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Interview // Freeskier David Wise So hoch ist noch kein Freeskier gesprungen

David Wise hat in der Halfpipe so ziemlich alle Titel gewonnen, die es zu holen gibt. Jetzt hat der Olympiasieger und dreifache X Games Gewinner auch noch den Höhenweltrekord an der Hip in der Tasche: unglaubliche 14,2 Meter.

Von: Johanna Stöckl

Stand: 04.04.2016 | Archiv

Weltrekord an der Hip | Bild: Nine Knights / David Malacrida

Wir haben den Olympiasieger, dreifachen Gewinner der X Games und Weltmeister beim Nine Knights getroffen. Beim Freeski und Freestyle Snowboard Event in Watles in Südtirol wurden weder Medaillen vergeben noch lockte ein Preisgeld - dafür aber die wohl größte Hip, die je gebaut wurde. Die Mission der Athleten: an der "Perfect Hip" den höchsten Air der Freestyle-Geschichte springen. Mit 14,2 Metern Höhe hat es David Wise nicht nur geschafft, sondern den bislang bestehenden Weltrekord um drei Meter getoppt. Im Interview erklärt der 25-jährige Freeskier aus Nevada, warum er gerne Teil der Nine Knights ist und wie er aus dem enttäuschenden Abschneiden bei den X Games 2016 Kraft schöpft.

PULS Playground: Du hast beim Nine Knights mit einem 14,2 Meter hohen Air an der Hip den Höhenweltrekord abgestaubt. Gehst du gern auf's Ganze?

David Wise: Ich liebe es, abzuheben, keinen Boden mehr unter den Füßen zu spüren. Das ist es doch, worum es in unserem Sport geht. Auf dieser Megaschanze war ich länger denn je auf zwei Ski in der Luft. Take Off und Landung sind jeweils so steil, dass du nach dem Abheben sicher drei bis fünf Sekunden in der Luft schwebst. Glaub mir, das ist richtig lang. Ohne Fallschirm war ich jedenfalls noch nie so lange in der Luft.

Die Bilder von den riesigen Airs jagen mir ja eher Angst ein - wie ging's dir? Du sagst ja selbst, soweit oben warst du noch nie...

Normalerweise hebst du ab, bereitest dich auf den Grab und unmittelbar danach auf die Landung vor. Hier aber kannst du deine Airtime richtig fühlen und genießen. Das ist Fliegen pur und macht unglaublich viel Spaß. Ich liebe es!

Du bist schon das dritte Mal beim Nine Knights. Hier gibt es weder Goldmedaillen noch ein Preisgeld zu holen. Was macht ein Olympiasieger und mehrfacher X Games Gewinner Anfang April in Watles in Südtirol?

Dieses Event ist einzigartig. Ich bin in der Halfpipe zu Hause. Diese überdimensionale Schneeburg stellt aber eine Herausforderung dar, wie ich sie sonst nicht kenne. Und das, obwohl ich aus der Halfpipe kommend an all den unterschiedlichen Transitions hier eher einen Vorteil habe. Warum ich hier bin? Weil es großartig ist, Teil der Nine Knights sein zu dürfen. Die einzelnen – nennen wir es einmal – Bausteine, die als Ganzes das spektakuläre Schneeschloss ergeben, bilden jedes Jahr die verrückteste, fahrbare Schneeskulptur überhaupt. Hinzukommt, die außergewöhnlich gute Eventorganisation. Veranstalter Nico Zacek stellt Jahr für Jahr eine wirklich tolle Veranstaltung auf die Beine. Einer von neun eingeladenen Freeskiern zu sein, ist mir eine große Ehre. Wir reisen mit super Fotos und tollen Videos im Gepäck nach Hause. Medial ist dieses Event nicht zu toppen. Und Spaß haben wir hier ja auch.

Ich hab' vor einigen Wochen bei Instagram ein Foto gesehen: Du im Krankenbett. Was war passiert?

Ich hatte mir bei einem Sturz in Mamooth in Kalifornien kurz vor den X Games eine Schultereckgelenkssprenung zugezogen. Mittlerweile halten sich die Schmerzen in Grenzen. Zu 90 Prozent bin ich also wieder okay.

