0

Ruhmeshalle TV On The Radio - Desperate Youth, Blood Thirsty Babes

Im Jahr 2004 begann eine neue Zeitrechnung im Pop. Da schickten sich TV On The Radio aus Brooklyn an, die Hörgewohnheiten der Strokes-hypnotisierten Indiejugend auf das Hier und Jetzt vorzubereiten.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 28.11.2008 | Archiv

TV On The Radio | Bild: Neil Gavin

Als TV On The Radio im Jahr 2004 ihr Debüt veröffentlichen, ist eines sofort klar: diese New Yorker Band ist anders. Nicht die x-ten Röhrenjeans-Schlabbershirt-und-Strubbelhaar-Retro-Rocker treten hier auf den Plan, sondern ein intellektueller Kreativzirkel von trendresistenten Brillenträgern mit Afros und Allzweckklamotten. Ihr Sound ist die perfekte Blaupause ihres Äußeren: eine merkwürdige, aber durch und durch authentische Erscheinung.

Tradition mit Soul

Schon der Bandname gibt die Stilrichtung vor: TV On The Radio setzen nicht auf die hippe 2.0-Welt, sondern auf Tradition. Und davon findet sich auf ihrem Debüt unendlich viel. Alles fließt zusammen: Indierock, Minimal-Elektro, Post-Punk, Free Jazz, Ambient sowie Doo Wop-Gesang zwischen Gospel, Blues und Barbershop. Und vor allem: jede Menge Soul.

TV On The Radio - Desperate Youth, Blood Thirsty Babes (Cover)

"Desperate Youth..." ist ein langer, dunkler Fluss, der alle zwei Meter eine neue Biegung einschlägt. Das Album eignet sich nicht zum Nebenbeihören und ganz bestimmt nicht zum hektischen Herumzappeln. Vielmehr ist es dazu geschaffen, uns auf eine Expedition durch die Höhen und Tiefen menschlicher Stimm- und Stimmungslagen zu führen. Und zwar mit neugierigen Kinderaugen, die von Track zu Track immer größer werden, denn die Platte ist voll von herausragenden und unkonventionellen Momenten. Nicht umsonst zählen die Pixies, die mit ihrem Album "Surfer Rosa" ähnliches und doch wieder ganz anderes geleistet haben, zu den erklärten Helden von TV On The Radio.

Ein Gesamtkunstwerk

Die mittlerweile zum Quintett angewachsene Band ist ein Gesamtkunstwerk, das von den außergewöhnlichen Fähigkeiten seiner Macher lebt: vom mehrstimmigen Gesang, den abstrakt-ambitionierten Texten und vom anbetungswürdigen Soundreichtum von Gitarrist Dave Sitek. Alles stimmt, bis ins kleinste Detail.

Drei Alben haben TV On The Radio bislang veröffentlicht. Und mit jedem wurden sie besser - dabei waren sie doch mit dem ersten schon fast unschlagbar.


0