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Überlebender des NS-Regimes Naor, Abba

Abba Naor wurde als Dreizehnjähriger in das Getto im litauischen Kaunas deportiert, dann in das KZ Stutthof und in die Außenlager des KZ Dachau. Nach seiner Befreiung lebte er in Israel. Seit 2001 ist Abba Naor Vertreter der ehemaligen Landsberg-Häftlinge im Vorstand des internationalen Dachau-Komitees und tritt vor allem in Schulen als Zeitzeuge auf.

Stand: 05.03.2013 | Archiv

Abba Naor zu Gast im alpha-Forum | Bild: BR

"Als ich in der Ettstraße zum Verhör gebracht wurde, traf ich dort auf der Treppe einen Polizisten. Ich habe ihn angeschaut und sagte zu ihm: 'Jordan? Du warst doch in Kaunas!' Ich hatte nämlich während unserer Zeit im Getto bei der Schutzpolizei in einer KFZ-Garage gearbeitet. Und von dort kannte ich diesen Mann: Er arbeitete dort als Schutzpolizist. Die Arbeit in dieser Garage war eine gute Arbeit, aber die dortigen Schutzpolizisten waren doch manchmal sehr, sehr unberechenbar. Wenn sie 'gute Laune' hatten, dann haben sie uns eine Flasche mit Wasser auf den Kopf gestellt und dann mit ihren Pistolen auf diese Flasche gezielt. Das war für sie bestimmt ein lustiges Spiel. Meistens haben sie die Flasche getroffen. Manchmal auch nicht. Als ich rauskam aus der Ettstraße, sagte ich zu meinem Vater, der dort auf mich gewartet hat: 'Hier bleibe ich nicht mehr. Wenn es hier dieselben Polizisten gibt, die es schon bei uns im Getto gegeben hat, dann ist hier für mich kein Platz!' Mein Vater hat versucht, mich davon zu überzeugen, das nicht zu tun, aber ich sagte zu ihm: 'Ich gehe nach Palästina!'"

Abba Naor

Zur Person

  • Geboren
  • 21. März 1928 in Vilna/Litauen

Lebensstationen

  • 1941–1944 Inhaftierung im Getto Kaunas
  • 1944 Deportation ins Konzentrationslager Stutthof bei Danzig, Verlegung nach Utting am Ammersee
  • 1945 Verlegung nach Landsberg ins KZ-Außenlager Kaufering; Todesmarsch Richtung Süden, Befreiung durch US-Soldaten
  • 1946 Emigration aus Deutschland
  • Seit 2001 Sprecher der Gemeinschaft der ehemaligen Landsberg-Häftlinge im Vorstand des internationalen Dachau-Komitees

Erstsendung: 28.7.2011


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