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Netflix-Meldoram "Mudbound" Unbedingt sehenswert - auch ohne Oscar

Richtig fett abgeräumt hat bei den Oscars 2018 kein Film. Dafür wurden mehrfach nominierte Filme fett abgewatscht und gingen leer aus. “Mudbound” ist einer davon. Drei Gründe, warum ihr das Südstaaten-Melodram jetzt erst recht anschauen solltet.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 09.03.2018 | Archiv

Szene aus "Mudbound" | Bild: Netflix

Mit den Oscars ist es ja oft so: Wer nicht gewinnt, wird schnell vergessen. Dämliche Denke. Als ob das die Qualitäten der anderen Nominierten irgendwie schmälern würde. Beispiel "Mudbound". Viermal war das Südstaaten-Melodram nominiert, und zwar in den Kategorien bestes adaptiertes Drehbuch, beste Kamera, beste Nebendarstellerin und bester Song. Dass die Netflix-Produktion am Ende leer ausging – egal. Wer den Film schon gesehen hat, weiß warum. Wer nicht: Et voila – drei Gründe.

1. Historischer Background, immer noch relevant

"Mudbound" ist ein Drama über zwei Familien. Die eine Familie ist weiß, die andere schwarz, beide verdienen ihr Geld als Farmer auf dem gleichen Stück Land irgendwo in Mississippi in den 40er-Jahren. Bei dieser Ausgangssituation kann man sich schon denken: Es geht um Klassen- und Generationsunterschiede, um auseinanderfallende Träume und vor allem um offen ausgelebten Rassismus. Auch wenn der Film in den 40er-Jahren spielt: Die Probleme, die in "Mudbound" thematisiert werden, sind heute noch genauso aktuell. Deswegen: Anschauen und mitdenken.

2. So tief wie ein Shakespeare-Drama

Mudbound heißt matschig. Oder wortwörtlich übersetzt: "an den Matsch gebunden". Weil "Mudbound" eine Literaturverfilmung ist, stecken in dem Titel Mehrdeutigkeiten. Einerseits ist das Land, auf dem die beiden Familien leben, ein großer brauner Acker, der sich bei Regen in eine triste und potentiell gefährliche Schlammgrube verwandelt. Wer im Boden steckenbleibt, muss kämpfen, um seinen Fuß wieder freizubekommen. Das gilt naürlich auch für das Leben jeder einzelnen Figur. Wer nicht kämpft, wird von den Konventionen des Alltags aufgesaugt. Viele versuchen es, die meisten straucheln dabei. Die Bildsprache potenziert das Alltagsdrama: Es gibt wenige helle Momente, Braun- und Grautöne dominieren. Und der Handlungsverlauf macht relativ schnell klar: Blutrot wird auch noch eine Rolle spielen.

3. Schauspielleistungen, die man nicht so schnell vergisst

"Mudbound" wirkt zwar altmodisch, gräbt sich aber tief ins Gedächtnis ein – vor allem, weil die Schauspieler durch die Bank so gut sind, dass da locker noch ein paar mehr Award-Nominierungen drin gewesen wären. Neben R'n'B-Sängerin Mary J. Blige, die die Mutter der schwarzen Familie spielt und dafür als beste Nebendarstellerin nominiert wurde, sticht vor allem Jonathan Banks heraus. Der 71-Jährige, der zuletzt in den Serien "Breaking Bad" und "Better Call Saul" denkwürdige Auftritte hingelegt hat, spielt in "Mudbound" einen vom Rassenhass zerfressenen Patriarchen, dem man auf keinen Fall begegnen will, wenn er wütend wird. Im Film passiert das leider zu vielen Figuren. Und die Folgen – wie gesagt: Die Eindrücke sind bleibend.

Weitere oscar-nominierte Netflix-Produktionen

"Ikarus" von Bryan Fogel: In der Sportdoku tauchen ein US-Radrennfahrer und ein russischer Wissenschaftler – Putins meistgesuchter Whistleblower – in die Welt des Dopings ein. "Ikarus" hat Netflix den ersten Oscar beschert - in der Kategorie Bester Dokumentarfilm.
"Heroin(en)" von Elaine McMillion Sheldon: Die 40-minütige Kurzdoku begleitet eine Feuerwehrchefin, eine Richterin und eine Straßenmissionarin bei deren Kampf gegen die verheerende Heroin-Epidemie in West Virginia.

Sendung: Filter vom 08.03.2018 - ab 15 Uhr