2

Entscheidung im Vatikan Johannes Paul II. wird heiliggesprochen

Kein katholisches Oberhaupt war so präsent in den Medien wie er - mit Johannes Paul II. waren Papsttum und Popularität kein Widerspruch mehr. Am 1. Mai 2011 wurde der erste Pole auf dem Stuhl Petri seliggesprochen. Jetzt machte Papst Franziskus den Weg für dessen Heiligsprechung frei.

Stand: 05.07.2013

  • Mai 1920
    Karol Wojtyla im Alter von zwei Jahren mit seinem Vater | Bild: picture-alliance/dpa

    Karol Wojtyla im Alter von zwei Jahren mit seinem Vater © picture-alliance/dpa

    Mai 1920

    Sohn eines Unteroffiziers

    Am 18. Mai 1920 wird Karol Wojtyla im polnischen Wadowice, 50 Kilometer südwestlich von Krakau, geboren. Er ist der Sohn von Emilia Kaczorowska und Karol Wojtyla, Unteroffizier in einem ehemaligen k.u.k.-Infanterie-Regiment. 1938 macht er sein Abitur mit Bestnoten in allen Fächern. Im selben Jahr nimmt er in Krakau ein Literatur-Studium auf. Bald engagiert er sich auch in der jungen Intellektuellen- und Theaterszene der Stadt.

  • November 1946
    Marienkirche in Krakau | Bild: picture-alliance/dpa

    Die Marienkirche in Krakau © picture-alliance/dpa

    November 1946

    Priesterweihe in Krakau

    Im Herbst 1941 tritt Wojtyla in ein Priesterseminar in Krakau ein. Man arbeitet im Untergrund, da die Gestapo unter anderem katholische Geistliche verhaftet. Am 1. November 1946 wird er zum Priester geweiht. Zwei Jahre später schließt Wojtyla ein Theologie-Studium mit dem Doktortitel ab. 1958 wird er als jüngstes Mitglied des polnischen Episkopats von Papst Pius XII. zum Weihbischof von Krakau ernannt, sechs Jahre später zum Erzbischof. Wojtyla ist damit der zweitwichtigste Kirchenmann Polens nach Kardinal Stefan Wyszynski.

  • Juni 1967
    Papst Paul VI. ernennt Karol Wojtyla (rechts) zum Kardinal | Bild: picture-alliance/dpa

    Papst Paul VI. ernennt Karol Wojtyla (rechts) zum Kardinal © picture-alliance/dpa

    Juni 1967

    Ernennung zum Kardinal

    Am 28. Juni 1967 wird Wojtyla selbst Kardinal. Zuvor hatte er am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) teilgenommen, das eine Liberalisierung der katholischen Kirche einleitete. Unter anderem wirkte er dabei an der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" (Freude und Hoffnung) mit, die von vielen Theologen als wichtigstes Konzilsdokument angesehen wird.

  • Oktober 1978
    Karol Wojtyla ist nun Papst Johannes Paul II. | Bild: picture-alliance/dpa

    Karol Wojtyla ist nun Papst Johannes Paul II. © picture-alliance/dpa

    Oktober 1978

    Erster Pole auf dem Heiligen Stuhl

    Nach dem Tod von Johannes Paul I. wird Wojtyla am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt - nicht nur als erster Pole, sondern als erster Slawe. Johannes Paul II., der sich bei der Namenswahl an seinem Vorgänger orientiert, ist zudem der erste Nicht-Italiener auf dem Heiligen Stuhl seit 1523. Politische Brisanz erhält die Wahl, weil Wojtyla aus einem Land kommt, das sich im sowjetischen Einflussbereich befindet. In Polen wird er, auch durch die erste Reise in sein Heimatland im Juni 1979, zu einem Symbol des Widerstands gegen das kommunistische Regime.

  • Januar 1979
    Johannes Paul II. bei der Ankunft in Mexiko | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. bei der Ankunft in Mexiko © picture-alliance/dpa

    Januar 1979

    Der Reise-Papst

    Seine erste Auslandsreise als Papst führt den dynamischen Johannes Paul II. im Januar 1979 in die Dominikanische Republik, nach Mexiko und auf die Bahamas. Infolge seines Zieles, das Papstamt global stärker zu repräsentieren, absolviert er während seiner fast 27-jährigen Amtszeit 104 Pastoralbesuche in insgesamt 127 Ländern. Bald haftet ihm das Etikett "Eiliger Vater" an. Sein Markenzeichen: der Kuss des Bodens nach der Landung des Flugzeugs.

  • November 1980
    Johannes Paul II. bei seinem Deutschland Besuch 1980 | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. bei seinem Deutschland-Besuch 1980 © picture-alliance/dpa

    November 1980

    Immer dabei: das Papamobil

    Seine Vorgänger zeigten sich in der öffentlichkeit noch in der Sedia gestatoria, einer Art tragbaren Papst-Thron. Der moderne Johannes Paul II. stieg für seine Auftritte ins "Papamobil" um. Erstmals nutzte er das "Auto des Papstes" (italienischer Ausdruck für Papst: papa) bei seiner Polen-Reise 1979, hier fährt er damit ein Jahr später bei seinem ersten Deutschland-Besuch.

