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1.6. Lailat al-Qadr Nacht der Bestimmung

Die 27. Nacht des Fastenmonats Ramadan, beziehungsweise die 26., wenn der Ramadan nur 29 Tage hat, ist eine ganz besondere...

Von: Roswitha Buchner

Stand: 21.10.2019 | Archiv

Die Nacht der Bestimmung, arabisch Lailat al Qadr oder Kadir gecesi, wie sie auf Türkisch heißt, gehört zu den Höhepunkten des Fastenmonats Ramadan. Zwar ist sie nicht offizieller Bestandteil des islamischen Kalenders, bezieht ihre Bedeutung aber aus der mehrmaligen Erwähnung im Koran. Für Muslime in aller Welt ist sie die heiligste aller Nächte im gesamten Jahr. Zurück geht sie auf eine Nacht im Jahr 610 gregorianischer Zeitrechnung, in der nach muslimischer Tradition Gott dem Propheten Mohammed erstmals Teile des Koran offenbare. Als Übermittler dieser Offenbarung wird der Erzengel Gabriel genannt.

Im Laufe der folgenden zweiundzwanzig Jahre, fünf Monate und vierzehn Tage wurde dem Propheten die vollständige Heilige Schrift der Muslime in Form von göttlichen Versen, den sogenannten Suren, übermittelt. Das genaue Datum der ersten Koranoffenbarung ist nicht bekannt. Es lässt sich lediglich auf die ungeraden letzten zehn Nächte des Fastenmonats Ramadan festlegen.

In den meisten islamischen Ländern feiern die Gläubigen die Lailat al Quadr in der 27. Nacht des heiligen Monats. Dazu werden die Moscheen festlich geschmückt, zwischen den Minaretten werden farbige Lichterketten gespannt und per Lautsprecher die Predigten der Imame ins Freie übertragen. Die ganze Nacht über sind die Koranlesungen, Gebete und Gesänge aus den Moscheen zu hören. Denn dort versammeln sich die Gläubigen nach dem Fastenbrechen, um gemeinsam bis zum Morgengrauen zu beten und den Koran zu Ende zu lesen. Mit dessen Lektüre beginnen die Muslime in der ersten Ramadan-Nacht.

Nacht des Schicksals

Es heißt, dass in der Nacht der Bestimmung viele Engel vom Himmel herabstiegen und die muslimischen Gläubigen in ihren Häusern und den Moscheen besuchten. In dieser Nacht sollen auch die Geschicke aller Lebewesen für das nächste Jahr festgelegt werden. Deshalb wird die Lailat al Quadr oft auch als die "Nacht des Schicksals" bezeichnet. In diesen nächtlichen Stunden wird niedergeschrieben, wer leben und wer sterben wird, wer gerettet und wer verdammt wird, wem Einlass ins Paradies gewährt, und wer in die Hölle verstoßen wird, wo Dürre und Hungersnot herrschen werden und alles andere, was Gott beschließt. Gebete zur Vergebung der Sünden und andere Gebete, die in dieser Nacht verrichtet werden, finden besonderes Gehör.

Im Glauben des Islam ist der Segen für rechtschaffene Taten während der Lailat al Qadr stärker als in tausend anderen Monaten: Die Nacht der Bestimmung und Offenbarung ist in besonderer Weise von Licht und Segenskraft erfüllt.


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