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Filmfest München BR-Koproduktion "Alles ist gut" zwei Mal ausgezeichnet

Eva Trobisch ist auf dem Filmfest München für die BR-Koproduktion "Alles ist gut“ als beste Nachwuchsregisseurin ausgezeichnet worden, Hauptdarstellerin Aenne Schwarz als beste Nachwuchsschauspielerin. Der sehenswerte Film dreht sich um die Aufarbeitung einer Vergewaltigung.

Stand: 07.07.2018

In dem Drama wird Janne (Aenne Schwarz) zum Sex gezwungen. Zur Verantwortung ziehen will sie den Täter aber nicht. Sie schweigt lieber, doch dieses Schweigen kostet sehr viel Kraft. Direkt und ohne einen Hauch von Selbstmitleid führe der Film diese stille Frau aus der Verzweiflung heraus in eine Rebellion, urteilten die Juroren am Freitagabend in München bei der Preisverleihung.

Beste Nachwuchsproduzentin wurde Anna de Paoli mit ihrer Psychostudie «A Young Man with High Potential». Damian John Harper bekam den Drehbuchpreis für das Drama «In the Middle of the River», das im US-Bundesstaat New Mexico spielt.

Wichtiger Nachwuchspreis

Den Förderpreis für den Nachwuchs gibt es in vier Kategorien: Regie (30 000 Euro), Produktion (20 000 Euro) sowie Drehbuch und Schauspiel (je 10 000 Euro). Die von Bavaria Film, Bayerischer Rundfunk und DZ Bank gestiftete Auszeichnung zählt zu den wichtigsten Nachwuchspreisen in Deutschland.

Im Rahmen der Verleihung in der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film wurde auch der 40. Geburtstag von "kinokino", dem wöchentlichen Kinomagazin im BR Fernsehen, gewürdigt.

Jurybegründung für Eva Trobisch

"(…) Ein Film, der so bescheiden und ehrlich, schonungslos und direkt erzählt – liebevoll und dennoch so trocken wie die Realität, mir wie Landschaft ausgerollt und als Knall wieder entzogen wurde. Als ich aus dem Kino kam, waren mir die Luft aus- und die Augen aufgegangen. Herzklopfend stand ich im Straßenverkehr und verstand, dass jemand einen Film gemacht und mir durch die Augen seiner bezaubernden Hauptdarstellerin die Hand gereicht hatte. Ja, deshalb machen wir Filme, habe ich gedacht. (…)"

Jurybegründung für Aenne Schwarz

"(…) Janne ist eine Frau aus dem alltäglichen Leben, aber für das Kino noch eine sehr Unbekannte. Aenne Schwarz schafft es, diesen Charakter authentisch darzustellen. Es tut immer wieder weh, ihr zu zuschauen und die Leinwand wird mit jedem Schweigen, mit jedem ‘alles gut’ zu einem Spiegel unserer Gesellschaft. Direkt und ohne den Hauch von Selbstmitleid führt sie diese stille Frau aus der Verzweiflung heraus in eine Rebellion. (…)"

Wenn Schweigen einer Ohnmacht weicht

Alles ist gut – so zumindest der Eindruck, den Janne (Aenne Schwarz) vermitteln möchte. Aber nichts ist gut. Nicht, seitdem ihr neuer Chef ihr seinen Schwager Martin (Hans Löw) vorgestellt hat, der am Abend ihres Kennenlernens gegen ihren Willen mit ihr schläft. Danach lässt Janne erst mal alles seinen gewohnten Gang gehen – wenn man die Dinge nicht zum Problem macht, hat man auch keins.

Doch ihr Schweigen über den Vorfall weicht nach und nach einer stillen Ohnmacht. Bis Janne ihr Leben und die Liebe zu ihrem Freund Piet (Andreas Döhler) langsam entgleiten. Eine Nacht, die für einen kurzen Moment den falschen Abzweig nimmt. Mit stiller Wucht erzählt "Alles ist gut" von den Folgen, die sich für die Beteiligten daraus ergeben – für Janne, für ihren Freund Piet, der nichts von dem Vorfall weiß, und für Martin, der seinerseits um den richtigen Umgang mit der Situation ringt.

Berichterstattung im BR Fernsehen und in 3sat

Das Filmmagazin des Bayerischen Rundfunks, berichtet in „kinokino extra: Das Beste vom Filmfest München“ und zieht Bilanz von Deutschlands größtem Sommerfestival. Dabei stellt „kinokino“ nicht nur die filmischen Höhepunkte des Filmfests vor, sondern berichtet auch von der Preisverleihung des Förderpreises Neues Deutsches Kino und stellt die Gewinnerfilme vor. Am Sonntag, 8. Juli 2018 um 18.00 Uhr in 3sat und am Mittwoch, 11. Juli um 0.15 Uhr im BR Fernsehen.


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