Jetzt Good Luck, Kid Joseph

Info Die amerikanische Band Joseph besteht aus den Geschwistern Natalie Schepman und Allison und Meegan Closner. Das Trio aus Portland zeigt auf "Good Luck, Kid" (2019) seine neugewonnene Liebe zu energiegeladenen Pop-Hymnen.

Band der Woche // Spezial Warum Pop 2019 bayerische Frauen braucht

Es tut sich was in Sachen Frauen und Pop - auch in Bayern. Wir meinen diesmal allerdings nicht die vielen lobenswerten Frauenquoten, Podiumsdiskussionen und Workshops, sondern einfach junge Frauen, die verdammt gute Musik machen.

Von: Johannes Dobroschke

Stand: 11.02.2019 | Archiv

Live im PULS Studio | Bild: BR

Das Problem ist mittlerweile angekommen in den Musikmedien und den Köpfen der Musikfans: Frauen waren und sind in der Musikwelt benachteiligt und daran muss sich etwas ändern. Ein Ergebnis der Diskussion ist schon jetzt, dass man endlich mehr Musik von Frauen zu hören bekommt. Auch wir hatten in den letzten Monaten viele junge Künstlerinnen aus Bayern als "Band der Woche", die nicht nur talentiert sind und gute Songs schreiben, sondern genau das mitbringen, was Pop 2019 braucht.

Fuck-You-Attitude: Umme Block

Dass sie Mädels sind, hat nie eine Rolle gespielt, sagen Klara und Leoni vom Münchner Elektro-Pop-Duo Umme Block. Nicht, als sie anfingen, zusammen Musik zu machen und erst recht nicht, als sie zu ihrem düsteren Stil fanden. Dementsprechend androgyn ist die Klang- und Bildästhetik von Umme Block mit ihren kühlen Synthesizern, kraftvollen Drumsounds und ausschweifenden Arrangements. Trotzdem treffen sie oft auf Vorurteile, besonders bei männlichen Tontechnikern, die sie nicht ernst nehmen. Wenn das mal wieder passiert, stellen sich Klara und Leoni beim Soundcheck einfach extra dumm und genießen hinterher den Anblick von offenen Mündern hinterm Soundpult.

"Ich weiß, was ich kann, ich weiß, was wir können. Gönnt‘s euch einfach!"

Klara von Umme Block

Weitblick: Cosma Joy

Cosma Joy beweist auf zweierlei Art Weitblick. Einerseits blickt die junge Sängerin aus München in ihrer Musik ziemlich weit zurück. Und zwar so intensiv, dass man Cosma Joy glatt für die 2010er Version von Joan Baez oder Joni Mitchell halten könnte. Beim PULS Festival 2018 hat sie das Publikum bei ihrem Konzert mit dem Münchner Rundfunkorchester auf die schönste Zeitreise seit „Zurück in die Zukunft“ geschickt. Andererseits ist Cosma Joy mit nur 17 Jahren schon zu Erkenntnissen gekommen, für die andere ein halbes Leben brauchen. In ihrem Musikvideo zu "At Seventeen" erklärt Cosma, dass sie keine Zeit mehr damit verschwenden will, einem weiblichen Schönheitsideal hinterher zu laufen. Eine gute Grundlage für eine echte Musikerkarriere, die nicht nur auf Instagram stattfindet.

"I don’t want to be beautiful anymore. I don’t want anything that comes with that. I’m done."

Cosma Joy

Balance: Tiger Tiger

Im "normalen" Leben ist es für Frauen schon schwer genug, Familie und Karriere gleichzeitig einigermaßen erfolgreich zu betreiben, als Musikerin ist es fast unmöglich. Die meisten Clubs bieten eben keine Kinderbetreuung an und mit Elterngeld ist auch nicht viel los. So verliert der Pop viele wichtige Stimmen. Cornelia Breinbauer will das so nicht hinnehmen und verhandelt in ihrem Future-Pop-Projekt Tiger Tiger bewusst Themen wie Mutterschaft, Weiblichkeit und Kreativität. Sie hat selbst zwei Kinder und möchte andere Frauen dazu inspirieren, auch als Mutter weiter Songs zu schreiben und auf die Bühne zu gehen. Vielleicht schlummern da draußen ja noch mehr Pop-Gesamtkunstwerke wie Tiger Tiger.

