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Ruhmeshalle The Knife - Silent Shout

2006 veröffentlichen The Knife ihr zweites Album, und der gesamte Pop-Kosmos fragt sich: Wer steckt hinter diesen geheimnisvollen Klängen? Das Geschwisterpaar verbirgt sich nämlich hinter gruseligen Masken und verzerrten Stimmen.

Von: Philipp Laier

Stand: 28.10.2011 | Archiv

The Knife aus Schweden | Bild: V2 Records (Universal)

Aus den Boxen meiner Anlage wabert eine bedrohliche Synthiefläche, wie ein Gewitter, das sich weit draußen über einem tiefschwarzen, stürmischen Meer zusammenbraut – faszinierend und unheimlich zugleich. Die Luft in meinem Zimmer ist plötzlich zum Schneiden, die Spannung fast greifbar. Ganz langsam flackert die Synthiewand durch den Raum wie ein unwirkliches Polarlicht bevor endlich der erste grelle Blitz aufzuckt – gefolgt von einem mächtigen Donnerschlag. In dieses bedrohliche Naturschauspiel mischt sich plötzlich eine gruslige Stimme.

Ein düster psychedelisches Gesamtkunstwerk

Albumcover "Silent Shout" von The Knife | Bild: V2 Records

The Knife - Silent Shout (Cover)

Diese verzerrten Gesangsfetzen sind weder Frau noch Mann zuzuordnen – hier heult eher ein Gespenst. The Knife inszenieren sich 2006 als düster-psychedelisches Gesamtkunstwerk. Im Internet finde ich lediglich ein einziges Bild der beiden Geschwister Karin und Olof Dreijer. Darauf stehen sie inmitten eines schneebedeckten Ackers. Ihre Gesichter verstecken sie hinter pechschwarzen, venezianischen Rabenmasken. Das Bild passt perfekt zur beängstigenden Musik der beiden Schweden.

"In a dream I lost my teeth again..."

Über der verschwurbelt-melancholischen Musik schweben immer wieder klaustrophobische Textzeilen, wie: "In a dream I lost my teeth again, calling me woman and half man". Halb Mann, halb Frau und keine Zähne mehr im Mund? Das Bild einer schrecklichen Märchenhexe im dunklen Wald passt perfekt zur Stimmung des kompletten Albums.

Ein traumatisches Hörerlebnis

Mit "Silent Shout" haben The Knife eigentlich wesentlich mehr geschafffen als ein Musikalbum. Es ist vielmehr ein audiovisuelles Ereignis und meine ganz persönliche Albtraumwelt voller Rabenmasken und deformierter Fratzen. Aber es sind besonders die Stimmen, die mich auch heute noch in diese einzigartige Stimmung versetzen. Der Gesang ist nie "real", nie "echt", sondern immer unwirklich und geheimnisvoll – fast traumatisch. Es ist die Lust an Grusel und Angst, die das Album zu etwas Besonderem macht. Am Ende ist man fast froh, dass es endlich vorbei ist, und will es trotzdem sofort noch einmal hören. Hier sind eben echte Geister am Werk!


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