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Ruhmeshalle R.E.M. - Out Of Time

Melodien für Millionen: Nirvana mögen harte Gitarren ins Musikfernsehen befördert haben, R.E.M. haben den Indierock zu deiner Mutter gebracht. Mit ihrem siebten Album vereint die Band aus Athens Mainstream und Indie für immer.

Von: Andrea Schmidt

Stand: 22.09.2011 | Archiv

R.E.M.-Sänger Michael Stipe im Olympia Theatre in Dublin 2007. | Bild: Gareth Chaney / dpa

Die Tour zum Album "Green" hatte R.E.M. völlig erschöpft. Es war ihr erstes Album mit einem Major-Plattendeal gewesen, "Green" hatte ihnen Doppel-Platin in den USA und den Durchbruch in Europa verschafft. Monatelang spielten Michael Stipe und Kollegen Konzerte auf der ganzen Welt. Sie waren so erfolgreich wie nie - und konnten nicht mehr. Ein Jahr lang mussten sie Pause machen, Kraft schöpfen, alleine kreativ sein, bevor sie sich wieder zusammenfanden, um das größte, das bisher erfolgreichste Album ihrer Karriere aufzunehmen.

Der Kosmos R.E.M. öffnet sich

R.E.M. - Out Of Time (Cover)

"Out Of Time" aus dem Jahr 1991 ist R.E.M.s schöpferisch dichtestes Album: Gitarre-Schlagzeug-Bass war gestern, jetzt sind ihre Songs mit cleveren Streicher-, Mandolinen- und Orgel-Arrangements gespickt. Bassist Mike Mills und Gitarrist Peter Buck dürfen experimentieren, Gastauftritte wie der von B-52s-Sängerin Kate Pierson bei "Shiny Happy People" und von Rapper KRS-One im Intro von "Radio Song" zeigen, dass sich der Kosmos des Quartetts geöffnet hat.

R.E.M., eigentlich eine klassische Alternative-Rock-Band, entfernen sich auf "Out Of Time" ein ums andere Mal wacker von ihrem Genre, ohne dabei ihre Wurzeln zu verraten. "Radio Song" zeigt den Sinn einer Indieband für Funk, "Shiny Happy People" ist großer Powerpop und dann ist da natürlich noch der hymnische Mandolinen-Folk von "Losing My Religion".

"Losing My Religion" ist die erste Single von "Out Of Time", ein Smash-Hit mit MTV-Dauerrotation - und ein Song, der exemplarisch steht für das, was dieses Album ausmacht. Auf "Out Of Time" sagt Michael Stipe nämlich routiniert "Ich". Er erzählt die kleinen Geschichten von Furcht und Liebe und Einsamkeit aus seiner kleinen, persönlichen Perspektive - und erreicht damit die Massen.

Melodien für Millionen

Mit "Out Of Time" gelingt es R.E.M., beides zu vereinen: Sie behalten ihre Indie-Credibility und ihre so eingeschworene wie anspruchsvolle Fangemeinde, die auch die sechs Vorgängeralben kultisch verehrt hat. Und sie gewinnen neben drei Grammys die Herzen von Millionen dazu. Wollen wir wetten: "Losing My Religion" kann auch deine Mutter mitpfeifen. Dass anspruchsvoller Indierock heute auch im Großen funktioniert, das haben wir R.E.M. und ihrem Album "Out Of Time" zu verdanken.


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