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Zeitzeuge Mannheimer, Max

Max Mannheimer war einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust. Er war Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und führte jahrzehntelang Besucher durch die KZ-Gedenkstätte. Sein Leben porträtierten die Filme "Der weiße Rabe - Max Mannheimer" (2009) und "Max Mannheimer - Ich kann nicht hassen" (2012).

Stand: 27.01.2015 | Archiv

"Ich bin ein Zeuge der Zeit und kein Ankläger und auch kein Richter. Unter dieser Voraussetzung gehe ich in die Schulen, um die jungen Leute dort vor der Gefahr einer Diktatur zu warnen. Es kommt mir also weniger darauf an, über mein Leid zu klagen, sondern es kommt mir darauf an zu vermitteln, wie eine Diktatur entsteht, wie man eine Diktatur verhindern kann. Wie kann man das machen? Indem man die Demokratie stärkt. Auch wenn die Politiker nicht immer gute Vorbilder sind, kann ich den jungen Menschen gegenüber nur immer wieder Winston Churchill zitieren: 'Die Demokratie ist eine schlechte Regierungsform, aber ich kenne keine bessere. Mir kommt es also darauf an, die Menschen für die Demokratie zu mobilisieren. Ich nenne auch immer Beispiele, um die Menschen dazu zu ermutigen, Zivilcourage zu entwickeln, und um zu zeigen, dass es sie auch damals gegeben hat: In Berlin wurden damals 1500 Juden versteckt! Wenn ich damals kein Jude gewesen wäre, weiß ich nicht, ob ich eingedenk der Gefahr, in die ich mich damit begeben hätte, den Mut gehabt hätte, einen Juden zu verstecken."

Max Mannheimer

Zur Person

  • 6. Februar 1920 in Neutitschein - 23. September 2016 in München
  • Schule
  • 1934-1936 Handelsschule

Lebensstationen

  • Angestellter in einem Kaufhaus
  • Bau- und Kanalisationsarbeiter
  • 1943 Häftling in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz
  • 1944 Häftling im Konzentrationslager Dachau
  • 1947-1962 Tätigkeit in jüdischen Wohlfahrtsorganisationen und bei einer Zeitung
  • Seit 1954 unter dem Pseudonym "Ben Jakov" Maler von abstrakten Bildern, die er seit 1975 auch ausstellt
  • 1962-1983 Tätigkeit in der Verwaltung einer Strickwarenfabrik und der Hausverwaltung eines Bekleidungshauses
  • Seit 1986 Zeitzeuge in Schulen, kirchlichen Einrichtungen und anderen Institutionen
  • Führung von Besuchern durch die KZ-Gedenkstätte Dachau
  • Seit 1988 Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau
  • 2009 Bayerische Verfassungsmedaille in Gold, Dokumentarfilm "Der weiße Rabe" von Carolin Otto

Veröffentlichungen

  • Spätes Tagebuch. Theresienstadt - Auschwitz - Warschau – Dachau, Zürich / München: Pendo, 2000.

Erstsendung: 5.2.2010


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