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Interview mit dem Regisseur von "Nightsession" Warum dieser Skate-Film auch was für Boardsport-Noobies ist

Vier Freunde, eine Nacht und die Liebe zum Skateboarding - das ist der Kern von "Nightsession". Auf welchem Erlebnis der Film basiert und warum er auch was für Nicht-Skateboarder ist, hat uns Filmemacher Philipp Dettmer verraten.

Von: Philipp Jöster

Stand: 13.04.2016 | Archiv

Vier Skateboader skaten nachts durch München | Bild: Philipp Dettmer

Fette Stufensets und endlos lange Rails: Täglich landen immer neue Videos mit krassen Skateboard-Tricks im Netz. Frei nach dem Motto "Höher, schneller, weiter". Aber bleibt so das Lebensgefühl vom Skateboarding nicht auf der Strecke? Der Film "Nightsession" von Philipp Dettmer aus München rückt genau dieses Gefühl in den Mittelpunkt. Die vier Protagonisten sind Homies und cruisen nachts ziellos durch die Stadt. Was sie dabei erleben, ist ab dem 14. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen. Welches Erlebnis die Grundlage für den Film war und warum "Nightsession" nicht nur was für Skater ist, hat Regisseur Philipp Dettmer im Interview verraten.

PULS Playground: Dein Film "Nightsession" läuft jetzt deutschlandweit in den Kinos an,  wie fühlt sich das an?

Philipp Dettmer: Ganz gut, denn es war ein langer Weg und eine ziemliche Zangengeburt, den Film eigenhändig in die Kinos zu bringen. Aber jetzt sind wir startklar und freuen uns sehr.

Der Film spielt nur nachts. Warum?

Regisseur Philipp Dettmer vom Skatefilm Nightsession  | Bild: Philipp Dettmer

Regisseur Philipp Dettmer

Als ich 16 Jahre alt war bin ich spontan mit drei Freunden mit der letzten S-Bahn nach München reingefahren. Die ganze Nacht sind wir geskatet und erst morgens wieder aus der Stadt rausgefahren. In dieser ungeplanten langen Nightsession sind wahnsinnig viele kleine Dinge passiert. Nachts hast du nicht das ganze Sicherheitspersonal, mit dem du dich als Skater rumärgern musst, und dann hatten wir die meiste Zeit die Straße für uns und sind gemütlich mit einem Bier in der Hand durch München gepusht. Genau das soll der Film festhalten.

Gab es ein Drehbuch?

Nein, es gab meine Nacht von damals, die ich als Leitfaden genutzt habe. Es war kein einziges Wort niedergeschrieben und alles spontan. Es geht nicht um Zukunftsängste, es geht nicht um die Vergangenheit. Der Film spielt zu hundert Prozent im Hier und Jetzt. Er fängt einen bestimmten Moment ein und nur darum geht es.

Die vier Skater im Film wirken so, als hätten sie echt Spaß beim Dreh gehabt. Skaten sie schon länger zusammen?

Die Protagonisten kannten sich nur bedingt vom Skateplatz. Wirklich befreundet waren die Jungs vor dem Dreh nicht. Für den Film habe ich versucht, heterogene Charaktere zu finden, die speziell und lustig sind. Ich musste lange casten und habe viele Einsendungen aus ganz Deutschland bekommen. Am Ende war ich mit der Auswahl aber sehr zu frieden – und die Jungs verstehen sich auch jetzt noch ganz gut und treffen sich ab und an auf ein Bier.

Welches Lebensgefühl willst du mit "Nightsession" transportieren?

Es geht um ein Freiheitsgefühl, das jeder Skateboarder kennt. Frag irgendeinen Skater auf der Welt, was er damit verbindet - da kommt auf jeden Fall auf Platz Eins 'Freiheit'. Und nachdem ich schon sehr lange intensiv geskatet bin, war es für mich naheliegend, den Sport als Vehikel zu nutzen, um dieses Freiheitsgefühl zu transportieren.

Stichwort Lebensgefühl: Die Jungs im Film sind oft mit Bier in der Hand auf dem Skateboard unterwegs. Ist das nicht eher eine schwierige Kombi?

Das muss jeder für sich selbst wissen. Die Handlung im Film kippt irgendwann ins Alberne, aber da macht dann auch keiner der Jungs mehr ernsthafte Tricks. Sie rollen nur durch die Gegend und merken, dass die Biere langsam klingeln. Deswegen muss man da auf jeden Fall einen Gang runterschalten. Und grundsätzlich ist Alkohol beim Skaten eher keine gute Idee.

"Nightsession" wurde im Sommer 2015 auf dem Filmfest München zum ersten Mal gezeigt. Wie waren die ersten Reaktionen?

Echt gut. Nach der Vorführung war es so, dass sich die Hälfte des Publikum danach noch unterhalten hat, zusammenstand und danach noch durch die Nacht gezogen ist. Und genau das soll der Film auch vermitteln und bezwecken - dass man die Freude am Augenblick wiederentdeckt.    


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