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Neuer Bildungsbericht Deutsche machen immer höhere Schulabschlüsse

Deutschland wird klüger. Die Bevölkerung hat in den letzten Jahren einen immer besseren Bildungsstand erworben; immer mehr Menschen machen einen höheren Schulabschluss. Das sagen Forscher im neuen Bildungsbericht.

Von: Janina Lückoff

Stand: 16.06.2016

Schriftzug "Abitur" an Schultafel | Bild: picture-alliance/dpa

In den letzten Jahren hat die Bevölkerung einen immer besseren Bildungsstand erworben; immer mehr Menschen machen einen höheren Schulabschluss. Vor zehn Jahren, im ersten Bildungsbericht, lag die Zahl der Abiturienten noch bei knapp 30 Prozent; vorletztes Jahr waren es 41 Prozent.

Mittlerer Abschluss bleibt wichtig

Die meisten Schülerinnen und Schüler, etwas mehr als die Hälfte, machen einen mittleren Abschluss. Der Hauptschulabschluss verliert dagegen bundsweit an Bedeutung, nicht jedoch in Bayern: Hier finden 31 Prozent der Grundschulübergänge auf die Hauptschule statt - und die meisten von ihnen machen laut Kultusminister Ludwig Spaenle einen Abschluss:

"Wir haben eine stabile Situation von etwa 30 Prozent Absolventen im Hauptschulbereich, und der Zusammenhang zwischen einem Hauptschulabschluss und einer Chance in der dualen Ausbildung mit negativer Tendenz kann ich in Bayern nur bedingt feststellen."

Ludwig Spaenle

Migrantenkinder als Verlierer

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die keinen Hauptschulabschluss machen, sank im gesamten Bundesgebiet auf unter sechs Prozent. Hier wird besonders deutlich, dass ausländische Kinder zu den Verlierern im deutschen Schulsystem zählen. Kai Maaz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung DIPF, das bei der Erstellung des Bildungsbericht die Federführung hatte, sagt, warum:

"Ausländische Jugendliche haben im Vergleich zu den deutschen mehr als doppelt so häufig keinen Schulabschluss und erwerben überproportional einen Hauptschulabschluss."

Kai Maaz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung DIPF

Mehr Geld für Flüchtlingskinder nötig

Dreimal seltener schaffen sie die Hochschulreife. Auch deutsche Kinder, die Eltern ausländischer Herkunft haben, haben es nicht leicht: Sie gehen öfter auf die Haupt- oder die Realschule als auf das Gymnasium. Grund ist aber nicht der Migrationshintergrund, sondern der sozio-ökonomische, sagt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan:

"Der eigentliche Zusammenhang ist nicht die Frage der Herkunft, sondern die Frage der sozialen Lage."

Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Der Schlüssel für Integration ist Bildung, so die einhellige Meinung bei der Präsentation des Bildungsberichts; und Kai Maaz vom DIPF beziffert auch die Kosten: Für die Integration der im vergangenen Jahr Zugewanderten würden pro Jahr zusätzlich 2,2 bis drei Milliarden Euro benötigt, für alle Bereiche vom frühkindlichen Bereich bis zur beruflichen Bildung. Insgesamt wurden im Jahr 2013 9,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung, Forschung und Wissenschaft investiert, das waren gut 257 Milliarden Euro. Die Ausgaben pro Schüler und Schülerin sind damit seit 2005 von 4.900 auf 6.500 Euro gestiegen.

Unterschiedliche Bilanzen

Alles in allem zieht auch der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle eine positive Bilanz:

"Ich glaube, der Rückblick auf zehn Jahre macht deutlich, dass die Bildungsrepublik Deutschland bei den besonderen Herausforderungen insbesondere der Prägewirkung der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg an allen wichtigen Indikatoren vorangekommen ist."

Kultusminister Ludwig Spaenle

Nach Ansicht des bildungspolitischen Sprechers der Grünen, Özcan Mutlu, dagegen bleibt noch viel zu tun: Die soziale Schieflage müsse abgebaut und Aufstieg durch Bildung ermöglicht werden. Er fordert eine Bildungsoffensive für ein inklusives und chancengerechtes Bildungssystem.


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