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Die Franken und ihr Wein Über 1.200 Jahre Weinbau in Franken

In Franken kann der Weinbau auf eine lange Tradition zurückblicken. Die ersten Rebstöcke in dieser Region wurden vor mehr als zwölf Jahrhunderten gepflanzt. Untrennbar mit dem Frankenwein verbunden sind der Bocksbeutel und Hammelburg als älteste Weinstadt Frankens.

Stand: 11.03.2013

  • 399
    Kreuzgang in einem mittelalterlichen Kloster | Bild: picture-alliance/dpa

    Kreuzgang eines mittelalterlichen Klosters

    399

    Missionierung Frankens

    Im Zuge der Christianisierung des Frankenreiches werden in Franken Klöster gegründet. Um eigenen Messwein zu haben, beginnen die Ordensleute, Wein anzubauen.

  • 749
    Weintrauben am Rebstock | Bild: picture-alliance/dpa

    Weintrauben am Rebstock

    749

    Nonnen als Vorreiter

    Der Sage nach beginnt der geregelte Weinbau mit der Gründung der Benediktinerinnenklöster in Kleinochsenfurt und Kitzingen.

  • 776
    Büste Karls des Großen | Bild: picture-alliance/dpa

    Büste Karls des Großen

    776

    Erste urkundliche Erwähnung des Weinbaus

    Eine Urkunde Kaisers Karl des Großen berichtet über eine Schenkung von Weinbergen in Hammelburg an das Kloster Fulda. Wegen der frühen Erwähnung wird Hammelburg als älteste Weinstadt Frankens bezeichnet. Aufzeichnungen des Klosters Fulda belegen Weinberge bei Münnerstadt, bei Arnstein, bei Holzkirchen, bei Üttingen und bei Klingenberg.

  • 778
    Weinberge in Franken | Bild: picture-alliance/dpa

    Rebbzeilen

    778

    Der Wein kommt nach Würzburg

    In einer Gemarkungsbeschreibung Würzburgs findet sich der Hinweis, dass die Würzburger Markungsgrenze durch "Fredhantes Wingarton" dem heutigen Alandsgrund der Weinlage "Abtsleite" geht. Erste Reben wachsen auch am Würzburger "Stein". Der Würzburger Stein gehört damit zu den ältesten Weinlagen Deutschlands.

  • 974
    Weinberge im Steigerwald | Bild: picture-alliance/dpa

    Weinberge im Steigerwald

    974

    Ausdehnung der Weinberge

    Der Weinbau breitet sich sehr schnell über das ganze Maintal und seine Seitentäler aus. Auch am Steigerwald (918) und am Obermain (1007) wird Weinbau betrieben.

  • 1127
    Staatlicher Hofkeller Würzburg | Bild: picture-alliance/dpa

    Der Staatliche Hofkeller in Würzburg

    1127

    Erster Nachweis des Staatlichen Hofkellers in Würzburg

    Der Hofkeller geht auf eine Schenkungsurkunde von 1128 zurück und ist damit das älteste urkundlich belegte Weingut in Deutschland. Zur Gründung eines Klosters schenkt der Würzburger Bischofs Embricho mehreren Mönchen ein Grundstück in Zell.

  • 1349
    Weinberge bis zum Horizont | Bild: picture-alliance/dpa

    Weinberge in Franken

    1349

    Blütezeit des fränkischen Weinbaus vom 12. bis zum 16. Jahrhundert

    Mit etwa 40.000 Hektar ist Franken innerhalb des Heiligen Römischen Reichs das größte zusammenhängende Weinbaugebiet nördlich der Alpen. In über 600 Orten wird Wein angebaut. Der Weinbau wird von den Grundherren gefördert: In der Nähe von Bayreuth, Kulmbach, Coburg und Eichstätt werden Weinberge angelegt. Wein gilt zu dieser Zeit als Volksgetränk.

