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Ruhmeshalle Daft Punk - Homework

Moshen im Techno-Club. Das dürfen wir seit Daft Punks Album Homework. Damit haben sie nicht Funk, Soul, Disco und bratzige Elektronik vereint. Sondern gleich ein ganzes Genre von der Stange gelassen.

Von: Markus Köbnik

Stand: 26.01.2011 | Archiv

Die French-House-Band Daft Punk | Bild: Sony Music

Ein Mann mit Hundekopf und braunen Pfoten humpelt mit einem Gipsbein durch New York. Er hat einen Kassettenrecorder dabei, die Lautstärke kann er nicht runterdrehen. Aus den Boxen wummert der Daft Punk-Song "Da Funk".

Dieses Daft Punk-Video, gedreht von Spike Jonze, läuft 1997 hoch und runter auf MTViva. "Da Funk" ist ein Hit. Wahrscheinlich, weil er so anders klingt als elektronische Musik zuvor. Hier scheint nichts penibel geplant zu sein. Alles droht irgendwann auseinanderzudriften, verschiedene Soundschnipsel werden ständig ein- und ausgeblendet. Doch kurz bevor der elektronische Funk implodiert, setzt dieser Killer-Bass ein, der alles zusammenhält.

Albumcover "Homework" von Daft Punk | Bild: Sony Music

Daft Punk - Homework (Cover)

"Da Funk" ist das Herzstück von "Homework". Die Blaupause für den Vibe der ganzen Platte. Warme Disco- und House Grooves versöhnen sich mit rauen Techno-Beats aus Chicago oder Detroit.

Keine leichte Aufgabe: Aber Thomas Bangalter und Guy-Manuel Homem-Christo haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das Innencover der Platte zeigt ein Foto von einem unaufgeräumten Schreibtisch. Er ist voll mit Bildern und Gegenständen aus der Pop-Geschichte. Ein Bandposter von Kiss hängt da und Platten von alten Soulbands liegen rum. In der Mitte liegt ein Schulheft. Und im Track "Teachers" werden alle musikalischen Ziehväter beim Namen genannt.

Homework – das lässt sich auch wortwörtlich mit Heimarbeit übersetzen. Daft Punk geben dem Hörer auf dieser Platte das Gefühl, er kann dabei sein, wenn die Tracks skizzenhaft zusammengeschraubt werden. Mal beginnen sie mit Straßenlärm, werden auf einmal mit der Stop-Taste beendet oder kurz rückwärts gespielt.

Roher Spieltrieb trifft penibel arrangierten Pop

Der rohe Spieltrieb ist auf dieser Platte genau so zu spüren, wie der penibel arrangierte Pop, den Daft Punk natürlich genau so gut beherrschen. So landen sie schließlich in den Charts. In Deutschland, England, Frankreich und den USA. Around The World eben.

"Homework" ist der Startpunkt des gefilterten French House, der noch ein paar Jahre mit Bands wie Cassius oder Étienne de Crécy cool sein sollte. Auch das französische Hipster-Label Ed Banger mit Acts wie Justice oder Feadz macht heute nichts anderes, als "Homework" mit anderen Mitteln zu imitieren. Und obwohl es Thomas Bangalter und Guy-Manuel Homem-Christo mit ihren vermummten Auftritten wahrscheinlich nicht im Sinn hatten:

Mit "Homework" wurden sie die Weltstars, die heute selbstverständlich mit Kanye West auftreten oder den Soundtrack für einen Disney–Blockbuster produzieren. Für LCD Soundsystem-Mastermind James Murphy ist eine Privatparty, bei der Daft Punk spielen, das geilste, was einem passieren kann. Eins ist klar: Nach "Homework" waren erstmal die anderen mit ihren Hausaufgaben dran.


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