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Zündapp Kult auf zwei Rädern

Die Motorräder, Mofas und Roller aus dem Hause Zündapp sind Kult. Von 1917 bis 1984 produzierte die Firma in Bayern. Für viele Halbwüchsige war eine Zündapp die erste große Liebe - und die vergisst man nie.

Stand: 11.01.2018 | Archiv

Zündapp K 800 | Bild: picture-alliance/dpa

Der Traum von der Freiheit! Endlich motorisiert sein! Darauf hat sich schon so mancher Teenager monate- bis jahrelang gefreut: auf den Mofa-Schein. Und natürlich musste dann ein flotter Feuerstuhl her, mit dem man nicht nur die Mädels, sondern auch die Kumpels beeindrucken konnte.
Für welches Modell man sich entschied, war und ist eine regelrechte Glaubensfrage. Der eine wollte unbedingt eine Kreidler Florett, der andere eine KTM Bora, im Nachbardorf bevorzugte man die Hercules Hobby Rider, anderswo musste es eine NSU Quickley sein - oder eine Zündapp Bergsteiger.

"A Zündapp wirft d' Leid' ab, a Kreidler wirft s' weider"

(unbekannter Mofafahrer)

Die Firma Zündapp hatte und hat in Bayern unzählige Fans. Eigentlich müsste die Überschrift dieses Artikels korrekt so heißen: "Kult auf mindestens einem Rad". Denn Zündapp baute nicht nur Kleinrafträder und Motorräder (2 Räder), sondern auch Gespanne, Lastendreiräder (3 Räder), kleine Autos, Rasenmäher (beides mit 4 Rädern) und ... Nähmaschinen (1 Rad).

Grüne Elefanten und doppelköpfige Kleinstwagen

Z 22

Die Idee, die potentiellen Kunden mit einer preiswerten und praktischen Maschine zu locken, entstand 1921 - und geboren war die "Z 22". Aus heutiger Sicht erinnert das Äußere dieses Zweitakters stark an ein E-Fahrrad, doch er hat immerhin 211 ccm und erreicht eine Top-Speed von 65 km/h.

Wehrmachtsgespann

Die bullige, äußerst robuste KS 750 hat einen Beiwagen, dessen Rad angetrieben wurde, einen Rückwärtsgang und eine gute Bodenfreiheit. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht entwickelt, ging sie ab 1941 in die Produktion.

Derby

Sehr erfolgreich lief von den 30er- bis zu den 50er-Jahren die Derby-Reihe von Zündapp: Von der DB 200 beispielsweise liefen fast 100.000 Stück vom Band. Sie hielt besonders viel aus und ließ ihren Fahrer nur selten im Stich - dafür bekam sie den Beinamen "Bauernmotorrad".

Der grüne Elefant

Die K 601 ist mit gut 200 kg Gewicht recht schwer, ist mit einem kräftigen Motor und meist mit einem Seitenwagen ausgestattet und wurde häufig mit grüner Lackierung hergestellt. Dafür bekam sie in einem Testbericht der Zeitschrift "Das Motorrad" 1951 den Beinamen "Der grüne Elefant" verpasst - und der blieb ihr. Gebaut wurde sie bis 1957.

Bella

Deutlich leichter ist dagegen die hübsche "Zündapp Bella", ein Motorroller, der von 1953 bis 1964 gebaut wurde. Für einen Roller unüblich hat die "Bella" keine Handschaltung, sondern eine Schaltwippe, die man mit dem rechten Fuß bedient - die Bremse befindet sich links.

Janus

Ein sehr ungewöhnliches Modell mit vier Rädern ist der "Janus". Dieser Kleinstwagen hat die Türen nicht seitlich, sondern vorne und hinten - und die Rückbank schaut gegen die Fahrtrichtung. Der Motor befindet sich in der Mitte. Die Verkaufszahlen hielten sich in Grenzen: Vom Janus liefen nur knapp 7000 Stück vom Band (1957 - 1958).

Bergsteiger

Die "Zündapp Bergsteiger" wurde als Mofa mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit gebaut und als Moped mit satten 40 km/h. Der Traum von Millionen Halbwüchsigen verkaufte sich gut und wurde von 1965 bis 1977 hergestellt.

KS 50

Ein weiterer absoluter Klassiker aus dem Hause Zündapp ist die "KS 50". Gebaut wurde das Kleinkraftrad immerhin über 20 Jahre lang, von 1962 bis 1984. Es gab sie sogar mit wassergekühltem 50-ccm-Motor. Kein Wunder, dass damals viele ihren 16. Geburtstag herbeisehnten, denn dann durfte man die "KS 50" endlich fahren!

Eine bayerische Firmengeschichte

Zündapp DS 350

Während des ersten Weltkriegs, im Jahr 1917, gründete Fritz Neumeyer in Nürnberg die Zünder-Apparatebau-GmbH. Auf den Bau von Motorrädern spezialisierte sich die Firma ab 1921 und machte sich auf dem Zweirad-Markt bald einen Namen. Im Zweiten Weltkrieg baute man für die Wehrmacht speziell entwickelte Motorradgespanne, in den 50er- und 60er-Jahren setzte man den Schwerpunkt auf alltagstaugliche Zweitakter - und verkaufte diese sehr erfolgreich. 1958 wurde der Firmensitz nach München verlegt.
Ende der 70er-Jahre verkaufte Zündapp immer weniger Mopeds, was wohl auch mit der Helmpflicht (1978) und dem neu eingeführten Mofa-Führerschein (1980) zusammenhing. 1984 musste die Firma unter Dieter Neumeyer, dem Enkel des Gründers, Insolvenz anmelden.


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