidenten nach der Reaktor-Katastrophe in Fukushima. Hatte sich Seehofer noch wenige Monate zuvor für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken stark gemacht, inszeniert er die Ausstiegs-Frage nun als Schicksalsfrage der CSU. In seiner Regierungserklärung wirbt Seehofer für ein Ende der Atomkraft und für ein dezentrales Energiekonzept von Kommunen und Bürgern.
    Bayern solle ein "Land der Bürgerenergie" werden. Das sei bis zum Jahr 2022 "machbar, wirtschaftspolitisch vertretbar und ethisch geboten".

  • 2012
    Interimspräsident Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

    Seehofer, der Interimspräsident

    2012

    Der Herr Bundespräsident

    2012 wird Seehofer Bundesratsvorsitzender. Im Februar geschieht nach dem Wulff-Rücktritt das Unerwartete: Der Ministerpräsident zieht als erster Mann im Staat ins Schloss Bellevue - zwar nur für vier Wochen als kommissarischer Vertreter, bis Joachim Gauck als Nachfolger gewählt wird. Aber es reicht, um die Amtssprache in Berlin bayerisch einzufärben, wie er sagt: "Und Deutschland hat es schließlich noch nie geschadet, wenn die Bayern ihre Finger im Spiel hatten."

  • 2013
    Personensilhouetten stehen vor dem bayerischen Landtag | Bild: tmm ideas and graphic solutions; BR;Montage: BR

    Autor von Arnim

    April 2013

    Beschäftigungsaffäre im bayerischen Landtag

    Im bayerischen Landtag wird eine Beschäftigungsaffäre aufgedeckt. Dutzende Parlamentarier, haben jahrelang von einer sogenannten Altfallregelung im Abgeordnetenrecht Gebrauch gemacht und unter anderen auch Ehefrauen, Kinder oder andere nahe Verwandte als Mitarbeiter beschäftigten - auf Kosten des Landtags. Auf Druck Seehofers zahlen die Minister und Staatssekretäre Geld an den Landtag zurück oder spenden für soziale Zwecke.

  • 2013

    14. September 2013

    Landtagswahl in Bayern

    Trotz der Beschäftigungsaffäre triumphiert die CSU bei der Landtagswahl in Bayern. Mit 47,7 Prozent erobert sie die absolute Mehrheit zurück und kann damit wieder alleine regieren. Im neuen Landtag verfügt die CSU über 101 Sitze, die SPD stellt 42 Abgeordnete, auf die Freien Wähler entfallen 19 Mandate, auf die Grünen 18. Die absolute Mehrheit liegt bei 91 Sitzen. Ministerpräsident Seehofer spricht von einem historischen Erfolg seiner Partei.

  • 2013

    Dezember 2013

    "Wer betrügt, der fliegt"

    "Wer betrügt, der fliegt" - mit dieser Losung gegen Zuwanderer entfacht Seehofer einen Sturm der Entrüstung. Bei der CSU befürchtet man "Armutszuwanderung" und Missbrauch von Sozialleistungen - da Bulgaren und Rumänen seit diesem Jahr keine Arbeitserlaubnis mehr brauchen, um nach Bayern zu ziehen. Dabei sprechen die Statistiken eine ganz andere Sprache: Die meisten Rumänen und Bulgaren in Deutschland sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Quoten der Arbeitslosen und der Hartz-IV-Bezieher liegen deutlich unter dem Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung.

  • 2014
    Illustration zur Europawahl 2014 | Bild: BR, Montage BR

    Horst Seehofer nach der Wahl

    25. Mai 2014

    Europawahl

    Schon bei der Kommunalwahl im März hat die CSU Federn gelassen - die SPD gewinnt drei Großstädte, auch die Grünen legen zu. Bei der Europawahl bestätigt sich der Trend. Die Partei stürzt von 48,1 Prozent 2009 auf nur noch 40,5 Prozent ab. Horst Seehofer nimmt das schlechte Abschneiden bei der Europawahl auf seine Kappe: "Ich bin verantwortlich", sagt er nach einer Vorstandssitzung. Erwin Huber, Vorgänger Seehofers als CSU-Chef, fordert, die Partei müsse die Weichen stellen für die Zeit nach Seehofer.

  • 2015
    Flüchtlinge hinter Zaun am Grenzübergang Spielfeld | Bild: pa/dpa

    September 2015

    Die Flüchtlingskrise

    Im Sommer 2015 steigt die Zahl der Flüchtlinge sprunghaft an, die Lage an den bayerischen Grenzen und Bahnhöfen wird chaotisch. Der Duck der Ereignisse bringt die zuvor ungewöhnlich kuschligen "Schwesterparteien" CDU und CSU auf Konfrontationskurs: Angela Merkel legt mit ihrem Satz "Wir schaffen das" eine 180-Grad-Wende zu ihrer bisher einwanderungsskeptischen Haltung hin. Horst Seehofer hält mit seiner Forderung nach einer "Obergrenze" dagegen.

  • 2015
    Bavarian Prime Minister and head of the Christian Social Union (CSU) Horst Seehofer welcomes German Chancellor Angela Merkel to the Christian Social Union (CSU) party congress in Munich, Germany November 20, 2015.   | Bild: Reuters (RNSP)/Michael Dalder

    November 2015

    "Liebe Angela ..."

    Auf dem CSU-Parteitag kanzelt Seehofer die Kanzlerin ab: Minutenlang lässt er sie stehen, während er seine Perspektive zur Flüchtlingsfrage ausführt. Effekt: keiner. Ein Ende der Fraktionsgemeinschaft lehnt er aber ab. Seehofers Wiederwahl fällt mit 87 Prozent bescheiden aus.


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