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PISA-Offensive Was brauchen Bayerns Grundschüler?

Mit der PISA-Offensive will Kultusministerin Anna Stolz die Grundschüler fit machen. Dabei hält sie am "Grundschulabitur" fest. Opposition und Lehrer üben Kritik an den Plänen der Ministerin, auch bei den kreativen Fächern zu streichen.

Published at: 25-4-2024

"Mein kleiner Bruder geht jetzt in die vierte Klasse und leidet unter sehr hohem Leistungsdruck. Auch von mir hat man damals erwartet, dass ich auf ein Gymnasium gehe. Ich bin dann auf die Förderschule gekommen und das hat mich demotiviert", sagt Basel Abo Alzalf. Der stellvertretende Landesschülersprecher für Förderschulen berichtet in der Sendung "jetzt red i" im BR-Fernsehen, wie der Druck, eine Empfehlung fürs Gymnasium zu bekommen, ihm zu schaffen gemacht habe.

Rufe nach Reform des "Grundschulabiturs"

So geht es vielen Grundschülerinnen und Grundschülern in Bayern: auch in diesem Jahr werden im Mai die Übergangszeugnisse verliehen. Der Notenschnitt spielt eine wichtige Rolle dabei, auf welche Schule sie ab Herbst gehen werden. Auch von daheim kommt oft Druck. Hans Killunghusen, Kinder- und Jugendtherapeut, hält den frühen Übertritt in eine neue Schule für einen Fehler: "Ich kriege mit, in der Beratung aus psychotherapeutischer Sicht, dass Kinder erhöhte Schwierigkeiten haben, in der sozialen Anpassung, dass das viel Leid produziert."

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, forderte bei "jetzt red i" im BR Fernsehen eine Reform des "bayerischen Grundschulabitur". Sie sagte: "Dieser Übertritt, der gehört wirklich reformiert! Es macht mich traurig und wütend, dass wir es nicht geschafft haben, dieses Thema anzugehen."

Kultusministerin: Druck kommt von der Gesellschaft, nicht von der Schule

Strohmayr forderte die bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) auf, einen gemeinsamen runden Tisch mit Eltern, Lehrerverbänden und Beteiligten der Schulgemeinschaft einzurichten, um über eine Reform des Schulübertrittes zu diskutieren.

Stolz verteidigt das sogenannte "Grundschulabitur". Sie sähe keinen Handlungsbedarf für eine Veränderung. Stattdessen betonte Stolz: "Für mich geht es darum, dass wir in Bayern für jedes Talent die passende Schulart haben und zweitens ein durchlässiges Bildungssystem da ist, und deswegen braucht es diesen gesellschaftlichen Druck auf unsere Kinder gar nicht." Die Kultusministerin forderte stattdessen: "Ein gesellschaftliches Umdenken, dass es mehr Wertschätzung für alle Berufe und Schularten gibt, das würde den Druck rausnehmen."

Pisa-Offensive soll Bayerns Grundschüler fitter machen

Auch wenn das Grundschulabitur erstmal erhalten bleibt – für die Grundschülerinnen und Grundschüler in Bayern wird sich einiges ändern. Mit der Pisa-Bildungsoffensive reagiert Kultusministerin Anna Stolz auf die schlechten Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Der Plan: An den Grundschulen soll es ab Herbst je eine Stunde mehr Deutsch- und Mathematikunterricht pro Woche geben: "Wir müssen die Basiskompetenzen stärken. Die Fächer sind Grundlage fürs Leben, für alle Fächer."

Um mehr Unterricht in den Grundfächern zu ermöglichen, bekommen Schulen ab dem Schuljahr 2024/25 mehr Kompetenzen zugesprochen. Sie sollen selbst entscheiden, wie sie die Unterrichtsstunden umschichten und welche Fächer so eventuell kürzer kommen. Die kreativen Fächer (Musik, Kunst, Werken und Gestalten) können dann flexible eingesetzt werden.

Lehrerin: "Nicht selten gewinnen wir Handwerker für die Zukunft"

Die Lehrerin für Werken und Gestalten, Regina Maier, fürchtet, dass ihr Fach zu kurz kommen könnte: "Die Kinder lernen eigene Ideen entwickeln. Die Kreativität wird gefördert, Talente werden entdeckt. Nicht selten gewinnen wir Handwerker für die Zukunft."

Auch die SPD-Politikerin Strohmayr betonte die Bedeutung der kreativen Fächer: "Wer soll denn Handwerker werden, wenn wir die Kinder in der Schule nicht mit dem Handwerk begeistern?" Gerade im digitalen Zeitalter sei das Üben der Feinmotorik wichtig für kleine Kinder.

Johanna Hintermeier


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