Jetzt Bessa Bessa Die Orsons

Info "Bessa Bessa" (2019) stammt vom wahrscheinlich letzten Album der Orsons. Darauf überzeugen immer noch mit ihrer Mischung aus Pop-Kitsch, Dubstep-Beats und cleveren Texten - Hip Hop interessant für Hipster und Mainstream!

Corona und Wirtschaft Was die Corona-Krise für Azubis bedeutet

Die Wirtschaft befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, fast alle Branchen sind betroffen. Azubis und Berufseinsteiger*innen trifft das besonders hart. Wir sagen euch, warum es trotzdem Hoffnung gibt.

Von: Katharina Deichsel

Stand: 05.06.2020 | Archiv

grafische Abbildung eines Masken tragenden Mannes in einer Werkstatt.  | Bild: BR

Die offiziellen Zahlen sind mies: Im Mai meldete die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit rund 50.000 weniger Ausbildungsstellen als im selben Monat 2019. Fast alle Branchen sind betroffen: von der Gastronomie über Elektrotechnik sogar bis zu Informatikberufen. Während die Bundesregierung durch Kurzarbeit vor allem bestehende Jobs rettet, fühlen sich viele Berufseinsteiger*innen allein gelassen.

Einer von ihnen ist Sebastian aus München. Eigentlich wollte der 20-Jährige im Herbst den Praxisteil seiner Schreinerausbildung beginnen: raus aus der Berufsschule, endlich rein in einen echten Betrieb. Doch Corona hat diesen Plan vorerst platzen lassen. Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage hat Sebastian selbst nach über 40 Bewerbungen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Gerade mal sechs Leute aus seiner Berufsschulklasse haben bisher einen Vertrag unterschrieben. Im Jahrgang davor seien die allermeisten problemlos untergekommen, sagt Sebastian.

"Man ruft an und die meisten Schreinereien sagen, dass sie nicht ausbilden und nicht mal Praktikumsplätze anbieten. Ich bin auch mal mit dem Radl durch die Stadt gefahren und habe irgendwelche Schreinereien abgeklappert und nach einem Ausbildungsplatz gefragt – alle haben abgelehnt."

Sebastian Schlerka, Schüler im Berufsgrundschuljahr für Schreiner*innen

Ungewisse Zukunft in vielen Branchen

Die Arbeitsmarktchancen für eine ganze Generation von Berufseinsteiger*innen haben sich durch die Corona-Krise massiv verschlechtert. Die Langzeitfolgen sind noch gar nicht absehbar. Im neuen milliardenschweren Corona-Konjunkturpaket hat die Regierung deshalb festgelegt, dass Ausbildungsplätze mit Einmalzahlungen gesichert werden sollen. Kleine und mittlere Unternehmen sollen eine Prämie von 2000 Euro erhalten, wenn sie die Zahl ihrer Auszubildenden trotz Krise nicht verringern. Ob das reicht, um die berufliche Zukunft junger Menschen in Deutschland zu sichern, wird sich erst zeigen. Zu Geduld rät aber auch Bettina Fröhlich von der Bundesagentur für Arbeit. Sie leitet den Fachbereich "Jugendliche" für Bayern und betont, dass das Thema Ausbildung nach wie vor wichtig sei, denn "jeder Jugendliche, den die Betriebe jetzt nicht ausbilden, fehlt ihnen in ein paar Jahren als wichtige Fachkraft".

Außerdem problematisch: Wegen der Schulschließungen ist der Praxisunterricht an den Berufsschulen ausgefallen. Den kann man, anders als viele Inhalte beim Studium, aber nicht mit E-Learning ersetzen. Berufsschüler*innen wie Sebastian befürchten daher als "Corona-Jahrgang" auf dem Ausbildungsmarkt zukünftig Nachteile zu haben. "Das, was ich in der Werkstatt lerne, kann ich daheim nicht machen. Ich habe Angst, dass die Betriebe denken, ich hätte dieses Jahr wegen Corona in der Schule nichts gelernt und sie dann lieber jemanden aus dem nächsten Jahr nehmen", sagt Sebastian. Auch die Internationale Arbeitsorganisation der UN warnt, dass weltweit gerade Berufsanfänger*innen langfristig unter den wirtschaftlichen Folgen von Corona leiden werden.

Positiv denken

Für Bayern rechnet Bettina Fröhlich trotz allem aber damit, dass sich der Ausbildungsmarkt erholen wird. Wegen des Lockdowns und den neuen Hygienestandards hätten sich die Einstellungsprozesse zwar verschoben, seien aber nicht komplett eingestellt.

"Ich kann jedem nur den Rat geben, sich jetzt nicht komplett verunsichern zu lassen, sondern weiter den Berufswunsch zu verfolgen, gerade auch aktuell."

Bettina Fröhlich von der Bundesagentur für Arbeit

Keine leichte Aufgabe, aber vielen bleibt gerade leider nichts anderes übrig. Sebastian hofft trotz der schwierigen Situation, dass Schreinereien gegen Ende des Jahres wieder mehr Aufträge bekommen und dann doch noch Azubis einstellen werden. Seine Berufsschule hat die Anmeldefrist für den zweiten Lehrabschnitt in jedem Fall schon um zwei Monate verlängert.

PULS am 05.06.2020 - ab 15.00 Uhr