Bayern 1 - Experten-Tipps


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Mikrowellenherd Tritt bei Mikrowellen gefährliche Strahlung aus?

Am Mikrowellenherd scheiden sich die Geister: praktisch oder gefährlich? Der Bayern 1-Umweltkommissar will nicht die Energieeffizienz überprüfen, sondern herausfinden, ob beim Mikrowellenherd schädliche Strahlen austreten.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 15.01.2014

Illustration: Der Umweltkommissar tröstet die Biene, die weint, weil ihr Honigglas in der Mikrowelle explodiert ist | Bild: BR/Susanne Baur

Der Mikrowellenherd in der Küche ist heutzutage Standard in den meisten deutschen Haushalten. In etwa zwei Dritteln steht ein solches Gerät. Familien mit Kindern besitzen sogar zu 80 Prozent einen Mikrowellenherd. Naheliegend, denn es ist praktisch, um schnell Wasser heiß zu machen oder ein Gericht zu erwärmen.

Vor 65 Jahren wog das erste Mikrowellengerät noch 340 Kilogramm und war fast 1,80 Meter hoch, als es der Ingenieur Percy Spencer 1947 in den USA auf den Markt brachte. 5.000 Dollar kostete das Monster und auch die später folgenden Haushaltsgeräte konnten sich nur gut betuchte Amerikaner leisten. Deshalb wurden Mikrowellenherde vor allem von Fluggesellschaften benutzt, um Speisen für die Passagiere zu erwärmen. Erst in den 1970ern, als die Geräte immer günstiger wurden, eroberte der Mikrowellenherd Millionen von Haushalten, weil es sich mehr und mehr Menschen leisten konnten.

Teufelszeug oder effizienter Helfer?

Es ist erstaunlich, was alles im Mikrowellenherd zubereitet werden kann.

Dennoch stehen sich Gegner und Befürworter des Mikrowellenherds beinahe unversöhnlich gegenüber. Die einen verabscheuen die Geräte als Teufelszeug, die anderen pochen auf die Effizienz. Tatsächlich sind die Mikrowellengeräte immer ausgereifter geworden, so dass es nicht mehr nur möglich ist, energiesparend Tiefgefrorenes rasch aufzutauen. Es werden oft Kombinationen mit Heißluft, Grill und Dampfgaren angeboten. Auch wenn die Testergebnisse (siehe Stiftung Warentest 7/2008) von Gerät zu Gerät unterschiedlich sind, ist es doch ganz erstaunlich, was mittlerweile alles im Mikrowellenherd zubereitet werden kann.

Andererseits geht seit Jahrzehnten auch die Angst um. Die Angst, dass die Strahlen des Mikrowellenherds austreten und Menschen schädigen können. Oder dass die Mikrowellen die Struktur der Speisen und Flüssigkeiten verändern und damit langfristig gesundheitsschädlich wirken.

Für den Bayern 1-Umweltkommissar geht es deshalb nicht darum, zu beurteilen, ob Fertiggerichte, die in der Mikrowelle zubereitet werden, gut schmecken oder ob es sinnvoll ist, Kartoffeln dort zu garen. Der Bayern 1-Umweltkommissar will wissen, ob es tatsächlich stichhaltige Beweise oder zumindest Indizien dafür gibt, dass der Mikrowellenherd in der Küche schädlich für Mensch und Umwelt ist.

So funktioniert ein Mikrowellenherd

Die Mikrowellen erhitzen nur die Nahrung, nicht das Geschirr.

Um es ganz einfach auszudrücken: Mikrowellen bringen Wassermoleküle zum Schwingen und erwärmen so die Nahrung. Aber nur die Nahrung, denn andere Materialien wie Porzellan oder Plastik durchdringen die Wellen quasi ohne jeden Effekt. Dafür wird in den Geräten eine Mikrowellenstrahlung mit einer Frequenz von 2,45 Gigahertz verwendet. Bei den handelsüblichen Mikrowellenherden wird ein Teil der üblichen 100 bis 1.300 Watt Leistung für die Erzeugung der Strahlung aufgewendet.

Um diese Mikrowellen erzeugen zu können, brauchen die Geräte ein sogenanntes Magnetron. Dort werden die Mikrowellen erzeugt, indem Elektronen mittels Magnetfeld in eine kreisförmige Bahn gebracht werden. Die metallische Innenverkleidung des Mikrowellengeräts, die positiv aufgeladen ist, erledigt dann den Rest und bringt die Elektronen in Schwung oder bremst sie ab.

Mikrowellen bringen Wassermoleküle zum Schwingen und erwärmen so die Nahrung.

Wassermoleküle haben eine positive und eine negative Seite und damit einen so genannten elektrischen Dipol. Die Teilchen sind unausgewogen und schwingen bzw. rotieren hin und her, wenn die Mikrowellen auf sie treffen. Durch die Reibung der beweglichen Teilchen entsteht Wärme. Am besten funktioniert das bei Wasser. Wird die Auftaufunktion des Mikrowellenherds betätigt, werden die Mikrowellen deshalb auch immer nur in Schüben ausgesendet. Das Wasser wird erwärmt und soll dann das Eis zum Schmelzen bringen.

