Bayern 1 - Experten-Tipps


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Äpfel im Vergleich Bodensee- und Neuseelandapfel

Warum Äpfel aus Neuseelannd kaufen, wenn sie doch auch in Bayern wachsen? Auf den ersten Blick haben heimische Äpfel eine bessere Ökobilanz als Obst aus Übersee. Der Bayern 1-Umweltkommissar beleuchtet den Apfel von allen Seiten.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 25.02.2013

Illustration: Der Umweltkommissar betrachtet kritisch zwei Stapel mit Äpfeln, von denen eine Sorte aus der Region und eine Sorte aus Übersee kommt | Bild: BR/Susanne Baur

Auf den ersten Blick scheint der Fall keiner Rede wert: Äpfel aus der Region müssen ja eine bessere Ökobilanz haben als Äpfel aus Übersee. Die Äpfel müssen über tausende Kilometer transportiert und gekühlt werden. Aber trotzdem gibt das nicht immer den Ausschlag: Tatsächlich – auch wenn es unglaublich scheint – können Äpfel aus Neuseeland oder Chile um die halbe Welt verschifft werden und sind trotzdem für weniger Treibhausgase verantwortlich als ein Apfel, der vom Bodensee kommt.

Aber eben nur unter bestimmten Umständen und wenn alle Details stimmen. Selbst Experten wie Forscher des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung müssen viel rechnen, um so eine Aussage zu untermauern.

Nur was Saison hat, ist wirklich gut!

Eine Faustregel ist gültig und einfach zu merken: Wer saisonal aus der Region einkauft und sich strikt daran hält, unterstützt nicht nur die lokalen Betriebe, sondern tut auch der Natur etwas Gutes. Es liegt nämlich auf der Hand, dass Salat, Tomaten oder Äpfel aus der Region von Frühsommer bis Herbst – also wenn sie eben in Deutschland natürlich wachsen und gedeihen – eine bessere Umweltbilanz aufweisen, als Gemüse, das in dieser Zeit aus Übersee kommt. Eine klare Angelegenheit!

Im Winter bis ins Frühjahr sieht das etwas anders aus. Hier in Deutschland müssen Gewächshäuser beheizt oder auch Äpfel über Monate speziell gelagert und gekühlt werden. Das frisst enorme Energie, während anderswo auf der Welt die Sonne scheint und Obst und Gemüse ganz natürlich wachsen kann.

Beispiel

Äpfel aus Neuseeland, die per Schiff kommen, haben unter Umständen eine bessere Ökobilanz als bayerische Äpfel.

Neuseeländische Äpfel, die Ende März gepflückt werden, sind vier Wochen mit dem Containerschiff unterwegs und liegen Ende April im deutschen Laden. Bei geernteten deutschen Äpfeln, die im Oktober gepflückt und dann für einige Monate speziell gelagert werden müssen, ist der Energieverbrauch am Ende höher als bei den Äpfeln aus Übersee. Werden noch Folien, Gewächshäuser und Heizgeräte verwendet, kippt die Umweltbilanz leicht und macht die Äpfel aus Übersee sogar „umweltfreundlicher“.

Wenn allerdings Flugzeuge zum Transport eingesetzt werden, ist es mit der Umweltbilanz Essig. Wer im Winter Bio-Erdbeeren aus Spanien kauft, muss sich im Klaren darüber sein, dass es allein über den Transportweg zu einem immensen CO2-Ausstoß kommt. Egal, ob im Ursprungsland ökologisch angebaut wird oder nicht.