Wenn du als Olympiasieger, dreifacher X Games Gewinner, Weltmeister, Weltcup-Sieger und so weier zu den X Games nach Aspen reist, erwartet jeder mindestens einen Podiumsplatz, eigentlich aber Gold. Nun hast du – frisch verletzt – Platz 8 belegt. Muss David Wise unter diesen Umständen mit der Platzierung zufrieden sein?

Das ist schwer zu beantworten. Kurz vor Aspen bin ich in Oslo noch einmal auf die ohnehin schon verletzte Schulter gestürzt. Eine Achterbahn ist nichts dagegen. Ich hatte in Aspen trotz Verletzung einen soliden, technisch anspruchsvollen Run hingelegt, kann damit aber nicht zufrieden sein. Ich trete bei den X Games nicht an, um Platz 8 zu belegen. Mein Anspruch ist natürlich ein anderer. Wobei es mir weniger um den Titel an sich geht, sondern vielmehr darum, mein Bestes zeigen zu können. Vor der Verletzung war ich extrem gut drauf, fühlte mich super wohl, hatte einen brandneuen Run in Petto, den ich noch nicht gezeigt hatte und hab' mich voll auf die X Games gefreut.

In Bestform verletzt?

Kann man so sagen. Aber so ist es nun mal im Sport. Natürlich war ich enttäuscht. Weniger, weil ich nicht gewinnen, sondern nicht im Ansatz mein Bestes zeigen konnte. Nur das ist bitter.

Abhaken und nach vorne schauen?

Im ersten Moment überwog klar die Frustration. Mit etwas Abstand, auch wenn’s merkwürdig klingt, bin ich froh darüber. Es ist gut, wie alles gekommen ist. Aus diesem Rückschlag schöpfe ich Kraft.

Kannst du das genauer erklären?

David Wise gewann Gold in der Halfpipe bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

An die Spitze zu kommen ist an sich schon eine ziemlich schwierige Angelegenheit. Sich dauerhaft dort zu halten, ist allerdings eine ganz andere Nummer. Es sagt sich so leicht: "Du bist der Favorit, gewinnst sowieso." Sich über mehrere Jahre ganz vorne zu behaupten, ist ein hartes Stück Arbeit. Der Rückschlag puscht mich total. Ich will nach dieser Saison stärker denn je zurückkommen. Wer weiß, wie es um meine Motivation stünde, hätte ich auch diesen Winter alles gewonnen. Ich hab' ein paar neue Tricks entwickelt, sie aber noch nicht im Wettkampf gezeigt. Ich werde sie weiter perfektionieren. 2018 stehen wieder Olympische Spiele an. Irgendwie passt dieser neue Motivationskick in eine langfristige Strategie.

Der Winter ist bald rum. Wie lange dauert er bei dir?

Meine Wettkampfsaison ist zwar beendet, aber auf Ski stehe ich trotzdem noch ein paar Wochen. Bis weit ins Frühjahr hinein bin ich noch für Foto- und Filmproduktionen im Schnee. Während der Saison, wo ich von einem Event zum nächsten reise, bleibt dafür kaum Zeit. Unmittelbar nach den Nine Knights fliege ich nach Lake Tahoe, im Anschluss geht’s in meinen Heimatresort, Northstar, um Freeride und Backcountry Aufnahmen zu machen. Mitte Mai stelle ich die Skischuhe dann auch in den Keller.

Du hast ja schon zwei Kinder. Hatte denn David Wise als Papa neben all dem diesen Winter Zeit mit seiner kleinen Tochter zum Skifahren zu gehen?

Aber natürlich! Sie fährt nach wie vor Ski und besser denn je. (Anmerkung: Davids Frau fährt Snowboard. Zwischen den beiden gibt es eine Art Wettkampf, wer die Tochter für seinen Sport gewinnt.)

Lass uns mal in die ferne Zukunft blicken. Werden die Enkel von David Wise noch auf Naturschnee Skifahren können?

Ich hoffe es sehr. Verrückt, dass wir uns solche Fragen stellen müssen! Seit ich drei Jahre alt bin, stehe ich Winter für Winter auf Ski. Alleine in meinem bisherigen Leben haben sich die Winter stark gewandelt. In den Skigebieten Kaliforniens zum Beispiel hatten wir drei Jahre am Stück kaum Schnee. Das muss man sich einmal vorstellen! Lake Tahoe ohne Schnee! Ich hoffe sehr, dass sich das Bewusstsein weltweit weiter verändert und wir den Klimawandel doch noch in den Griff bekommen können.


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