Jetzt Blurry Precise Team Me

Info 2019 hat Marius Drogsås Hagen Team Me nach der Bandauflösung vier Jahre zuvor wiederbelebt. Und das Projekt hinterlässt auch mit ihm alleine noch eine Spur von Verliebtsein. So zuckersüß und reizend sind Songs wie "Blurry" (2019).

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Kurt Cobains 50. Geburtstag 5 unbekannte Nirvana-Songs, die ihr hören solltet

Kurt Cobain wäre am 20. Februar 50 Jahre alt geworden. Viele Fans werden ewig traurig sein, dass es nur drei Nirvana-Studioalben gibt. Die Klassiker kennt jeder. Bei den B-Seiten und Demos sind aber auch einige Perlen zu finden.

Von: Matthias Scherer

Stand: 23.11.2016 | Archiv

Nirvana Revival | Bild: picture-alliance/dpa

1. "Sliver" (1990)

Der Song beginnt mit der vielleicht besten Nirvana-Bassline überhaupt. Den Text schrieb Cobain wie so oft erst ein paar Minuten vor der Aufnahmesession. Die Zeilen sind trotzdem – oder gerade deswegen – bemerkenswert rührend: Der junge Kurt wird von seinen Eltern unter Tränen und Geschrei bei seinen Großeltern abgesetzt. Dort isst er zu Abend (Kartoffelbrei), schaut Fernsehen, und wacht in den Armen seiner Mutter wieder auf.

"Sliver" wurde zuerst 1990 als eigenständige Single und dann 1992 als Teil der Compilation "Incesticide" veröffentlicht. Die Dynamik des Songs ist übertrieben simpel: erste Strophe nur mit Bass, dann verzerrter Refrain, zweite Strophe verzerrt, verzerrter Refrain, dritte Strophe verzerrt und eine Oktave höher geschrien, verzerrter Refrain und so weiter – bei jeder Strophe eins drauf gesetzt und ein gefühltre Endlos-Chorus bis zur Entladung in der letzten Zeile: "I wanna be alone!". Zwei ganz, ganz große Minuten.  

2. "Spank Thru" (1985/86)

Technisch gesehen keine Nirvana-Aufnahme, sondern ein Track von einem Demo-Tape von Kurts Band Fecal Matter, die sich 1986 auflöste. Diese Aufnahme war es jedoch, die den zukünftigen Nirvana-Bassisten Krist Novoselic dazu brachten, mit Kurt eine Band zu gründen. Man kann zumindest erahnen, warum: Das schrammelige Intro-Riff sowie die Gitarren im C-Teil lassen an spätere Monster-Songs wie "Smells Like Teen Spirit" und "Rape Me" denken. Kurts Gesang und das Schlagzeugspiel von Dale Crover entsprechen schon eher dem Level, auf dem sich die zwei damals bewegten: dem einer gammeligen Amateur-Band.

Der Song wurde mehrmals neu aufgenommen und veröffentlicht (z.B. auf dem 1988 erschienenen "Sub Pop 200" Labelsampler oder als B-Seite von "Sliver") und bis in die frühen 90er live gespielt – so wie beim legendären Auftritt auf dem Reading Festival 1992.

3. "Aneurysm (Live)" (1996)

Der Song ist ursprünglich als B-Seite zur "Smells Like Teen Spirit"-Single erschienen. Diese Version jedoch wurde am 28. Dezember 1991 in den Del Mal Fairgrounds, Kalifornien aufgenommen und auf dem Live-Album "From The Muddy Banks of The Wishkah" veröffentlicht. So poliert Nirvana auf dem im selben Jahr erschienenen "Nevermind" klangen, so furchteinflößend und verwildert lärmen sie hier. Allein das anderthalb Minuten lange Intro wabert wie ein Vulkan, der jede Sekunde auszubrechen droht.

Der Song hat alle klassischen Nirvana-Merkmale: der perfekt getimte Einsatz des Verzerrer-Pedals, eine super eingängige Bassline, Drum-Parts, bei denen die Ohren schlackern, und Heroin als lyrische Metapher für die Liebe. Oder ist es andersrum? Halb so wichtig – der Song walzt trotzdem alles nieder. Wie gern wären wir bei diesem Konzert dabei gewesen.

4. "You Know You’re Right" (2002)

Das ist der letzte Song, den Kurt zusammen mit Krist Novoselic und Dave Grohl aufgenommen hatte – er ist dementsprechend mit Bedeutung überladen. Cobain wollte Nirvana 1994 angeblich in eine sanftere, R.E.M.-eske-Indie-Rock-Richtung steuern – "You Know You’re Right“ merkt man das jedenfalls nicht an. Gepresster, hymnischer Gesang, knochentrockene Gitarren-Salven, und Textzeilen, die von seiner tiefen Depression zeugen:

"Never speak a word again, I will crawl away for good."

Kurt Cobain

Erschienen ist der Song auf der im Jahr 2002 posthum veröffentlichten Greatest Hits Compilation "Nirvana". Die Akustik-Version auf dem "With The Lights Out" Boxset (2004) – in Kurts Haus in Seattle aufgenommen – ist nichts für schwache Nerven.

5. "D-7" (1992)

Nirvana haben oft und gerne Songs gecovert: Auf ihrem allerersten Konzert im Frühjahr 1987 – in einem Keller in Raymond im Staate Washington – jammten sie auf dem Led-Zeppelin-Klassiker "Heartbreaker" herum. Und bei ihrem legendären "MTV Unplugged"-Auftritt spielten sie nicht weniger als sechs Songs von anderen Künstlern.

Der Song "D-7" stammt im Original von der legendären Post-Punk-Band Wipers aus Oregon und wurde von Nirvana auf der damals nur in Japan und Australien erhältlichen EP "Hormoaning", sowie der UK-Version der "Lithium"-Single veröffentlicht. Das langsam gezupfte, beklemmende Intro erinnert gleich an zwei Nirvana-Songs: "Something In The Way" und "Heart-Shaped Box". Die Wipers waren nicht nur eine von vielen Lieblingsbands des stets an alter und neuer Musik interessierten Kurt Cobain, sondern neben den Pixies auch der wichtigste Einfluss für Nirvanas Musik.