Produktion wichtiger als Vertriebsweg

Es ist zunächst gar nicht so wichtig, woher die Lebensmittel kommen, die wir kaufen, sondern wie sie produziert worden sind. Bio-Lebensmittel produzieren laut Öko-Institut Freiburg ein Drittel weniger Treibhausgase als andere, konventionell hergestellte Lebensmittel. Und dann ist auch noch entscheidend, was wir essen. Unsere Essgewohnheiten schlagen in unserer persönlichen Ökobilanz ganz gehörig zu Buche. Bis zu einem Fünftel unseres Gesamtausstoßes kann das ausmachen. Je weniger Fleisch wir essen, desto besser schneiden wir ab, denn die Energiebilanz von Nutztieren ist schlecht. Egal, ob es um Milchprodukte oder Fleisch geht.

Argentinisches Weiderindfleisch hat eine bessere Ökobilanz als bayerisches Mastvieh.

Auch hier kann es vorkommen, dass ein Stück Rindfleisch aus Argentinien – Weidehaltung vorausgesetzt – eine bessere Energiebilanz ausweist als Rindfleisch aus einem deutschen Mastbetrieb. Selbst wenn der lange Transportweg und die Kühlung hier akribisch miteingerechnet werden. Es hängt eben immer an den Produktionsbedingungen - und die sind oft nicht immer so einwandfrei zu rekonstruieren. Das macht den Vergleich auch so schwer. 

Die zweite Ebene: Wie kaufen Sie die Äpfel?

Auf den ersten Blick scheint es logisch, sich über Obst oder Gemüse, das tausende von Kilometer unterwegs war, aufzuregen. Doch eine kleine Rechnung beweist, dass man mit ersten Einschätzungen vorsichtig sein muss. So hat zum Beispiel der niederländische Bio-Großhändler Eosta errechnet, dass der CO2-Ausstoß für ein Kilogramm Bio-Äpfel aus Argentinien bei etwa 163 Gramm liegt. Der Energieverbrauch für den Transport ist da bereits miteingerechnet. Ein Lastwagen, der die Äpfel zum Hafen bringt, in riesiges Containerschiff, das das Obst über das Meer zu uns bringt. Aber alles ist eben verteilt auf viele Tonnen; die Masse macht’s!

Einkaufen mit dem Auto verschlechtert die Öko-Bilanz des Apfels.

Wer jetzt mit dem eigenen Mittelklassewagen zum Supermarkt fährt, um heimische Äpfel zu kaufen, bewegt für ein Kilo Äpfel rund eine Tonne Blech und entsprechend schlecht fällt die Umweltbilanz aus. Das Auto allein sorgt schon für 160 Gramm CO2 für jeden gefahrenen Kilometer.

Fazit

Wer saisonal einkauft und sich danach richtet, macht alles richtig. Spargel oder Erdbeeren im Winter müssen nicht unbedingt sein. Bei exotischen Produkten wie Kaffee, Bananen, Zitrusfrüchten oder Ananas hat der Verbraucher keine Wahl. Er ist darauf angewiesen, dass die Produkte beim Anbau klimaschonend angebaut werden.

Allerdings ist es auch nicht so einfach, Produkte aus Übersee generell zu verdammen. Unter bestimmten Umständen weisen sie eine bessere Umweltbilanz auf als Produkte aus der Region. Das kann eben auch für den Apfel aus Neuseeland gelten.

Tipp: Äpfel richtig lagern

Äpfel nicht neben Bananen lagern.

Heimische Äpfel kaufen und einlagern! Das ist in jedem Fall die beste Möglichkeit die CO2-Bilanz für Äpfel aus der Region konstant niedrig zu halten. Temperaturen von ein bis zwei Grad sind ideal. Wer einen hat, nutzt den dunklen kühlen Keller. In den Mehrzonen-Kühlschränken ist meist nicht genügend Platz, um den ganzen Winter mit den Äpfeln über die Runden zu kommen.

Wichtig ist auch, in welcher Umgebung die Äpfel lagern. Sie setzen nämlich das Pflanzenhormon Ethylen frei und bringen damit auch andere Früchte zum Reifen. Das merken Sie, wenn Sie Kartoffeln, Kiwis, Bananen oder Birnen neben den Äpfeln lagern: Sie werden schneller reif. 

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