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Millionenschwere Grauzone AOK Bayern will gegen Betrug vorgehen

Zwar seien die Betrüger unter den Gesundheitsberuflern eine Minderheit, hieß es von der Kasse bei der Vorlage einer Bilanz ihrer Arbeit – doch sie würden immer einfallsreicher

Von: Nikolaus Nützel

Stand: 17.08.2016

Arzt zählt Geldscheine | Bild: picture-alliance/dpa

Ärzte rechnen Leistungen ab, die sie nicht erbracht haben. Pflegedienste stellen mehrere Anfahrten in Rechnung, obwohl sie nur einmal beim Patienten waren. Sanitätshäuser liefern minderwertige Matratzen, rechnen aber teure Ware ab – die Beispiele für Betrug im Gesundheitswesen, die die AOK Bayern auflistet, sind vielfältig.

Hilfe vom Gesetzgeber

Die Betrüger seien eine Minderheit, erklärt der AOK-Verwaltungsratsvorsitzende Matthias Jena - doch um gegen die vorzugehen, wünscht er sich mehr Möglichkeiten. So könnten betrügerische Pflegedienste an einen neuen Standort übersiedeln, wo die Kassen von ihrer Vergangenheit nichts wissen. Das müsse der Gesetzgeber ändern, fordert die AOK.

"Es ist völlig untragbar, dass Betrüger einfach ein Bundesland weiterziehen und dort eine neue Zulassung beantragen können, ohne dass die Kranken- und Pflegekassen über die kriminelle Karriere informiert sind."

AOK-Verwaltungsvorsitzender Matthias Jena

AOK Bayern erfolgreich beim Kampf gegen Betrüger

Die Kasse ist dabei mit ihren eigenen Erfolgen bei der Betrugsbekämpfung zufrieden:
Von bundesweit knapp 43 Millionen Euro, die alle Kassen in den Jahren 2012 und 2013 nach Betrugsfällen zurückgeholt haben, entfällt ein Viertel auf die AOK Bayern, also weit mehr, als es ihrem bundesweiten Marktanteil entspricht.


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lisa, Donnerstag, 18.August 2016, 08:23 Uhr

3. Viele Wegekosten-Abrechnungen für Hausbesuche im Altenheimen sind auch falsch

Nicht nur Pflegedienste stellen mehrere Anfahrten in Rechnung, obwohl sie nur einmal beim Patienten waren. Ein Angehöriger von mir ist in einen Altenheim im Landkreis Tirschenreuth. Der Arzt kam mehrmals ins Altenheim, besucht mehrere Patienten und berechnete die vollen Wegekosten, obwohl die Gebührenordnung der Ärzte hierfür einen extra Posten mit geringeren Gebühren vor sieht.
Ganz schlimm war es bei den Phiysiotherapeuten. Auch die müssten ihre Hausbesuchspauschale splitten.
Noch schlimmer finde ich, dass das Altenheim davon weiß und es keinen intersssiert.
Machen Sie weiter Herr Nützel, das ist ein ganz heißes Thema!

Werner, Mittwoch, 17.August 2016, 16:35 Uhr

2.

Soll doch die AOK auch mal Fremdleistungen unter die Lupe nehmen.
Durch Berufserkrankung und Arbeitsunfälle die zu Lasten der GKV abgerechnet werden, entstehen enorme bis zu 7 stellige Eurosummen.
Hier kommt bisher kein Aufschrei der GKV oder der AOK.

Würde die Ärzteschaft besser informiert und ausgebildet, würden nicht "falsche" Kostenträger wie die AOK belastet werden.

Nähere Informationen kann die AOK bestimmt bei Ihrem Dachverband erfahren, denn dieser ist schon seit 2007 informiert und tut ebenso wenig.

Presseauditor, Mittwoch, 17.August 2016, 08:07 Uhr

1. Unsolide Gerüchteberichterstattung

Weshalb berichtet ein Journalist über nebulöse Äußerungen der AOK? Entweder man fragt bei der AOK nach und bittet um Fakten, worüber man dann berichten kann oder man schweigt sich über AOK-Gerüchte aus.

  • Antwort von Nikolaus Nützel, Mittwoch, 17.August, 16:09 Uhr

    Sehr geehrter "Presseauditor", wenn eine Körperschaft des öffentlichen Rechts - wie die AOK - einen Bericht über die Arbeit ihrer "Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen" vorlegt (eine Stelle, deren Einrichtung der Gesetzgeber vorgeschrieben hat), dann weiß ich nicht, warum Sie den Begriff "Gerüchte" wählen. Als berichterstattender Journalist muss ich davon ausgehen, dass in so einem Bericht Fakten stehen, genauso wie ich davon ausgehe, dass das Innenministerium oder das Bundeskriminalamt über Fakten informieren, wenn Sie Berichte zur Kriminalitätsentwicklung vorlegen. Die Inhalte solcher Berichte zusammenzufassen - in diesem Fall selbstverständlich nach Fragen an die AOK - ist die übliche Arbeit eines Journalisten. Ich weiß, wie gesagt nicht, was das mit Gerüchten zu tun haben soll. Freundliche Grüße, Nikolaus Nützel, BR