Bayern 1 - Experten-Tipps


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Stromverbrauch Geschirrspüler Spülmaschine oder spülen per Hand?

Abspülen steht in der Liste der unbeliebten Hausarbeiten ganz oben: Nur vier Prozent der Deutschen spülen gern. Praktischer ist ohnehin die Spülmaschine. Doch was ist ökologischer? Der Bayern 1-Umweltkommissar ermittelt.

Stand: 13.07.2017

Illustration: Der Umweltkommissar spült per Hand, das Bienchen zieht ächzend einen Teller aus der Maschine | Bild: BR/Tanja Begovic

Den meisten Deutschen macht Geschirrspülen keinen Spaß, Abhilfe schafft die Spülmaschine. Lässt das Ökogewissen das zu oder verbraucht die Maschine nicht zu viel Strom und Wasser?

Spülmaschine umweltfreundlich?

Unter den richtigen Voraussetzungen spart die Spülmaschine im Vergleich zur Handwäsche Zeit, Wasser und Energie.

"Spülen mit der Maschine braucht im Durchschnitt 50 Prozent weniger Wasser und 28 Prozent weniger Energie als Handspülen", lautet das Ergebnis einer Vergleichsstudie der Universität Bonn mit 200 Haushalten in Deutschland, Italien, Schweden und Großbritannien. Die Studie wurde jedoch von vier Haushaltsgeräte- und Spülmittelherstellern finanziert.

Neben Energie spart die Spülmaschine auch Zeit, vorausgesetzt das Geschirr ist nicht vorgespült und es kommt sauber und trocken aus der Maschine.

Nachteile der Spülmaschine

Nicht jedes Geschirr ist spülmaschinengeeignet. Hartnäckige Schmutzreste vor allem in Töpfen und Pfannen lassen sich besser per Hand entfernen. Dabei scheitern Spülmaschinen gern mal. Außerdem benötigt die Spülmaschine mehr Chemikalien als das Spülen per Hand.

Der Mensch macht den Unterschied

Die Spülmaschine steht in der Ökobilanz also besser da als das Abspülen per Hand. Doch der Mensch ist der wichtigste Faktor - in beiden Disziplinen:

Spülmaschine richtig bedienen

  • Die Spülmaschine muss gut gefüllt sein. Tatsächlich ist sie oft nur halbvoll. Die Wissenschaftler der Uni Bonn gehen davon aus, dass jeder zehnte Spülgang eingespart werden könnte, wären die Maschinen jedes Mal voll beladen.
  • Vorspülen unter laufendem Wasser ist meist überflüssig. Moderne Maschinen reinigen das Geschirr auch ohne Vorwäsche. Essensreste und grober Schmutz gehören ohnehin nicht in die Spülmaschine und muss vorher in den Müll.
  • Bei leichter Verschmutzung reicht ein Spar- oder Kurzprogramm bei niedriger Temperatur. Zu oft werden unnötig Spülprogramme mit hohen Temperaturen verwendet - das kostet Energie. Einmal pro Monat mit 65 Grad spülen beugt Fettablagerungen vor.
  • Spülmaschinensieb regelmäßig säubern; ein verstopftes Sieb verlängert den Spülgang und verbraucht so mehr Energie.
  • Reiniger, Salz und Klarspüler exakt dosieren, auf Wasserhärte achten.
  • Nicht zwischendurch "mal schnell" einen Teller, ein Glas oder eine Tasse mit der Hand spülen. Nach Erkenntnis der Bonner Wissenschaftler geschieht das bei 20 bis 40 Prozent des Geschirrs.
  • Spülmaschine nicht im Stand-by-Modus lassen, sondern ganz ausschalten, wenn sie nicht gebraucht wird.

Spülen per Hand

Spülen unter fließendem Wasser verbraucht unnötig viel Wasser.

Hier hat der Mensch die Ökobilanz noch mehr in der Hand. In einer interkulturellen Studie fanden die Wissenschaftler der Universität Bonn heraus, wie unterschiedlich die einzelnen Nationalitäten abspülen. Testpersonen aus verschiedenen Ländern sollten insgesamt 140 Teller, Tassen, Gläser und Besteckteile spülen.

Durchschnittlicher Wasserverbrauch: 46 Liter, das entspricht etwa zwei Spülbeckenfüllungen. Spanier und Portugiesen verbrauchten im Schnitt etwa 170 Liter, ein Teilnehmer sogar über 400 Liter.

