Bayern 1 - Experten-Tipps


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Kühlschrank Welche Temperatur ist ideal?

Der Kühlschrank ist ein konstanter Stromverbraucher im Haushalt. Deshalb will der Bayern 1-Umweltkommissar herausfinden, ob sich mit der richtigen Temperatureinstellung Geld und Energie sparen lassen.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 23.06.2017

Illustration: Der Umweltkommissar misst mit einem Thermometer die Temperatur in einem Kühlschrank | Bild: BR/Susanne Baur

Das Grundprinzip ist geblieben, aber die Kältemaschine, die Carl von Linde entwickelt und vor knapp 150 Jahren zum Patent angemeldet hat, ist mit den High-Tech-Kühlgeräten, die heute in unserer Küche stehen, nicht mehr zu vergleichen. Übrigens hat auch Albert Einstein einen Kühlschrank entwickelt, der zwar keinen Strom, dafür allerdings täglich viel Wasser und Alkohol brauchte, um Kälte zu entwickeln. Gebaut wurde das Monstrum aus Beton aber nicht.

Konstanter Stromverbraucher

Der Kühlschrank oder auch Gefrierschrankkombinationen sind heutzutage die einzigen Geräte, die in unserer Küche oder im Keller fast rund um die Uhr im Einsatz sind. Die Energieeffizienz der Geräte hat sich im Lauf der vergangenen 20 Jahre enorm verbessert. Die Stromkosten von damals liegen um fast zwei Drittel höher als bei modernen Geräten der Neuzeit.
Und doch lassen sich Strom und Geld sparen, wenn wir es richtig anpacken. Viele stellen die Temperatur nämlich niedriger ein, als es notwendig ist, und das läppert sich bei einer Laufzeit von 365 Tagen im Jahr.

Schon ein Grad weniger hat große Wirkung - sieben Grad Celsius sind ideal

Die meisten wissen eigentlich gar nicht ganz genau, wie kühl oder eisig es in ihrem Kühlschrank eigentlich ist. Die meisten stellen irgendeinen mittleren Wert ein und glauben, dass es schon passt.

Gerade beim Stromverbrauch des Kühlschranks kann das aber entscheidend dazu beitragen, Geld zu sparen oder auch zu verschwenden. "Denn jedes Grad Celsius, das er zu kühl eingestellt ist, bedeutet eine Verbrauchserhöhung um fünf Prozent", sagt Norbert Endres, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern. Da kommt ganz schön was zusammen. Kühl- und Gefrierschränke verbrauchen - weil sie im Dauerbetrieb laufen - etwa ein Fünftel des gesamten Stroms im durchschnittlichen Haushalt.

Von der Europäischen Union sind auf dem Energielabel für Kühlschränke fünf Grad empfohlen. Allerdings werden hierzulande fünf Grad Celsius allgemein alszu niedrig angesehen. "Sieben Grad wird empfohlen, als richtige Kühlschranktemperatur für den mittleren Bereich des Kühlteils", sagt Energieberater Endres. Das ist für die Lebensmittel in Ordnung und für die Hygiene im Kühlschrank auch völlig ausreichend.

Joghurt oben, Hackfleisch unten: So geht Ordnung im Kühlschrank

Der Kühlschrank ist in mehrere Temperatur-, in Kälte- sowie in Gefrierzonen unterteilt. Die hintere Front ist dabei im Allgemeinen die kälteste Zone, weil sich dort das Kühlaggregat befindet. Es ist das Herzstück des Kühlschranks, vergleichbar mit dem Motor beim Auto.

In einem modernen, hochwertigen Kühlschrank, lässt sich sogar jede Kältezone einzeln regulieren. Der Kühlschrank funktioniert dabei vollautomatisch. Das heißt, wenn sich durch das Öffnen der Tür oder durch das Einstellen von Lebensmitteln die Temperatur kurzzeitig erhöht, sorgt das Kühlaggregat dafür, dass die Temperatur wieder auf die vorgegebene Gradzahl sinkt. Je besser und leistungsfähiger der Kühlschrank ist, umso schneller geht das. Klar, dass sich in dieser Zeit der Strombedarf kurzfristig erhöht, weil der Kühlschrank mehr und aktiver arbeitet.