  • 1524
    Szene aus dem Bauernkrieg 1524-1526 | Bild: picture-alliance/dpa

    Szene aus dem Bauernkrieg

    1524

    Verwüstungen durch den Bauernkrieg

    Durch den Bauernkrieg (1524-1526) kommt es zu Verwüstungen und Plünderungen in Franken unter denen auch die Winzer zu leiden haben.

  • 1635
    Mit Zinnfiguren nachgestellte Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg | Bild: picture-alliance/dpa

    Mit Zinnfiguren nachgestellte Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg

    1635

    Erster großer Rückgang beim fränkischen Weinbau im 17. Jahrhundert

    Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) verwüstet Franken. Die Region leidet ab 1631 unter schwedischer Besetzung. Die klimatischen Bedingungen verschlechtern sich. In Ober- und Mittelfranken kommt der Weinbau nahezu zum Erliegen.

  • 1659
    Silvaner-Trauben | Bild: picture-alliance/dpa

    Silvaner-Trauben

    1659

    Erstmals Silvaner-Reben und Bocksbeutelflaschen in Franken nachgewiesen

    Eine Urkunde vom 5. April 1659 besagt, dass ein Gräflich Castell´scher Bote 25 "Österreicher Fechser", wie man die Silvanerreben damals nannte, aus Obereisenheim nach Castell brachte. Im "Handwerker- und Oekonomiebuch" des Wertheimer Glasmachers Mathis Wenzel aus dem Jahr 1659 findet sich der erste Hinweis auf eine runde Flasche, die wie der Hodensack eines Ziegenbocks aussah.

  • 1728
    Weinglas, Bocksbeutel | Bild: picture-alliance/dpa

    Frankenwein im Weinglas und im Bocksbheutel

    1728

    Würzburger Stadtrat setzt auf Bocksbeutelflaschen

    Lange Zeit war die Bocksbeutelflasche in Würzburg den besten Weinen von der bekannten Lage "Würzburger Stein" vorbehalten. Im Jahre 1728 beschloss der Würzburger Stadtrat, dass die besten Weine des städtischen Bürgerspitals in Bocksbeutel abgefüllt werden sollten.

  • 1750
    Weintrauben | Bild: picture-alliance/dpa

    Fränkische Weintrauben

    1750

    Erneute Blütezeit des fränkischen Weinbaus im 18. Jahrhundert

    Besonders im Gebiet des Hochstifts Würzburg floriert der Weinbau. Frankenwein entwickelt sich zum "Modewein". Die Landesherren fördern den Rebanbau, die Rebfläche beträgt etwa 16.500 Hektar.

  • 1777
    Weinfässer der Büttnere Aßmann in Eußenheim (Lkr. Main-Spessart) | Bild: picture-alliance/dpa

    Weinfässer

    1777

    Nachfrage beim Frankenwein geht zurück

    Nach der Vereinigung der Pfalz mit dem Herzogtum Bayern steigt der Absatz von Pfälzer Wein in Bayern stark an. Die Nachfrage nach Frankenwein geht dagegen deutlich zurück.

  • 1803
    Gemälde von Gérard François Pascal Simon: Napoleon Bonaparte als Liebhaber guter Landkarten | Bild: Ile d‘Aix, Museen der Insel Aix

    Napoleon Bonaparte

    1803

    Zweiter großer Rückgang des fränkischen Weinbaus um 1800

    Durch die Säkularisation (Auflösung der Klöster) im Jahr 1803 geht die Zahl der fränkischen Weinerzeuger zurück. Napoleon fördert in seinem Einflussbereich französische Weine. Die Rebfläche schrumpft auf etwa 10.500 Hektar.

  • 1836
    175-jähriges Jubiläum des Fränkischen Weinbauverbands in der Münchener Residenz | Bild: Fränkischer Weinbauverband / Herbert Ehehalt

    175-jähriges Jubiläum des Fränkischen Weinbauverbands in der Münchener Residenz (2011)

    1836

    Gründung des Fränkischen Weinbauverbands

    Am 29. Mai 1836 wurde der Fränkische Weinbauverband in Würzburg gegründet. Nach dem Württembergischen Weinbauverband ist er der zweitälteste in Deutschland. Der Verband vertritt die Interessen der fränkischen Winzer und dient als gemeinsames Marketingorgan.