  • Mai 1981
    Nach dem Attentat: Der Papst bricht in seinem offenen Fahrzeug schwer verletzt zusammen | Bild: picture-alliance/dpa

    Der Papst bricht in seinem offenem Fahrzeug schwer verletzt zusammen © picture-alliance/dpa

    Mai 1981

    Attentat durch Mehmet Ali Agca

    Am 13. Mai 1981 schießt der Türke Mehmet Ali Agca auf dem Petersplatz in Rom den Papst an und verletzt ihn mit drei Kugeln lebensgefährlich. Rasch heißt es, hinter dem Attentat stünde der sowjetische Geheimdienst, doch der Anschlag wird nie aufgeklärt.

  • November 1981
    Joseph Kardinal Ratzinger in einer Aufnahme von 1982 | Bild: picture-alliance/dpa

    Joseph Kardinal Ratzinger in einer Aufnahme von 1982 © picture-alliance/dpa

    November 1981

    Der Papst holt Kardinal Ratzinger nach Rom

    Johannes Paul II. beruft den Münchner Kardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation in den Vatikan.

  • April 1986
    13. April 1986: der Papst (links) in der Großen Synagoge in Rom | Bild: picture-alliance/dpa

    Der Papst (links) in der Großen Synagoge in Rom (13. April 1986) © picture-alliance/dpa

    April 1986

    Dialog mit den Religionen

    19. August 1985: Als erster Papst überhaupt hält Johannes Paul II. eine an Muslime gerichtete Ansprache - vor 80.000 Zuhörern in Casablanca/Marokko (2001 wird er im syrischen Damaskus als erster Papst in einer Moschee beten). Knapp ein Jahr später, am 13. April 1986, besucht er als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche eine Synagoge. Im August desselben Jahres feiert er gemeinsam mit Führern zahlreicher Religionen den Weltfriedenstag in Assisi. Dafür erntet er Kritik aus den Reihen der Kurienkardinäle.

  • Dezember 1989
    Michail Gorbatschow und Johannes Paul II. (Aufnahme von 1990) | Bild: picture-alliance/dpa

    Michail Gorbatschow und Johannes Paul II. (Aufnahme von 1990) © picture-alliance/dpa

    Dezember 1989

    Machthaber zu Besuch im Vatikan

    Johannes Paul II. empfängt während seiner Amtszeit immer wieder hohe Staatsgäste zu persönlichen Treffen. So ist am 1. Dezember 1989, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, Michail Gorbatschow - als einziger KPdSU-Generalsekretär - Gast im Vatikan. 1982 kam Palästinenserführer Jassir Arafat nach Rom, 1984 US-Präsident Ronald Reagan. 1999 kommt es zu einer historischen Begegnung mit dem iranischen Präsidenten Mohammed Chatami.

  • April 1994
    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1994 | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1994 © picture-alliance/dpa

    April 1994

    Gesundheitliche Rückschläge

    Im Juli 1992 muss sich Johannes Paul II. einer schweren Darmoperation unterziehen. Angeblich handelt es sich um eine Krebserkrankung. Nach einem Sturz am 29. April 1994 erhält der Papst ein künstliches Hüftgelenk. Im selben Jahr kürt ihn das US-Magazin "Time" zum "Mann des Jahres". 1994 ist aber auch ein Rückschlag für die Idee eines katholischen Frauenpriestertums, das durch ein Apostolisches Schreiben endgültig abgelehnt wird.

  • Januar 1995
    Johannes Paul II. in Manila | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. in Manila © picture-alliance/dpa

    Januar 1995

    Der populäre Papst

    Wie kein katholisches Kirchenoberhaupt vor ihm versteht es Johannes Paul II., gleichzeitig Sympathieträger und Figur der Massenmedien zu sein. Viele junge Gläubige verehren ihn wie einen Popstar. Er ist der erste Papst, der beim ganz großen Publikum ankommt. Bei der Papstmesse am 15. Januar 1995 in der philippinischen Hauptstadt Manila nehmen rund 3,2 Millionen Gläubige teil. Es ist die weltweit größte Menschenmenge, die sich jemals versammelt hat.

  • Juni 1998
    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1998 | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1998 © picture-alliance/dpa

    Juni 1998

    Annäherungen und Entschuldigungen

    Im Juni 1998 veröffentlichen der Lutherische Weltbund und der Vatikan die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre". Das Dokument soll den Beginn der Aussöhnung Roms mit den Lutherischen Kirchen bekunden. Im "Heiligen Jahr 2000" spricht am 12. März erstmals ein Papst ein umfassendes "Mea Culpa" (lateinisch: Meine Schuld) im Namen der katholischen Kirche aus: Johannes Paul II. bittet um Vergebung für Verfehlungen in den Glaubenskriegen und während der Inquisition sowie für Judenverfolgungen durch Christen.