Furchtlosigkeit: Lilly Among Clouds

Entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn: den Eurovision Song Contest. Der ESC hat historische Höhepunkte der Geschmacklosigkeit hervorgebracht, aber gerade in letzter Zeit auch Überraschungserfolge, die beweisen, dass die Menschen doch noch wissen, was gute Musik ist (siehe Portugal 2017). Man braucht jedenfalls einen gefestigten Charakter, um sich als Künstlerin auf dieses Abenteuer einzulassen. So wie Lilly Among Clouds. Wir begleiten die Sängerin seit ihren Anfängen in Würzburg und fanden es super, dass sie das Abenteuer ESC gewagt hat.

Experimentiergeist: Madsiusovanda

Grenzen brechen, Konventionen auflösen – das wird in der Musik immer noch eher den Männern zugetraut. Es gibt eine lange Tradition von Musikrebellen, die weit vor Franz Zappa anfängt und bei Kendrick Lamar noch lange nicht aufhört. Umso wichtiger, dass immer mehr Frauen bekannt werden, die Genres auflösen und Pop neu erfinden. Carina Madsius und Pia Ovanda haben beide eine Ausbildung im Bereich Klassik und Jazz absolviert und unterwandern mit ihrem Projekt Madiusovanda das System jetzt von innen. Großer Pop clasht hier mit vertracktem Jazz, lyrische Klavierpassagen mit Synthesizer-Explosionen.

"Der experimentelle Faktor in unserer Musik ist uns ziemlich wichtig, denn das bedeutet auch ein Stück Freiheit."

Carina Madius

Solidarität: SEDA

Das Schicksal von Amy Winehouse ist auch ein Beispiel dafür, wie gnadenlos das Musikbusiness mit jungen Frauen umgeht. Nach ihrem tragischen Tod und der Doku "Amy" hat sich die Häme für die Sängerin größtenteils in Mitgefühl verwandelt. Auch die Münchner Sängerin SEDA – selbst ein riesiger Amy Winehouse Fan - hat "Amy" gesehen und ihre Gefühle danach in einen Song gepackt, der voller Verständnis ist. "I could end up like you", singt SEDA in "To Be Frank". Das wollen wir mal nicht hoffen, aber für so viel Solidarität unter Pop-Frauen gibt’s von uns den Daumen hoch.

Radikale Ehrlichkeit: MOLA

Ehrlichkeit kann weh tun, aber auch verdammt befreiend sein. In Tracks wie "Blaue Brille" und "Feier mich kaputt" erzählt die Münchner Anti-Pop-Band MOLA von Party- und Alkoholexzessen und wie sie Beziehungen zerstören. Eigentlich ein klassisches Thema des Rock’n’Rolls, aber aus weiblicher Perspektive hat man das so radikal noch nicht gehört. Perfekt untermalt wird das vom harten und zugleich deepen Glitch-Synthpop der Band. So muss ein NDW Revival 2019 klingen!

Sensibilität: LORiiA

Bei allem, was täglich so auf uns einstürzt, ist es nur logisch, dass viele Menschen emotional zumachen. Da ist es umso wichtiger, dass es Künstler mit feinen Antennen gibt, die auch negative Energie in gute Musik verwandeln können. LORiiA, eine neue Pop-Stimme aus München, hat mit dem Songschreiben angefangen, als sich ihre Eltern getrennt haben. Die Musik hat ihr geholfen, ihre Gefühle zu verarbeiten und ganz nebenbei hat sie es so unter anderem aufs PULS Open Air 2019 geschafft.

"Ich bin ein positiver Mensch, aber ich denke schon viel nach. Wahrscheinlich sollte ich meinen Kopf ab und zu etwas mehr ausschalten."

LORiiA

Band der Woche

Kennt ihr neue bayerische Bands mit weiblicher Beteiligung, oder spielt sogar selbst in einer (Solo-Projekte zählen natürlich auch)? Dann schreibt uns mit Hörproben an redaktion@deinpuls.de Vielleicht seid ihr selbst bald PULS Band der Woche.

Übrigens: Am 8. März ist Weltfrauentag und PULS spielt 24 Stunden lang Musik mit Frauen am Mikrophon im Radio!

Quelle: Sendung: Freundeskreis, 25.02.2019, ab 10 Uhr