Zum Vergleich: Eine Spülmaschine reinigt dieselbe Menge Geschirr mit lediglich 15 Litern und schneidet zudem beim Energieverbrauch besser ab. Nicht berücksichtigt wurde allerdings, wie das Spülwasser erhitzt wird, ob mit kaltem oder warmen Wasser nachgespült wurde und wie viel Spülmittel verwendet wurde.

Ökologische Gesamtbilanz

In den meisten Fällen ist die Ökobilanz der Spülmaschine besser als abspülen per Hand.

Die Ökogesamtbilanz ist von vielen Faktoren abhängig: Haushaltsgröße, Art und Menge des verschmutzten Geschirrs, Wassertemperatur, Art und Dosierung des Spülmittels, technische Ausstattung der Spülmaschine und nicht zuletzt vom Verhalten des Verbrauchers.

Dazu kommen der Einsatz von Energie, Wasser und Rohstoffen, die zur Herstellung, Transport und Entsorgung der Spülmaschine nötig sind. Die sogenannte "Graue Energie", die für die Herstellung und den Transport des Geräts eingesetzt wird, schätzt der Bund der Energieverbraucher auf etwa 1.000 Kilowattstunden Strom. Eine amerikanische Studie geht von fünf Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus - berechnet auf die Lebensdauer der Maschine.

Fazit

Obwohl viele unterschiedliche Faktoren in die Gesamtbilanz einfließen, ist davon auszugehen, dass in der Mehrzahl der Fälle die Spülmaschine für die Umwelt vorteilhafter ist als das Spülen per Hand.

Einen Großteil der Energie verbraucht die Spülmaschine zum Erhitzen des Wassers. Wer Wasser über eine Solaranlage erwärmt, kann Strom sparen. Viele Maschinen verfügen über einen Warmwasseranschluss. Allerdings sollte die Zuleitung kurz sein, damit das Wasser unterwegs nicht abkühlt. Bei modernen Gasheizungen oder Wärmepumpen kann sich der Warmwasseranschluss rechnen. Außerdem spült die Maschine schneller, weil das Wasseraufheizen kürzer dauert.

Um Reiniger, Salz und Klarspüler richtig zu dosieren, muss die Wasserhärte berücksichtigt werden. Hier finden Sie eine Übersichtskarte:

Zahlen und Fakten zum Geschirrspüler

Spülmaschine im Wandel der Zeit ...

  • 1929 brachte die Firma Miele die ersten Geschirrspüler Europas auf den Markt. Allerdings hatten die keinerlei Ähnlichkeit mit heutigen Maschinen.
  • Seit den 1960er-Jahren hielten Spülmaschinen auch in Privathaushalten allmählich Einzug.
  • 2011 verfügten 67 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt) der privaten Haushalte in Deutschland über eine Spülmaschine.
  • Geschirrspülmaschinen für private Haushalte fassen üblicherweise zwölf bis 14 sogenannte Maßgedecke (das sind ca. 160 Geschirrteile), Maschinen für Singlehaushalte neun Maßgedecke.
  • In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Wasser- und Stromverbrauch von Geschirrspülmaschinen deutlich verringert. Der Stromverbrauch pro Spülvorgang ist auf weniger als die Hälfte gesunken, der Wasserverbrauch von etwa 50 Litern auf weniger als 15 Liter. Wobei es große Unterschiede zwischen den einzelnen Maschinen gibt. Moderne High-Tech-Geräte mit mehreren Spar- und Spezialprogrammen je nach Verschmutzungsgrad, die auch den Wasserverbrauch entsprechend anpassen (auch nach Beladungsmenge), sind noch einmal deutlich sparsamer im Verbrauch von Energie und Wasser.
  • Die beste Effizienzklasse bei Geschirrspülern ist A+++,  es dürfen nur noch Geräte mit mindestens Effizienzklasse A verkauft werden.
  • Stiftung Warentest hat im Mai 2013 Geschirrspüler getestet. Kleine Maschinen sparen demnach nur Platz, aber keinen Strom. Die Sparprogramme brauchen bei allen getesteten Modellen sehr lange, um die drei Stunden. Unterm Strich zahlt sich die Geduld jedoch aus. Schlechte Noten gab's für die Expressprogramme; stark verschmutztes Geschirr wurde nicht wirklich sauber.

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