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Deutscher Journalistenpreis Web-Projekt "Winnti" von BR und NDR ausgezeichnet

Für die Recherche zur Industriespionage durch die chinesische Hackergruppe "Winnti" ist ein Reporterteam von BR und NDR mit dem Deutschen Journalistenpreis in der Kategorie "IT und Kommunikation" ausgezeichnet worden.

Von: Verena Nierle, BR Recherche/BR Data

Stand: 03.10.2020 | Archiv

Winnti | Bild: BR/Anna Hunger

daa0 c7cb f4f0 fbcf d6d1: Die Recherche der Journalisten von BR und NDR begann mit einem Code. Sie zeigt, wie es der mutmaßlich chinesischen Hackergruppe "Winnti", benannt nach der Schadsoftware, die sie einsetzt, gelungen ist, über Jahre hinweg Konzerne auszuspionieren, darunter DAX-Größen wie Henkel, Bayer und BASF, sowie Unternehmen in Frankreich, den USA und etlichen anderen Ländern.

Keine gewöhnliche Cyberkriminalität

Was zunächst nach gewöhnlicher Cyberkriminalität aussah, entpuppte sich Experten zufolge als Kampagne, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Auftrag des chinesischen Staates durchgeführt wird. Den Reportern war es erstmals gelungen, hunderte Varianten der dabei verwendeten Schadsoftware auszuwerten. Dabei zeigte sich: Die Hacker schrieben den Namen der Unternehmen, die sie ausspionieren wollten, codiert in die Schadsoftware.

Von der Jury hieß es in der Laudatio: "Eine tolle Recherche, packend, komplex, anschaulich aufgeschrieben und supergut", es sei eine sehr eindeutige Entscheidung gewesen.

Das "Winnti"-Team:

Autoren: Hakan Tanriverdi, Maximilian Zierer, Rebecca Ciesielski (BR), Svea Eckert, Jan Lukas Strozyk (NDR)
Mitarbeit: Maximilian Richt (BR)
Redaktion: Uli Köppen, Verena Nierle, Robert Schöffel
Illustrationen: Anna Hunger
Digitales Design: Steffen Kühne

Außerordentliche (Daten-)Recherche im Netz

Die ausgezeichnete Recherche zeigt auch, dass Journalisten auf völlig neue Art Informationen finden, sammeln und verifizieren können. Das interdisziplinäre Team aus Daten-, Tech- und Investigativjournalisten von BR Recherche, BR Data und NDR Investigativ hat für das "Winnti"-Projekt neue, technische Recherchemethoden entwickelt: Es hat Computerprogramme geschrieben, die automatisiert Schadsoftware nach Mustern durchsuchten. Außerdem setzte es ein Werkzeug journalistisch ein, das ansonsten vor allem IT-Sicherheitsexperten nutzen, um Netzwerke auf Schadsoftware zu prüfen. Der deutschen Öffentlichkeit wurde zum ersten Mal im Detail präsentiert, wie IT-forensische Analysen ablaufen und wie man Hackern auf die Spur kommen kann. 

"Ich gratuliere dem Team von BR Recherche/BR Data und NDR zu dieser Auszeichnung. Derartige Projekte zeigen, dass investigative Recherche mit Hilfe der IT-forensischen Datenanalyse in völlig neue Bereiche vordringen kann. Nur wer versteht, wie Hacker und Cyberkriminelle vorgehen, kann Schadsoftware analysieren und aufdecken, wer hinter den Angriffen steckt. Ich bin auch selbst ein wenig stolz darauf, dass ich so exzellente Daten-,Tech- und Investigativ-Journalisten in meinem Programmbereich habe."

Andrea Kister, Programmbereichsleiterin PB Politik und Wirtschaft

Große Aufmerksamkeit für multimediale Publikation  

Ergänzt durch klassische Recherche - insgesamt haben die Autoren Gespräche mit mehr als 30 Personen geführt - ergab sich ein umfassendes Bild über eine Bedrohung, die so groß war, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz wenige Monate nach der Veröffentlichung zum ersten Mal in dieser Form eine detaillierte technische Warnung veröffentlichte. 

Für die multimediale Publikation wurden diverse Ausspielwege genutzt (Radio, TV, Online, Social Media); Herzstück der Ausspielung war das Web-Projekt. Die Recherche wurde ins Englische übersetzt und von zahlreichen Medien aufgegriffen.

Über den Preis

Der Deutsche Journalistenpreis wird jährlich ausgelobt vom "The Early Editors Club" (TEEC), einem Netzwerk für Journalisten und Wirtschaftsvertreter zur Förderung des Qualitätsjournalismus. Im Fokus sind journalistische Beiträge, die sich mit Wirtschafts- und Finanzthemen auseinandersetzen. Preise und Nominierungen sind mit 5.000 Euro dotiert.


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