  • 1870
    Arbeit in einer historischen Gießerei | Bild: picture-alliance/dpa

    Arbeit in einer historischen Gießerei

    1870

    Dritter großer Rückgang des fränkischen Weinbaus ab 1870

    Wegen des durch die Industrialisierung bedingten starken wirtschaftlichen Strukturwandels wandern die Arbeitskräfte aus den ländlichen Regionen Frankens ab.

  • 1880
    Vom Pflanzenschädling Peronospora befallene Weintrauben | Bild: Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim

    Vom Pflanzenschädling Peronospora befallene Weintrauben

    1880

    Große Schäden in den Weinbergen durch Pilzbefall

    Erstes Auftreten der Peronospora, des falschen Mehltaus, in Franken. 1894 lässt sich der echte Mehltau erstmals nachweisen.

  • 1902
    Eine Reblaus unter dem Elektronenmikroskop | Bild: picture-alliance/dpa

    Eine Reblaus unter dem Elektronenmikroskop

    1902

    Ausbreitung der Reblaus in Franken

    Die Reblaus taucht als Schädling erstmals in Franken (Sickershausen/Lkr. Kitzingen) auf. Eine wirtschaftliche Trauben- und Weinerzeugung ist danach in Franken kaum noch möglich.

  • 1913
    Trauben der Rebsorte Müller-Thurgau | Bild: picture-alliance/dpa

    Trauben der Rebsorte Müller-Thurgau

    1913

    Die Sorte Müller-Thurgau erobert Franken

    Die 1882 gezüchtete Rebsorte Müller-Thurgau wird erstmals in einem Weinberg gepflanzt. Der erste Standort ist Lohr-Sendelbach (Lkr. Main-Spessart). Der Müller-Thurgau tritt von dort seinen Siegeszug durch Mitteleuropa an.

  • 1954
    Flurbereinigung im Weinberg | Bild: picture-alliance/dpa

    Flurbereinigung im Weinberg

    1954

    Neuordnung der Weinbauflächen

    Beginn der Flurbereinigung innerhalb des fränkischen Weinbaugebiets: 110 Flurbereinigungsverfahren führen innerhalb mehrerer Jahrzehnte zu einer Neuordnung von 3.200 Hektar Rebfläche, etwa der Hälfte des heutigen Anbaugebiets.

  • 1959
    Helfer ernten am Montag (27.09.2010) in den extrem steilen Weinlagen der Mainschleife bei Escherndorf (Unterfranken) Weintrauben.  | Bild: picture-alliance/dpa

    Traktor im Weinberg

    1959

    Geringste Anbaufläche aller Zeiten

    In Franken beträgt die bestockte Rebfläche nur noch 2.360 Hektar.

  • 1965
    Bocksbeutel auf andere Art verwendet | Bild: Michael Kröner - Würzburg (28.04.12)

    Bocksbeutel vor der Abfüllung

    1965

    Comeback des Frankenweins in den 1960er Jahren

    Beginn des Wiederaufbaus durch Beratung, Flurbereinigung, Förderung der Erzeugergemeinschaften und Einsatz moderner Produktionsmittel. Neben den selbstausbauenden und –vermarktenden Weingütern entstehen leistungsfähige Erzeugergemeinschaften und Winzergenossenschaften.

  • 2013
    Frankenwein fertig für den Verkauf | Bild: picture-alliance/dpa

    Flaschen mit Frankenwein, fertig für den Verkauf

    2013

    Wirtschaftsfaktor Frankenwein

    Etwa 5.000 Winzerbetriebe bewirtschaften rund 6.300 Hektar bestockte Rebfläche. Zusammen produzieren sie etwa 20 Millionen Literflaschen und 20 Millionen Bocksbeutel und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von bis zu 200 Millionen Euro pro Jahr.


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