Medienkompetenzprojekte - crossmedia


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1. Preis | 2019 | Sparte Short Film "Horazio - The Timekeeper"

Beklemmend - aber beklemmend schön! Der Film “Horazio” zeigt einen überaus ungewöhnlichen und sehenswerten Beitrag über Uniformität und Identitätssuche in einer leidenschaftslosen Leistungsgesellschaft.

Stand: 18.11.2019

Horazio - The Timekeeper | 1. Preis | 2019

Schule: Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad Tölz
Beteiligte Schüler: Fabian Sigler, Josephine Greck, Tatjana Hoter

Kommentar der Jury:

Der Film “Horatio” zeigt einen Beitrag über Uniformität und die Identitätssuche einer weiblichen Hauptfigur. Die Dramaturgie der Handlungsentwicklung ist mehrschichtig gestaltet, die Kameraführung zeigt passende Einstellungsgrößen, auch Schnitt und Vertonung sind überzeugend eingesetzt. Das Stilmittel einer rhythmisch tickenden Zeit wurde durch den Schnitt visualisiert. Als uniformierendes Element sieht und hört man Zeit, die auf verschiedenen Uhren tickend abläuft und dies in einem eigenen monoton immer wiederkehrenden Rhythmus. Es tickt. Der Lehrer gibt einen Takt und Text ohne Inhalt vor. Man sieht die Protagonistin, wie sie mitmacht und Striche im Takt schreibt - wie alle anderen.

Als sie bemerkt, dass einer der Schüler Punkte statt Striche in einem anderen Takt notiert, hält sie inne. Sie denkt an ihre einsamen Ausflüge in die Natur, ein Waldstück nahe eines Wasserfalls. Man sieht satte Grüntöne und hört belebtes Plätschern des Wassers. Die verteilten Arbeitsblätter - hier ein mit Strichen beschriftetes Ahornblatt - haben leblosen Formalismus zum Thema. Hier sinkt die Protagonistin entnervt auf ihrer Lernliege nieder, während ihr Schatten sich aber aufrichtet und aus dem Arbeitsblatt einen Flieger faltet.

Diese Traumwelt eröffnet eine zweite Realitätsebene im Film. Filmische Mittel sind schlüssig eingesetzt, wie zum Beispiel auch dort, als sie in Zeitlupe ihre getaktete Uhr fallen lässt. Sie denkt an ihre Freundinnen und man sieht ein Gruppenfoto mit jungen Frauen in Tracht, mit einem leeren Platz in ihren Reihen. Der Film endet mit einem Blick auf laufende Füße über asphaltierte Großstadtstraßen und zeigt aufgereihte leere Monitorrahmen, von denen einer dann gegen dieses Heimatfoto ausgetauscht wird.


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