ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Federico Garcia Lorca - "Bernarda Albas Haus"

Lorca war hochbegabter Dichter und Dramatiker, Musiker und auch Märtyrer für ein besseres Spanien, ermordet von den Franquisten kurz nach Beginn des Bürgerkriegs. Er zählt zu den kreativsten Künstlern, die Spanien im vergangenen Jahrhundert hervorgebracht hat.

Stand: 22.12.2016

Federico García Lorca | Bild: picture-alliance/dpa

Der spanische Dichter Federico Garcia Lorca wurde am 19. August 1936 erschossen, einen Monat nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs in der Schlucht von Viznar bei Granada. Da war er gerade mal 38 Jahre alt. Doch bewiesen ist das nicht. Denn bis heute fehlt seine Leiche. Siebzig Jahre nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) liegen landesweit noch rund 120.000 der Opfer in namenlosen Massengräbern. Lorca ist der bekannteste von ihnen.

Begabung als Pianist

Federico Garcia Lorcas Unterschrift

Garcia Lorca wurde in einem Dorf, westlich von Granada geboren, am 5. Juni 1898. Der Vater war Großgrundbesitzer und wurde reich durch die damals stark ansteigenden Zuckerpreise auf dem Weltmarkt. Die Mutter war eine begabte Pianistin. Ihrem Einfluss ist es zu verdanken, dass der Sohn, bei aller Liebe zur Natur, sich weniger für Landwirtschaft und Zucker als für das Klavierspielen, für Komponisten wie Chopin und Beethoven erwärmte, ja sogar von einer Karriere als Konzertpianist träumte. 1909 zog die Familie in eine stattliche Villa nach Granada.

Erfolge als Dichter und Dramatiker

Spaniens berühmtester Dichter und Dramatiker: Federico Garcia Lorca

Dort studierte Lorca zunächst Rechtswissenschaft, Philosophie und Literaturwissenschaften. Mit 21 Jahren ging er an das Elitekolleg "Residencia de Estudiantes" in Madrid. Die Residencia war in den zwanziger Jahren eine Art Sammelbecken für die künstlerische Avantgarde Spaniens. Hier traf er unter anderem den Komponisten Manuel de Falla, den Regisseur Luis Buñuel und den Maler Salvador Dalí. 1928 veröffentlichte er Gedichtbände über den "Cante Jondo". Diese "Zigeunerballaden" machten ihn in kurzer Zeit in ganz Spanien als der Dichter Andalusiens bekannt.

Gedicht

Reiterlied

Canción de jinete

Cordoba.
Weit weg und einsam.

Schwarzes Pferdchen, großer Mond
und Oliven in meiner Satteltasche.

Auch wenn ich den Weg kenne,
werde ich nie in Cordoba ankommen.

Durch die Ebene, durch den Wind,
schwarzes Pferdchen, roter Mond.
Der Tod schaut von Cordobas Türmen
auf mich herab.

Ach, welch langer Weg!
Ach, welch tapferes Pferdchen!
Ach, daß der Tod mich
vor der Ankunft in Cordoba erwartet!

Cordoba.
Weit weg und einsam.

Poema del Cante Jondo von Federico García Lorca
Deutsch von Johannes Beilharz 1998/1999

Trilogie von Bauerndramen

Das andalusische Landgut inspirierte Lorca zu dem Eifersuchtsdrama "Bluthochzeit".

In den Dramen des Autors geht es sehr düster und schwermütig zu. Ganz besonders deutlich wird das an jener Trilogie aus dem bäuerlichen Leben, den Stücken "Bluthochzeit", "Yerma" und "Das Haus der Bernarda Alba". Der Zuschauer fühlt sich an die Unerbittlichkeit einer griechischen Tragödie erinnert, wenn - wie in "Bluthochzeit" - der Rachegedanke nicht aus den Köpfen der Menschen zu entfernen ist. In "Yerma" ist das Thema die Verzweiflung einer Frau, die unfruchtbar ist und sich vergeblich nach Liebe sehnt und am Ende ihren Mann ersticht. Im "Haus der Bernarda Alba" schließlich tritt das Schicksal in der Gestalt der strengen Mutter auf, die ihren fünf Töchtern nicht das Glück einer Selbstentfaltung zugestehen will.


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