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Ruhmeshalle Dizzee Rascal - Boy In Da Corner

2003 brachte ein Teenie namens Dizzee Rascal sein Debütalbum "Boy In Da Corner" raus. Obwohl es eigentlich viel zu anstrengend ist und zu viele Ecken hat, schafft das Album den Sprung vom britischen Underground in den Mainstream.

Von: Lili Ruge

Stand: 08.01.2014 | Archiv

Dizzee Rascal | Bild: Purple PR

Als das Debütalbum von Dizzee Rascal 2003 mit leichter Verspätung in den deutschen Jugendzimmern ankommt, sorgt "Boy In Da Corner" erst einmal für Verwirrung. Jeder, der englischen Grime-Sound à la The Streets gefeiert hat, wollte mehr von diesem unangestrengt coolen HipHop aus UK. Stattdessen kam dieser wildgewordene britische Rapper mit seinen brachialen, kantigen Beats.

Den 18-jährigen Rascal aus East London, der seine ersten Beats noch am Schulcomputer gemacht hat, kennen zu dieser Zeit nur Hörer von illegalen Piratenradios. Seine erste Single "I Luv U" ist ein Underground-Hit – mehr nicht. Aber durch die Mischung aus aggressiven Raps und Bassgewitter wird das Label XL Recordings auf ihn aufmerksam.

Schlechtes Wetter, miese Laune und dreckige Parties

Mit "Boy In Da Corner" wird Dizzee Rascal über Nacht zum Botschafter eines neuen Sounds: Grime. Die britische Version von HipHop, die von kleinauf mit 2Step, Garage und Dancehall gefüttert wurde - ein rougher, elektronischer Sound aus den ärmsten Gegenden Londons. Eigentlich viel zu rough, viel zu elektronisch und dann auch noch viel zu dirty für den großen Erfolg: In fiesem Cockney-Straßenslang dreht sich alles um das harte Leben in Londons Hochhaussiedlungen. Es geht um schlechtes Wetter und miese Laune, um dreckige Parties und schwangere Teenager, die Kette rauchen. Gerade das gibt den Songs eine Energie, der man sich nur schwer entziehen kann.

Seinen Erfolg verdankt "Boy in Da Corner" Dizzees Gespür für Hooks. In der rauen See der Stakkato-Beats und Reime bieten die Refrains gewissermaßen die Rettungsinsel für Leute, deren Hörgewohnheiten von zu viel Pop weichgespült sind.

Vom Straßenjungen zum Popstar

Und Dizzee erweist sich als äußerst geschickt, was das Sampling angeht - sein futuristischer Sound wird durch alte Musikschnipsel in einen bekannten Rahmen einbettet. Mit "Big Beat" von Billy Squier verwendet Dizzee eines der bekanntesten Samples der HipHop-Geschichte. Schon Run DMC oder A Tribe Called Quest haben es in ihren Tracks verbraten. Trotzdem klingt "Fix Up, Look Sharp" überfresh.

Aus dem Boy In Da Corner wird mit seinem Debütalbum Dizzee Rascal, der Popstar. Die Kritik feiert ihn als die Zukunft des Rap, er gewinnt den Mercury Prize und verdient ordentlich Kohle. Schon auf dem Nachfolgealbum merkt man allerdings, dass ihm die Ghetto-Themen ausgehen. Über Fame und Geld zu reden ist halt nicht halb so interessant, wie über Kleberschnüffeln zu rappen und die Queen zu dissen. Den Avantgarde-Status hat Dizzee Rascal längst gegen das Pop-Business getauscht. Mit "Boy In Da Corner" wurde er trotzdem zum Wegbereiter für eine ganze Szene und wenn man es heute noch einmal anhört, merkt man: das Album ist auch mehr als zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung noch aktuell.


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