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Bayern-Ei-Skandal Ein fragwürdiger Neuanfang

Der Inhaber in U-Haft, der Betrieb gesperrt, tausende Hennen geschlachtet. Jetzt soll ein neuer Geschäftsführer Bayern-Ei helfen. Doch nach Recherchen des BR-Politikmagazins "Kontrovers" und der "SZ" hat auch er schon gegen Lebensmittelgesetze verstoßen.

Von: Philipp Grüll

Stand: 09.09.2015 | Archiv

Dem Bayern-Ei-Inhaber Stefan Pohlmann könnte bald der Prozess gemacht werden. Der neue Geschäftsführer seines Unternehmens hat gerade ein Verfahren hinter sich. Er heißt Sören Mohr, ist 27 Jahre alt und führte bis Ende 2014 einen Geflügelhof in Schleswig-Holstein. Dort soll er gesundheitsschädliche Lebensmittel hergestellt haben, wie ein norddeutsches Gericht befand: Mohr wurde schuldig gesprochen, wegen katastrophaler hygienischer Zustände in seinem Betrieb. Für Friedrich Mülln vom Verein Soko Tierschutz ist Pohlmanns Geschäftsführerwahl nur konsequent.

"Das wundert mich gar nicht, weil so einer wie der Pohlmann sucht sich natürlich einen, der das Geschäft in seinem Sinne weiterführt. Und in seinem Sinne heißt für uns: Es wird weitergehen mit Tierquälerei, es wird weitergehen mit Hygieneproblemen."

Friedrich Mülln, Verein Soko Tierschutz

Haltbarkeitsdaten manipuliert?

Unterdessen zeichnet sich ab, dass das Ausmaß des Bayern-Ei-Skandals weit größer sein könnte als bislang angenommen. Denn bei Bayerns größtem Ei-Erzeuger wurden womöglich seit vielen Jahren Haltbarkeitsdaten manipuliert.

Darauf deuten Aussagen von Insidern hin - die eines Lkw-Fahrers zum Beispiel, der vor mehreren Jahren immer wieder für einen Bayern-Ei-Kunden Eier abholte.

"Die Fahrer haben gewusst, da ist was nicht ganz sauber. Hinter vorgehaltener Hand wurde gesagt, dass da umetikettiert wurde, dass da Eier, die zurückgekommen sind, neu verpackt wurden. Die Fahrer wurden angewiesen, in der Öffentlichkeit nicht darüber zu reden, um einen größeren Skandal zu vermeiden."

Ein Lkw-Fahrer

Seinen Angaben zufolge waren an den Verpackungen Umpack-Spuren zu erkennen: "Wenn man den Aufkleber abgemacht hat, hat man auch das alte Datum gesehen und man hat gesehen, dass da was verändert wurde, dass da ein Aufkleber abgemacht wurde und neue Aufkleber drauf."

Düstere Szenarien

Der Name Bayern-Ei sei nach dem Salmonellenskandal ruiniert, heißt es in der Branche. Sören Mohr, der neue Geschäftsführer, steht also vor einer schwierigen Aufgabe. In der Branche heißt es, Bayern-Ei könnte den Namen wechseln und auf Bodenhaltung umstellen, um das Image zu verbessern. Sollte er scheitern, könnten Investoren bei Bayern-Ei einsteigen. Friedrich Mülln vom Verein Soko Tierschutz erinnert all das an die früheren Skandale der Familie Pohlmann.

"Auch damals gab’s zahllose Rechtsbrüche, dann gab’s rechtliche Reaktionen, es gab Prozesse, es gab sogar starke Urteile, Tierhalteverbote. Aber die Legebatterien des Anton Pohlmann existieren in Norddeutschland immer noch. Die wurden von der Deutschen Frühstücksei übernommen, und die Tiere sitzen heute noch in Käfigen. Und das ist die große Gefahr, dass jetzt einfach irgendwelche Investoren sich diese Monster-Legebatterien der Bayern-Ei schnappen, sich da reinsetzen ins gemachte Nest und weitermachen wie zuvor - und der Verbraucher und die Tiere werden wieder die Quittung dafür bekommen."

Friedrich Mülln, Verein Soko Tierschutz

In der Branche heißt es: Ein großer holländischer Eier-Konzern soll bereits sein Interesse angemeldet haben.

SPD-Fraktion verlangt Aufklärung

Die SPD-Landtagsfraktion reagierte mit einer offiziellen Anfrage an die Staatsregierung auf die jüngsten Recherchen von "Kontrovers" und "Süddeutscher Zeitung". Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) müsse nun sofort offenlegen, seit wann der Verdacht bekannt gewesen sei, forderte SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn.

"Es ist unfassbar, dass hier offenbar wieder eine Information der Öffentlichkeit systematisch vorenthalten wurde."

Florian von Brunn, SPD-Verbraucherschutzexperte

Für die SPD-Fraktion sei der "Zenit bei Bayern-Ei" längst überschritten, betonte von Brunn und fügte hinzu: "Diese Firma gehört im Interesse der Verbraucher und natürlich auch aus Tierschutzgründen zugesperrt."


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