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Abgas-Skandal Nachrüstung von Diesel-Stadtbussen lief jahrelang ins Leere

Durch die Nachrüstung von Diesel-Bussen sollte die Schadstoffbelastung in den Städten minimiert werden. Bei Fahrzeugen unterhalb der Abgasnorm Euro 6 scheint der Umbau aber gar nicht zu helfen.

Von: Josef Streule

Stand: 07.06.2018

Hagen in Nordrhein-Westfalen: im öffentlichen Nahverkehr fährt eine der modernsten Busflotten Deutschlands, ältere Diesel wurden durch Fahrzeuge mit der neuesten Abgasnorm ausgetauscht. Eigentlich wollten die städtischen Verkehrsbetriebe so dafür sorgen, dass die Luft in der Innenstadt sauberer wird.

Tatsächlich versagt ein großer Teil der Busse, denn viele Euro- 5-Fahrzeuge stoßen im normalem Verkehr völlig ungefiltert gefährliche Stickoxide aus. Wo viele Busse unterwegs sind, wird die Luft dadurch stark belastet. In der Verkehrsbranche ist das Problem seit langem bekannt. Der Abgasexperte Ralph Pütz warnte schon 2011, dass bei Euro-5-Bussen in der Stadt die Abgasreinigung mit dem Harnstoff AdBlue nicht funktioniert.

"Im Stadtverkehr habe ich niedrige Abgastemperaturen, teilweise unter 200 Grad, sodass dann keine AdBlue-Eindüsung erfolgt und auch keine Reduktion der Stickoxide mit Abgasnachbehandlung. Man fährt de facto mit NOx-Rohemissionen."

Ralph Pütz, Hochschule Landshut

Eigentlich sollten immer strengere Grenzwerte dafür sorgen, dass die Busse sauberer werden. So durften Busse der Euro-4-Norm ab 2006 noch 3,5 Gramm Stickoxid pro Kilowattstunde ausstoßen. Bei der Euro-5-Norm waren es ab 2009 nur noch 2 Gramm. Seit Anfang 2014 gilt mit Euro 6 ein Grenzwert von 0,4 Gramm. "Euro-6-Busse liegen bei Stickoxiden auf nahe Null-Emissionsniveau“, sagt Experte Pütz. Bei Euro-5-Bussen wurde dagegen nur getestet, ob die Motoren den Grenzwert auf dem Prüfstand erfüllen. Wenn sie das tun, ist die Realität auf der Straße egal.

"Es gibt sogar Fahrzeughersteller, die erst ab 250 Grad Abgastemperatur überhaupt AdBlue eindüsen, wobei auf einigen Linien diese Abgastemperatur niemals erreicht wird. Ist das legal? Das ist voll legal, weil eben bis Euro 5 der Testzyklus an der Praxis des Nahverkehrs völlig vorbeiging und der Hersteller eben nur den vorgegebenen gesetzlichen Test erfüllen musste."

Ralph Pütz, Hochschule Landshut

Unter dem Druck drohender Fahrverbote verspricht die Bundesregierung, die Nachrüstung von Bussen mit Steuermitteln zu fördern. Doch einen Bus nachzurüsten, kostet rund 20.000 Euro. Davon übernimmt der Staat rund die Hälfte - in größeren Städten wie Hagen sind es sogar nur 40 Prozent. Die Resonanz scheint eher verhalten. Laut Verkehrsministerium wurden bundesweit erst 550 Busse zur Nachrüstung angemeldet.

Die Bundesregierung wusste von der Diesel-Abgasproblematik bei den Stadtbussen zumindest schon seit dem Jahr 2010, wie Recherchen von Plusminus und BR Recherche zeigen.


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