Der Drehteller oder auch sogenannte "Wellenrührer" sorgt für die bessere Verteilung der Wärme in den Speisen, weil es in den Produkten "cold" und "hot spots" gibt, die sonst zu einer ungleichen Temperaturentwicklung führen würden. Jeder, der eine Mikrowelle hat, kennt das: Manche Bereiche des aufgewärmten Essen sind heiß, andere noch kühl oder nur lauwarm!

Auswirkung auf den menschlichen Körper

Gerade für Familien sind Mikrowellenherde praktisch. Allerdings sollte man nicht direkt davor stehen, wenn das Gerät läuft.

Treffen Mikrowellen auf den menschlichen Körper, würde natürlich auch dort das vorhandene Wasser erhitzt, was zu irreparablen Schäden führt. Keine Frage: Mikrowellen sind für biologische Zellen gefährlich! Deshalb sind Mikrowellengeräte auch gut abgeschirmt, damit durch den Metallkäfig und das Metallgitter hinter der Glasscheibe keine Strahlen nach außen dringen können.

Allerdings können die Wellen nicht vollständig abgeschirmt werden. Eigentlich wäre das kein Problem. Weil viele Verbraucher gern sehen wollen, was mit dem Essen in der Mikrowelle passiert, hat das Gerät eine Tür mit einer Glasscheibe mit einem Metallgitter und ist nicht aus massivem Metall. Auch wenn die Maschen des Metallgitters sehr klein sind, können sich geringe Dosen von Mikrowellen, mit einer Länge von zwölf Zentimetern, da durchschieben. Wenn das Gerät nicht beschädigt ist, gibt es nur eine geringe Leckstrahlung in unmittelbarer Umgebung des Mikrowellenherds. Die Frage ist also, ob diese Leckstrahlung gefährlich ist.

Strahlung im Test

Wie für so vieles ist auch bei Mikrowellengeräten ein genauer Emissionsgrenzwert festgelegt. Zur Sicherheit dürfen in einem Abstand von fünf Zentimetern zum Gerät fünf Milliwatt pro Quadratzentimeter nicht überschritten werden (das entspricht 50 Watt pro Quadratmeter). Gerade weil es bezüglich der Mikrowellengeräte große Vorbehalte und Bedenken gibt, hat das Bundesamt für Strahlenschutz immer wieder Tests durchgeführt und die Leckstrahlung gemessen. Auch bei mehreren Hundert intakten Geräten ist dabei nie eine Überschreitung des festgelegten Grenzwerts registriert worden.

"Wir haben immer wieder im Haushalt im Betrieb befindliche Geräte vermessen, aber nie ein Gerät gefunden, das eine besorgniserregende Leckstrahlung aufgewiesen hätte."

Rüdiger Mathes vom Bundesamt für Strahlenschutz

Konkret wurde in unmittelbarer Umgebung der Geräte, also im Bereich der Türfugen, in einem Abstand der vorgegebenen fünf Zentimeter, nur ein Prozent des zugelassenen Emissionsgrenzwerts erreicht. Dabei war es unerheblich, ob es sich um ein hochmodernes oder schon älteres Modell gehandelt hat. Zudem nimmt die Intensität der Mikrowellenstrahlung mit zunehmendem Abstand zum Gerät schnell ab.

Auch das Handy strahlt Mikrowellen ab.

In 30 Zentimetern Entfernung ist - laut  Bundesamt für Strahlenschutz - nur noch etwa fünf bis zehn Prozent der an der Oberfläche gemessenen Mikrowellenintensität vorhanden: "Das war im Mittel etwa zwei bis drei Größenordnungen weniger, als ein Handy im Abstand von fünf Zentimetern an Feldstärke verursachen würde." Somit sind - zumindest nach aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis - keine "gesundheitlich bedenklichen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder" nachgewiesen, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Zumal die Mikrowellen in einem Frequenzbereich liegen, der als nicht-ionisierend eingestuft wird; das heißt, sie haben keine zellverändernde Wirkung.

Trotzdem sollte man nicht direkt vor der Scheibe kleben und dem Drehen des Tellers zuschauen, denn vor allem die Augen des Menschen sind besonders empfindlich, weil sie die entstehende Wärme schlecht ableiten können. Außerdem ist es möglich, dass ein defektes Gerät schädigende Mikrowellen ausstrahlen kann und Menschen verletzt. Allerdings ist bislang kein einziger Fall dokumentiert.

Der Einfluss auf den Nährwertgehalt

Wer nur eine Portion erwärmen möchte, kann das nährstoffschonend und energiesparsam in der Mikrowelle machen.

Grundsätzlich hat die Erhitzung von Gemüse, Milch oder anderen Lebensmittel in der Mikrowelle keinen Einfluss auf deren Inhaltsstoffe. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass es - wie bei der konventionellen Zubereitung auf dem Herd - darauf ankommt, ob schonend gegart wird. Gemüse, das in normalen Portionen und mit sehr wenig Flüssigkeit in der Mikrowelle gegart wird, hat nicht weniger Vitamine als Gemüse, das auf dem Herd gedünstet wird.