Die unterschiedlichen Temperaturzonen

Es haben also nicht alle Bereiche innerhalb eines Kühlschranks die gleiche Temperatur. Diese unterschiedlichen Temperaturzonen sind physikalisch bedingt, weil kalte Luft eine höhere Dichte hat als warme und demzufolge nach unten sinkt.

Kühlschrank ideal einräumen

Das hat zur Folge, dass die kälteste Zone im Kühlschrank unmittelbar über der Glasplatte liegt, die das Gemüsefach abgrenzt. Dort unten können Temperaturen um zwei Grad herrschen. Also ist es das Beste, dort sehr leicht verderbliche Lebensmittel wie etwa frischen Fisch oder rohes Fleisch zu lagern.

Sieben Grad sind die ideale Kühlschranktemperatur.

Gemäß den Gesetzen der Thermik steigt "warme" Luft nach oben und daher liegen in den beiden oberen Fächern im Kühlschrank die Zonen mit den höheren Temperaturen. Dort sind Wurst oder Käse ganz gut aufgehoben, weil die Aromastoffe dort besser erhalten werden können.

Eine der wärmsten Zonen im Kühlschrank ist übrigens die Tür, weil diese am weitesten vom Verdampfer an der Rückwand entfernt liegt. Hier können Getränke und Eier optimal gelagert werden.

Das Gemüsefach ist durch die Schubfächer aus Plastik nach vorn und nach oben hin durch die Glasplatte geschützt, so dass die kalte Luft nicht bis in die Gemüsefächer absinken kann. Hier herrschen meist Temperaturen um acht Grad, die das Gemüse frisch halten und es dennoch nicht einer zu großen Kälte auszusetzen.

Was darf in den Kühlschrank und was nicht?

Kühlschrank ja!

Diese Sorten gehören ins Gemüsefach des Kühlschranks:

Obst: Äpfel, Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Feigen, Kirschen, Kiwis, Nektarinen, Pflaumen, Pfirsiche, Tafeltrauben

Gemüse: Kohlrabi, Lauch, Artischocken, Blumenkohl, Brokkoli, Fenchel, Karotten, Radieschen, Salat, Spinat, Spargel

Kühlschrank nein!

Diese Sorten gehören nicht in den Kühlschrank:

Obst: Ananas, Avocados, Bananen, Granatapfel, Mangos, Papayas, Zitrusfrüchte

Gemüse: Auberginen, Gurken, Grüne Bohnen, Kartoffeln, Kürbis, Paprika, Tomaten, Zucchini

Neben den klassischen Temperaturzonen im Innenraum trumpfen moderne Kühlschränke mittlerweile noch mit einer ganze Reihe weiterer Kältezonen auf: Zum Beispiel mit "Kellerzonen", in denen die Temperatur höher ist als in einem herkömmlichen Kühlschrank üblich. Oder es gibt Zonen mit einer unterschiedlichen Luftfeuchtigkeit.

Bei Umluft-Kühlschränken bleibt die Temperatur im Inneren des Kühlschrankes mehr oder weniger gleich. Ein Ventilator erzeugt hier die die Umluft. Die Geräte sind wesentlich teurer, als herkömmliche Kühlschränke und werden vorwiegend in der Gastronomie eingesetzt. Der Vorteil: Durch die besseren Verteilung der Kälte, vereisen die Geräte kaum und müssen nicht abgetaut werden. Andererseits verlangen viele Lebensmittel eine unterschiedliche Kühlung und die Austrocknung kann durch den Ventilator auch ein Problem werden. Zudem ist der Stromverbrauch dadurch natürlich höher.

Übrigens je voller der Kühlschrank, desto weniger kalte Luft kann entweichen, wenn Sie die Tür öffnen, weil die Kälte dann gebunden ist.

Nachmessen mit dem Thermometer hilft

Ein voller Kühlschrank ist energetisch gesehen besser als ein leerer, denn die gekühlten Lebensmittel halten die Temperatur mit konstant.

Auch wenn viele Kühlschränke schon eine Anzeige haben, muss das nicht unbedingt für den mittleren Bereich des Kühlteils gelten. Es kommt immer auch darauf an, wo der Fühler angebracht ist. Der Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern, Norbert Endres, empfiehlt, sich ein Thermometer anzuschaffen und es zum Temperaturtest in die Mitte des Kühlschranks zu legen: "Ein Flüssigkeitsthermometer. Auch mit der richtigen Skala bis in den Gefrierbereich. Bis Minus 20 Grad Celsius sollte es messen können. Kostet wenige Euro."Gibt’s in jedem Baumarkt zu kaufen. Damit lässt sich dann auch gleich die Temperatur im Gefrierfach messen. Hier sind  18 Grad Minus empfohlen.

