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Ruhmeshalle Calexico - Feast Of Wire

Graues Herbstwetter raus, grelles Sonnenlicht rein: Die Musik von Calexico ist wie ein Kurzurlaub in der Wüste. 2003 reicht es ihnen nicht mehr, den Soundtrack für Kopfkino-Western zu liefern. Sie nehmen "Feast Of Wire" auf.

Von: Anke Behlert

Stand: 09.10.2013 | Archiv

Calexico | Bild: Calexico

An mein erstes Calexico-Konzert erinnere ich mich noch sehr genau : Es war im Jahr 2000 im Herbst, draußen nass und kalt, der Club rappelvoll und die reinste Sauna. Mit der Band auf der Bühne steht ein Mariachi-Orchester. Indie-Rock trifft auf mexikanische Bläser, das heißt: Tanzen ist Pflicht, Stillstehen sowieso unmöglich.

Country, Post-Rock und mexikanische Folklore

Der Kern von Calexico - Sänger Joey Burns und Drummer John Convertino - war ursprünglich die Rhythmussektion der Band Giant Sand. Mitte der Neunziger gründen die beiden dann ihre eigene Band. Mit einem eindrucksvollen Arsenal an Instrumenten, von Vibraphon über Akkordeon bis hin zu Mandoline und Steel-Gitarre, suchen sich Calexico ihre eigene Ecke im großen Americana-Universum: einen Sound zwischen Country, Post-Rock und mexikanischer Folklore. Klingt schwer verdaulich, zaubert mir aber selbst im nasskalten deutschen Winter die Wüstenkulisse eines Italo-Western auf die innere Leinwand. Denn genau so klingen Calexico-Songs: nach weiten, leeren Landschaften und staubigen Straßen, irgendwo zwischen den USA und Mexiko.

Eine Liebeserklärung an die Vielfältigkeit

Mit ihrem vierten Album "Feast Of Wire" reißen Calexico dann auch die Tür in Richtung Pop weit auf. Mühelos lassen sie die unterschiedlichsten Stile von Tex Mex über Jazz bis hin zu Breitwand-Rock in ihre typische Soundästhetik einfließen. Und zwar ohne dabei angestrengt oder verkopft zu klingen. Am Ende ist das Album eine Liebeserklärung an die Vielfältigkeit.

Calexico tischen völlig gegensätzliche Stimmungen auf. Düstere Hoffnunglosigkeit und völlige Einsamkeit einerseits, überschwängliche Lebenslust und bunter Trubel andererseits – jeder Song zeigt eine andere Facette. Und ganz nebenbei verbinden Calexico osteuropäische Folklore mit kolumbianischer Tanzmusik.

Größere Hallen, dieselbe Energie

Am Ende klingt das Ganze erstaunlicherweise nicht nach planlosem Durcheinander, sondern nach einem stimmigen Album. Und zwar einem großartigen, zeitlosen voller Lieblingssongs, die man auch beim 300. Mal hören nicht über hat. Ich habe Calexico seitdem immer wieder mal live gesehen. Mittlerweile sind die Hallen größer, aber der Schweiß tropft immer noch von der Decke. Und Songs von "Feast of Wire" gehören sowieso auf JEDE Setlist – für immer und ewig.


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