Beim Auftauen von Tiefgefrorenem kann die Mikrowelle sogar ihren Vorteil ausspielen, weil es möglich ist, die Auftauzeit extrem zu verkürzen. Gleiches gilt, wenn in einer Familie jeder zu anderen Zeiten essen möchte und jeweils nur die eigene Portion in der Mikrowelle erwärmt. Da geht es nicht nur um Inhaltsstoffe, die bewahrt werden, sondern auch um Energie, die eingespart wird.  

Wenn die Mikrowelle richtig verwendet wird und der Benutzer darauf achtet, dass die Lebensmittel nicht heißer oder länger erhitzt werden als nötig, ist die schnelle Erwärmung sogar nährstoffschonender als im Topf auf dem Herd. Während beim Kochen viele Vitamine ins Kochwasser gehen und anschließend weggeschüttet werden, ist in der Mikrowelle extrem wenig Wasser notwendig, um schonend zu garen. Es bleiben auch keine Rückstände von Mikrowellen in der Nahrung zurück. Die Zusammensetzung des Essens wird also nicht verändert. 

Babynahrung sollte nicht in der Mikrowelle erwärmt werden, weil dort nicht alle Keime abgetötet werden.

Allerdings gibt es auch Grenzen der Leistungsfähigkeit. Wegen der unterschiedlichen Temperaturverteilung in den Produkten ist zum Beispiel die Zubereitung von Babynahrung oder von heiklen Lebensmitteln wie Eiern oder Geflügel problematisch, was die Abtötung von Erregern wie Salmonellen oder Listerien angeht. Hier ist es bisweilen sinnvoller, den Herd zu benutzen. 

Fragliche "wissenschaftliche" Gegenbeweise

Immer wieder tauchen vor allem im Internet fragwürdige Belege für die schädliche Wirkung von Mikrowellengeräten auf. Meistens sind diese angeblichen Untersuchungen in pseudowissenschaftliche Texte eingebettet, halten aber einer Überprüfung nicht stand. Zumal nicht nur die Bedingungen zweifelhaft sind, sondern auch die genannten "Wissenschaftler", die dahinter stehen.

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Mikrowellen die Zusammensetzung der Nährstoffe verändert.

So geistern immer wieder die Ergebnisse einer Untersuchung durchs Netz, die angeblich eine Verschlechterung des Blutbildes nachweisen, wenn Menschen ihr Essen ausschließlich in der Mikrowelle zubereiten oder erhitzen. Die Ergebnisse haben einer Überprüfung in keiner Weise standgehalten. Das gilt auch für die Ergebnisse von Wiener Ärzten Ende 1989. Sie veröffentlichten angebliche Beweise, dass sich bei der Erhitzung von Milch in der Mikrowelle eine mutmaßlich toxische Aminosäure (D-Prolin) bildet. Es ist jedoch in nachfolgenden Versuchen nie gelungen, die Ergebnisse zu wiederholen, bis zwei Jahre später klar wurde, dass die Versuchsanordnung nicht den üblichen Bedingungen entsprach. Außerdem zeigte sich erst später, dass das D-Prolin selbst in hoher Konzentration nicht gefährlich ist.

Auch das oftmals ins Feld geführte Beispiel, dass ein Handy im ausgeschalteten, geschlossenen Mikrowellenherd trotzdem manchmal klingelt, wenn es angerufen wird, ist nur der Beweis dafür, dass "diese Handys sehr sehr empfindlich sind und mit einer ganz geringen Empfangsfeldstärke noch detektieren", sagt Rüdiger Mathes vom Bundesamt für Strahlenschutz, "und bei manchen Herden ist es eben möglich, dass im Bereich der Tür ganz geringe Mengen an Strahlen sowohl eintreten als auch austreten können und dann kann das Handy klingeln."

Dennoch ist mit solchen Tatsachen niemand zu überzeugen, der Mikrowellengeräte aus Überzeugung ablehnt.

Fazit

Es gibt keinen einzigen, nachprüfbaren Beweis, dass Mikrowellen, die in einer ganz normalen Küche, mit einem ganz normalen, handelsüblichen und einwandfreien Gerät erzeugt werden, eine schädliche Wirkung auf Menschen oder Lebensmittel haben. Der Bayern 1-Umweltkommissar möchte aber auch niemanden davon überzeugen, einen Mikrowellenherd zu verwenden. Es geht hier lediglich um Fakten und Tatsachen.

Allerdings ist es erstaunlich, dass viele Menschen, die prinzipiell Vorbehalte gegen Mikrowellengeräte bzw. eine latente Angst auch vor möglichen Langzeitschäden haben, ohne zu zögern über längere Zeit mit ihrem Handy telefonieren, das ebenfalls auf einer Frequenz funkt, die zum Mikrowellenspektrum gehört.

 


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