Gut zu wissen vor dem Kauf eines Kühlschranks

Die Größe des Kühlschranks ist entscheidend, was den späteren Stromverbrauch angeht. Die Faustregel lautet: Pro Person und pro Haushalt jeweils 50 Liter Nutzvolumen. Bei vier Personen, die zusammen in einem Haushalt leben, ergibt die Rechnung in dem Fall, dass ein Kühlschrank mit 250 Liter Fassungsvermögen sinnvoll wäre.

Das ist schon groß. Der Unterschied im Verbrauch auch, sagt der Energieberater. "Während so ein kleiner, 80 Zentimeter hoher Kühlschrank weit weniger als 100 Kilowattstunden jährlich braucht, heißt maximale Stromkosten von 25 Euro, verursacht so ein Doppeltürkühlschrank die vier- bis fünffachen Stromkosten." Achten Sie beim Neukauf auf die Effizienz. 0,1 kWh weniger im Verbrauch rechtfertigen Mehrausgaben bei der Anschaffung von gut 160 Euro. 

Die Frage, ob sich die Neuanschaffung lohnt, ist rechnerisch komplizierter. Laut einem Wegweiser für Privathaushalte des Bauzentrums München, ist der Ersatz des Altgeräts in der Regel dann wirtschaftlich, "sofern die Differenz zwischen dem Tagesverbrauch des Altgeräts und dem auf die Raumtemperatur umgerechneten  Verbrauch des Neugeräts größer als 0,4 kWh/Tag ist." Um so etwas exakt zu messen, gibt’s Energieberater.

Was die Energieeffizienz angeht, sind mittlerweile alle Geräte im Handel scheinbar im grünen Bereich, also „A“ auf dem „Euro-Label“! Aber zwischen A+ und  A+++ liegen bis zu 100 Euro und mehr an Kosten für den Stromverbrauch pro Jahr. "Diese höchsten Verbräuche können durchaus drei bis fünf Mal höher sein, als das sparsamste Gerät in der A+++-Klasse", sagt Norbert Endres.

Was beim Kühlschrank Geld und Strom spart

  • Sobald sich Eis im Kühlschrank bildet, sinkt die Leistung und erhöht sich der Stromverbrauch. Regelmäßiges Abtauen ist also gut für die Energiebilanz des Kühlschranks.
  • Je kühler die Raumtemperatur, desto weniger Leistung muss das Gerät erbringen, um im Innern für die notwendige Kühlung zu sorgen. Am besten ist natürlich Gefrierschränke oder Truhen in den Keller zu stellen. In der Küche ist die Temperatur durch das Kochen, Braten oder Backen natürlich immer etwas höher. Deshalb sollte das Kühlgerät, nicht direkt neben dem Herd oder einem Heizkörper stehen bzw. direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. 
  • Ein voller Kühlschrank ist energetisch besser als ein leerer: Ein vollgestellter Kühlschrank hält die Temperatur besser. Das hat einfach damit zu tun, dass ein leerer Kühlschrank nur kalte Luft enthält, die entweicht, wenn Sie die Tür aufmachen und die neue wärmere Luft muss erst wieder runtergekühlt werden. Sind aber Lebensmittel im Kühlschrank, dann binden sie Kälte und kühlen diesen mit.
  • Auch klar: Bevor Sie etwas in den Kühlschrank stellen, wie zum Beispiel Reste einer Mahlzeit, sollten diese erst auf Zimmertemperatur abkühlen. Denn je wärmer das Essen ist, desto mehr Energie, also Strom, muss der Kühlschrank aufwenden, um diese auf Kühlschrank-Temperatur (7 Grad Celsius) herunterzukühlen.
  • Je kürzer die Tür offen bleibt, desto geringer ist der Temperatur-Verlust und somit die Stromkosten für das erneute Wiederherstellen der richtigen Temperatur im Kühlschrank.
  • Wer Gefrorenes im Kühlschrank langsam auftaut, hilft, die Temperatur abzusenken.

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