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IS-Magazin "Dabiq" Die Stimme des Terrors auf Deutsch

Zum dritten Mal erscheint das IS-Magazin "Dabiq" jetzt auf Deutsch. Wut, Hass und Kriegsgeschrei, schick verpackt in ein Hochglanzmagazin. Das Sprachrohr der IS-Ideologen zieht alle Register, um dem Terror ein ästhetisches Gesicht zu geben.

Von: Ahmet Senyurt

Stand: 29.02.2016 | Archiv

Lohberger Brigarde | Bild: Dabiq

Das Titelfoto der neuen deutschsprachigen Ausgabe des IS-Propagandamagazins "Dabiq" zeigt den türkischen Staatspräsidenten Erdogan zusammen mit US-Präsident Obama. Die Botschaft ist klar: Die beiden mächtigen Männer befinden sich im Visier des sogenannten Islamischen Staates, abgekürzt IS.

Propagandablatt des Terrors

Dieses Foto verwendet "Dabiq" als Titelbild | Bild: White House/Pete Souza

"Dabiq" trägt dazu bei, die pseudoreligiösen Botschaften des IS in der Welt zu verbreiten. Zum dritten Mal erscheint das Propagandablatt nun auf 66 Seiten in deutscher Sprache.

"Dabiq" wird vom "Al-Hayat Media Center" herausgegeben. Das ist eine von mehreren Propaganda-Plattformen des IS im Internet. Die Online-Publikation erscheint seit Sommer 2014 in unregelmäßigen Abständen. Die erste Ausgabe war auf Englisch, später folgten andere Sprachen, darunter auch Deutsch.

Gewaltphantasien gepaart mit pseudoreligiösen Botschaften

Auf durchschnittlich 60 Seiten berichtet ein Autorenteam über Gewaltphantasien, untermalt mit semi-religiösen Botschaften und islamistischer Lebensberatung. Alltagsnachrichten aus dem so genannten Islamischen Staat im Stile eines – merkwürdigerweise - westlichen Fotomagazins fehlen ebenfalls nicht.

Manche Artikel sind garniert mit Propagandafotos vom Krieg in Syrien und im Irak. Die Bildsprache ist hochprofessionell und soll schockieren. Die neue deutschsprachige "Dabiq"-Ausgabe zeigt Fotos der nächsten Generation von IS-Kämpfern. Es sind Kinder: Die Enkel und Söhne des Kalifats werden für Hinrichtungsbilder in Szene gesetzt. Die Botschaft ist eindeutig: Es gibt nur Gut oder Böse; Gläubige oder Ungläubige; wir oder die.

Demselben Propagandazweck dient auch die Rubrik mit Nachrufen auf getötete Dschihadisten. Laut "Dabiq" soll "sowohl Kämpfern als auch potenziellen Rekruten […] damit das Gefühl der Einzigartigkeit vermittelt werden."

Abū Ǧaʿfar der Deutsche

In der neuen deutschsprachigen "Dabiq" wird beispielhaft der "heldenhafte" Lebensweg eines gewissen Abū Ǧaʿfar al Almani beschrieben. In Wirklichkeit handelt es sich bei Abū Ǧaʿfar um einen jungen Mann mit dem Geburtsnamen Hasan D. aus Dinslaken-Lohberg in Nordrhein-Westfalen.

Dinslaken ist eine Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets. Der Stadtteil Lohberg, ursprünglich eine alte Bergarbeitersiedlung, wird heute vor allem von türkischen Einwanderern und ihren Nachkommen bewohnt.

"Lohberger Brigade"

Hasan D. ist hier mit seinem älteren Bruder Hüseyin aufgewachsen und zur Schule gegangen. Er studierte in Düsseldorf Ingenieurswesen, als er Gründungsmitglied der sogenannten "Lohberger Brigade" wurde. Diese ist eine islamistische Gruppe mit rund zwei Dutzend jungen Mitgliedern aus Dinslaken-Lohberg. Ab Frühjahr 2013 reisten Mitglieder und Anhänger der "Lohberger Brigade" ungehindert nach Syrien aus, um sich dort islamistischen Terrormilizen anzuschließen.

Das neue deutschsprachige "Dabiq"-Heft bestätigt nun Recherchen und Berichte des ARD-Politmagazins report München. Danach hatte sich Hasan D. unter dem Kriegsnamen "Abū Ǧaʿfar der Deutsche" einer IS-Terroreinheit angeschlossen, die sich um den Pariser Attentäter Abdelhamid Abaaoud gebildet hatte.

Internationales Terrorkommando

Hasan D. und weitere Mitglieder der sogenannten "Lohberger-Brigade" waren laut  "Dabiq" Teil einer internationalen Brigade unter der Leitung eines IS-Kaders. Dieser Mann bildete ein Terror-Kommando bestehend aus Deutschen, Belgiern, Spaniern und Franzosen aus, um Anschläge in Europa vorzubereiten und durchzuführen.

Hasan D. starb im Frühjahr 2015 bei Kämpfen um die nordsyrische Stadt Kobane. Sein Bruder Hüseyin soll sich aktuell in der Türkei versteckt halten.

Recherchen von report München zeigen darüber hinaus, dass die "Lohberger-Brigade" allem Anschein nach weiter existiert. Einen Tag nach den Attentaten in Paris, also am 14.11.2015 schickte ein IS-Kämpfer aus Lohberg ein Foto aus Syrien an einen Freund in Dinslaken.

Das Bild, das report München vorliegt, zeigt Hasan D., seinen Bruder Hüseyin und den Pariser Attentäter Abaaoud, Arm in Arm in Syrien.


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