  • März 2000
    Johannes Paul II. in Jerusalem | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. in Jerusalem © picture-alliance/dpa

    März 2000

    Der Papst an der Klagemauer

    Im März 1998 hat der Vatikan die Schrift "Nachdenken über die Shoa" veröffentlicht. Darin erkennt die katholische Kirche zwar eine Mitschuld der Christen, nicht jedoch eine der Institution Kirche am Holocaust an. Am 26. März 2000 betet Johannes Paul II. gemeinsam mit Rabbinern an der Klagemauer in Jerusalem. Der Papst bittet die Juden um Vergebung.

  • Mai 2003
    Johannes Paul II. - bereits schwer gezeichnet von der Krankheit | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. - bereits schwer gezeichnet von der Krankheit © picture-alliance/dpa

    Mai 2003

    Vatikan bestätigt Parkinson-Erkrankung

    Am 18. Mai 2003, dem 83. Geburtstag des Papstes, gibt der Vatikan offiziell das bekannt, was in den Medien bereits kursierte: Johannes Paul II. leidet an der Parkinson-Krankheit, die ihn schon seit längerem unter anderem auch beim Sprechen beeinträchtigt. Zudem machen ihm die Folgen des Attentats von 1981 und eine schwere Arthritis im rechten Knie zu schaffen. Dennoch wird er noch vier Auslandsreisen unternehmen.

  • April 2005
    Kerzen und Bilder auf dem Petersplatz | Bild: picture-alliance/dpa

    Kerzen und Bilder auf dem Petersplatz © picture-alliance/dpa

    April 2005

    Tod am 2. April

    Nach langem Siechtum stirbt der Papst am 2. April 2005 im Alter von 84 Jahren. Hunderttausende wohnen Trauerfeier und Beisetzung in Rom bei. Das fast 27-jährige Pontifikat von Johannes Paul II. war das zweitlängste der Kirchengeschichte. Zwischen 1978 und 2005 veröffentlichte er 14 Enzykliken und nahm 1.338 Selig- sowie 483 Heiligsprechungen vor.

  • Januar 2011
    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1983 | Bild: picture-alliance/dpa

    Johannes Paul II. in einer Aufnahme von 1983 © picture-alliance/dpa

    Januar 2011

    Seligsprechung bestätigt

    Schon im Juni 2005, also entgegen der sonst üblichen Wartezeit von fünf Jahren, eröffnet Papst Benedikt XVI. das Seligsprechungsverfahren für seinen Vorgänger Johannes Paul II. Als nötiges erstes Heilungswunder wird anerkannt, dass er eine französische Ordensfrau von den Symptomen der Parkinson-Krankheit erlöst haben soll. Zwar kommen später Zweifel an der Heilung auf, doch am 11. Januar 2011 bestätigt die Heiligsprechungskongregation des Vatikan das Wunder. Als Datum der Seligsprechung wird der 1. Mai 2011, der erste Sonntag nach Ostern, festgelegt.

  • Mai 2011
    Heiligsprechung Johannes Paul II: Papst Benedikt XVI. küsst eine Reliquie, in der sich Blut von Papst Johannes Paul II befindet | Bild: picture-alliance/dpa

    Benedikt XVI. küsst eine Reliquie mit Blut von Johannes Paul II © picture-alliance/dpa

    Mai 2011

    Seligsprechung auf dem Petersplatz

    Benedikt XVI. spricht seinen Vorgänger Johannes Paul II.
    auf dem Petersplatz selig.

    Am selben Tag - so heißt es später - soll eine Frau aus Costa Rica von einer Gehirnverletzung geheilt worden sein. Dies wird später als zweites Wunder - notwendig für die Heiligsprechung - anerkannt.

  • Juli 2013
    Papst Johannes Paul II lächelt während seines Besuchs in den USA im Oktober 1979.  | Bild: picture-alliance/dpa

    Papst Johannes Paul II. © picture-alliance/dpa

    Juli 2013

    Weg frei für Heiligsprechung

    Papst Franziskus macht am 5. Juli 2013 den Weg für eine Heiligsprechung seines Vorvorgängers Johannes Paul II. frei. Er bestätigte die dafür notwendige Vollbringung eines zweiten Wunders durch Johannes Paul II. Dabei soll es sich um die Heilung einer Frau aus Costa Rica von einer Gehirnverletzung handeln, die am 1. Mai 2011 stattgefunden hat - dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II.

    Die zeremonielle Heiligsprechung wird noch vor Ende des Jahres erwartet. Als mögliches Datum wurde in Vatikan-Kreisen bereits der 8. Dezember ins Spiel gebracht, dem Tag der Unbefleckten Empfängnis.


2