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Nach 23 Jahren Johannes Singhammer verabschiedet sich vom Bundestag

Am vergangenen Dienstag fand die letzte Sitzung des Bundestags statt, bevor dieser in zwei Wochen neu gewählt wird. Mit dabei war auch der bisherige Bundestagsvizepräsident, der Münchner Johannes Singhammer. Nach 23 Jahren hört der CSU-Politiker nun auf.

Author: Hans-Joachim Vieweger

Published at: 9-9-2017 | Archiv

Johannes Singhammer (CSU) | Bild: dpa/picture-alliance/Sven Hoppe

"So meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, die unterbrochene Sitzung ist wiedereröffnet."

Johannes Singhammer

Es klang so wie immer. Wie so oft in den vergangenen vier Jahren leitete Singhammer am vergangenen Dienstag als einer von sechs Vizepräsidenten Teile der Plenarsitzung. Allerdings war dies eine besondere Sitzung - für das Parlament wie für Singhammer.

"Ich selber werde auch mit dieser letzten Sitzung ausscheiden. Es war für mich ein Privileg, dem Hohen Haus anzugehören."

Johannes Singhammer

Ein Mal Glück gehabt wegen Stoiber

1994 war Singhammer erstmals in den Bundestag gekommen, der tagte damals noch in Bonn. Viermal gewann er das Direktmandat im umkämpften Wahlkreis im Münchner Norden, dreimal unterlag er seinem SPD-Gegenkandidaten. 2005 musste er sogar um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Doch Singhammer profitierte am Ende davon, dass damals Edmund Stoiber nicht als Minister unter Kanzlerin Angela Merkel nach Berlin ging. Singhammer rückte für Stoiber nach. In seinem Büro erinnern Fotos an wichtige Wegbegleiter. Singhammer ist da zu sehen mit Franz Josef Strauß oder mit Helmut Kohl, aber auch mit gleich drei Päpsten: Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus.

"Ja, das ist ein besonderes Privileg. Das hat damit zu tun, dass es für mich immer besonders wichtig war, das Verhältnis zur katholischen Kirche, nicht nur in Deutschland, sondern auch gerade mit dem Vatikan zu pflegen - wie immer auch durch persönliche Begegnungen, wenn man die Chance dazu bekommt."

Johannes Singhammer

Aus seinem Christ-Sein hat Singhammer nie ein Hehl gemacht. Er war oft beim überparteilichen Gebetstreffen und engagierte sich besonders bei ethisch sensiblen Themen.

"Eines was mich sehr freut ist, dass es vor einigen Jahren gelang, die sogenannte Spätabtreibung fraktionsübergreifend neu zu regeln - was zunächst für sehr unwahrscheinlich gehalten wurde. Wir haben eine Beratung eingeführt und damit einen wichtigen Schritt vorangemacht."

Johannes Singhammer

Singhammer überrascht seine eigene Partei - die CSU

Vor gut einem Jahr hatte Singhammer - für viele seiner Parteikollegen überraschend - erklärt, dass er aufhören wolle. Er ist jetzt 64.

"Für mich persönlich war der richtige Zeitpunkt jetzt gekommen, nach 23 Jahren auch strapaziöser Zeit, des Pendelns, mit vielen Reisen, und mit durchaus auch Einbeziehung der Familie, die darunter schon gelegentlich leiden musste."

Johannes Singhammer

Bei aller Freude auf mehr Zeit mit der Familie: Er weiß auch, was er vermissen wird - zum Beispiel die Begegnungen mit Kollegen über die Parteigrenzen hinweg. Ja, man könne verschiedener Meinung sein - und sich menschlich wunderbar verstehen.

"Eine der schönsten Erlebnisse, die man im Parlament hat, ist, dass man einander in politischer Gegnerschaft bekämpft, aber auch entdeckt, dass der Kollege ein wunderbarer Mensch ist und man sich in freundschaftlicher Weise verbunden fühlt. Das Zweite ist das Gefühl der öffentlichen Aufmerksamkeit - deshalb ist man ja auch in der Politik, um für seine Positionen öffentlich zu werben. Da kommt schon etwas Wehmut auf"

Johannes Singhammer

Allerdings: Arbeitslos wird Singhammer sicher nicht, dazu hat er einfach zu viele Ideen, was er auch politisch noch anpacken könnte - freilich erst nach einem ganz besonderen Schmankerl.

Singhammers Afrika-Plan

"Wenn die Bundestagssitzungen endgültig vorbei sind, werde ich an einem Wochentag mich ins Hofbräuhaus setzen und am Vormittag einige Weißwürste essen und ein Weißbier trinken. Dann werde ich mich einigen Ehrenämtern widmen, gerade mit Blick auf Afrika. Afrika ist unser Schicksalsnachbarkontinent. Ich möchte meine Kontakte nutzen, dass Europa und Afrika näher zusammenkommen."

Johannes Singhammer

Und im Plenum? Hier erinnert er zum Abschluss der Legislaturperiode auch an die Abgeordneten, die in den vergangenen Jahren gestorben sind - heimgerufen, wie er sagt. Da wird auch seine katholische Prägung noch einmal deutlich, so wie bei den dann wirklich letzten Worten im Bundestag:

"In allem politischen Wollen stoßen wir auch auf Grenzen. Der Blick auf eine andere Instanz schadet nicht. Deshalb sage ich: Möge Gott unser Vaterland behüten, es lebe die parlamentarische Demokratie! Die Sitzung ist geschlossen."

Johannes Singhammer


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