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Ruhmeshalle Les Rythmes Digitales - Darkdancer

Der Plural täuscht: Les Ryhtmes Digitales waren eine Person, nämlich der damals 21 Jahre alte Stuart Price. Sein Verdienst: Auf "Darkdancer" wurden die 80er zum ersten Mal wieder ernst genommen.

Stand: 07.12.2007 | Archiv

Les Rythmes Digitales | Bild: EMI

"Hey, you, what´s the sound?" - Das war damals zum Millennium auch die Frage, als man dieses ungewöhnliche Debüt-Album hörte. Zwar kannten Clubgänger den Namen Les Rythmes Digitales schon von drei Maxisingles, aber man war einfach gespannt, ob der Typ dahinter, ob Stuart Price wirklich ein ganzes Album lang mit 80er-Jahre-infiziertem Elektro-Pop funktionieren würde. Im Gegensatz zu vielen 80's-Platten kam "Darkdancer", das erste Album von Les Rythmes Digitales, ganz ohne das ewig nervige Samplen von Original-80er-Hits aus - der damals 21-jährige Produzent Stuart Price holte sich lieber bekannte Stimmen aus der Zeit ins Studio.

Vom Club zur Autowerbung

Albumcover "Darkdancer" von Les Rythmes Digitales  | Bild: WallOfSound

Les Rythmes Digitales - Darkdancer (Cover)

Sowohl der Ex-Teenie-Star Nik Kershaw, als auch die Disco-Queen Shannon arbeiteten mit Price zusammen, weil sie merkten, dass es ihm nicht um Ironie zu "ihren" 80ern ging. Umgekehrt empfand er es als Kompliment, dass sie auf eine Zusammenarbeit einwilligten. Bei Les Rythmes Digitales waren also die 80er zum ersten Mal auf Albumlänge wieder ernst gemeint. Stuart Price nannte sich damals Les Rythmes Digitales, weil ab Mitte der 90er die neuen französischen Elektronik-Projekte en vogue waren: Air, Superdiscount oder Daft Punk. Er selber wurde Anfang des Millenniums nicht nur als 80ies-Popper für den Club bekannt, sondern auch gutbezahlter Remixer für Bands, die sich - wie Coldplay - ansonsten eher ungern für den Club beaten lassen. Stuart Price gründete auch die Pop-Band Zoot Woman, verkaufte seinen Song "Jacques Your Body" an eine Autowerbung, natürlich für ein französisches Modell, kam damit sogar in die englischen Top 10 und wurde dann zum Studio-Intimus von Madonna nach ihrer "Music"-Phase.

Stuart meets Madonna

Der Thin White Duke, wie sie ihn - und er sich hin und wieder selbst als Remixer nennt - produzierte ihr 2005er Album "Confessions On A Dancefloor" mit dem ABBA-Sample-Hit "Hung Up". Als sie am 07.07.07 bei Al Gore's Live Earth Festival auftrat, stand Stuart selbstverständlich mit auf der Bühne und spielte ihren lebenden Gitarren-Verzerrer. Kein Wunder, dass in der englischen Presse immer wieder vom neuen Traumpäarchen Madonna-Stuart Price die Rede war. Eine solche Karriere war bei seinem eigenen Debütalbum beim besten Willen nicht abzusehen. Oder vielleicht doch? Wenn man seine erste CD nochmal durchhört, wird man feststellen, daß viele seiner 80er-Reminiszenzen von damals in der Popmusik von heute aufgegangen sind.


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