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Videobloggerin Suli Kurban Ramadan zum ersten Mal

Nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen: Die 25-jährige Muslimin Suli Kurban fastet zum ersten Mal und führt während des Ramadan ein Videotagebuch. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sie ihre erste Fastenzeit erlebt.

Von: Simon Schneller

Stand: 03.07.2014 | Archiv

Zulaybat (Suli) Kurban | Bild: Anna Frances Ewert

Letzten Samstag hat der Ramadan angefangen - einen Monat lang fasten gläubige Muslime jetzt und dürfen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen, nicht fluchen. Suli Kurban ist 25, Muslimin und lebt schon lange in Deutschland. Dieses Jahr fastet sie zum ersten Mal im Ramadan und führt ein Videotagebuch darüber. Suli war bei uns im Studio und hat im Interview erzählt, warum sie jetzt mit dem Fasten anfängt und wie es ihr damit geht.

PULS: Wann hast du das letzte Mal etwas gegessen?

Suli Kurban: Ich habe heute um viertel nach zwei angefangen und durfte bis 3.22 Uhr essen. Um 3.22 Uhr ist Gebetszeit und bis dahin musst du alle deine Geschäfte erledigen, das heißt, Zähne putzen, etwas gegessen und getrunken haben. Aber so früh ist es ziemlich hart, weil der Magen noch nicht viel aufnehmen kann.

Was isst man denn um diese Zeit?

Am ersten Tag habe ich den Fehler gemacht und auf andere Leute gehört, die gesagt haben: "Du musst was Gescheites essen!" Und das ist bei mir asiatische Gemüsepfanne mit Reis. Mir ging's danach aber ziemlich schlecht und mein Magen hat die ganze Zeit komische Geräusche gemacht. Seitdem habe ich mir angewöhnt, immer Müsli zu essen.

Und du darfst auch kein Wasser trinken?

Nein, trinken darf ich auch auf keinen Fall. Das Fasten bezieht sich nicht nur auf das Essen. Ich darf auch nichts trinken, nicht wütend sein, nicht fluchen, nicht über andere Leute lästern, nicht rauchen, keinen Sex haben.

Zur Hilfe hast du auch eine Fasten-App, wie funktioniert die?

Die App sagt mir, wann ich essen kann und wann nicht und wie ich beten soll. Für mich ist es das erste Mal, dass ich überhaupt faste und vier Wochen durchhalten will. Da brauche ich drigend Unterstützung und Hilfe.

Warum hast du jetzt mit dem Fasten angefangen?

Bis jetzt habe ich mich immer ein bisschen dagegen gesträubt, weil ich immer Probleme mit dem Kreislauf bekomme, wenn ich nichts trinke und nichts esse. Ich werde vor allem zur Furie, wenn ich Hunger habe - deswegen war die Motivation zu fasten nie so groß. Dann kam aber die Anfrage, ob ich einen Videoblog machen möchte, um darüber zu berichten, wie es ist, vier Wochen nichts zu essen. Und ich dachte mir: Ja, jetzt ist die Zeit reif!

Möchtest du dir jetzt nur beweisen, dass du fasten kannst oder hat es auch einen religiösen Hintergrund für dich?

Es hat auf jeden Fall auch einen religiösen Hintergrund und ist eine große Chance für mich, das Fasten zu erleben und kennenzulernen. Vielleicht mache ich dadurch auch den ersten Schritt für die nächsten Jahre.

Was sagen deine Familie und deine Freunde dazu, dass du jetzt plötzlich fastest?

Meine Familie freut sich sehr, denn meine Eltern fasten schon, seit ich denken kann. Mein Bruder kann nicht fasten, weil er als Patissier arbeitet, ständig etwas probieren muss und immer mit Essen beschäftigt ist. Meine Freunde waren hingegen skeptisch und haben gefragt: "Wie kommt es, dass du auf einmal fasten möchtest und was bringt dir das überhaupt?" Die meisten hatten Vorurteile, weil sie nicht wirklich Bescheid wussten. Ich musste meine Freunde erst aufklären und ihre Fragen beantworten.

Deine Eltern haben immer gefastet - ist es da nicht ungewöhnlich, dass du als Kind nie mitgefastet hast?

Doch! Aber meine Eltern sind wirklich tolerant und haben gesagt: "Wenn du das Gefühl hast, dass du noch nicht so weit bist, dann geben wir dir die Zeit. Aber du weißt, dass es eine sehr gute Tat für eine Muslima ist, zu fasten und es gehört zu den fünf Säulen des Islams. Man kann sehr viel über sich selbst lernen." Und das ist auch der wichtigste Punkt für mich, dass man lernt, sich selbst zu kontrollieren und nicht ausrastet. Jetzt habe ich seit einer Woche die Möglichkeit, an meinem Temperament zu arbeiten.

Hat es bis jetzt geklappt? Oder ist schon was schiefgegangen?

Ich habe geflucht, weil ich mich ziemlich aufregen musste. Ich war sauer und habe über eine Personen ein bisschen gelästert. Und dann dachte ich mir aber: Oh nein, was mache ich gerade? Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen...

Eine knappe Woche hast du schon hinter dir, drei stehen dir noch bevor. Wie blickst du dieser Zeit entgegen?

Ich hab mich mittlerweile ganz gut daran gewöhnt. Das einzige Problem ist, dass ich fünf Tage wegen meiner Periode aussetzen muss, weil man während dieser Zeit als unrein gilt und deswegen nicht fasten darf. Das Schlimme daran ist, dass man die fünf Tage später nachholen muss. Außerdem geht es mir körperlich gerade ganz gut, und ich weiß nicht, wie es ist, wenn ich fünf Tage pausiere und mein Körper sich wieder neu an das Fasten gewöhnen muss. Darauf habe ich eigentlich keinen Bock.


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