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Ruhmeshalle Queens of the Stone Age - Songs for the Deaf

Gitarrenrock ist von und für Proleten - und zurecht tot. So lautete das Credo vieler Indie-Kids um die Jahrtausendwende. Mit "Songs For The Deaf" beweisen Queens Of The Stone Age 2002, was für ein riesiger Irrtum das war.

Von: Mario Koppen

Stand: 16.11.2012 | Archiv

Queens Of The Stone Age | Bild: Universal

Das Popjahr 2002 erklärt die White Stripes zum neuen heißen Scheiß. Die Libertines stehen in den Startlöchern - und auch aus meinen Kopfhörern rieselt Indierock aus England und Skandinavien. Für harten Rock aus den USA interessiert sich niemand. Doch dann landet "Songs For The Deaf" in den Plattenregalen - und alles wird anders. Vor allem: lauter.

Was Queens Of The Stone Age auf ihrem dritten Album veranstalten, haut mich einfach um. Nach dem ersten Hören bin ich süchtig - und das Konzertticket ist gekauft, bevor die CD das zweite Mal durchgelaufen ist.

Kollektiver Wahnsinn

Queens Of The Stone Age waren schon immer eher Kollektiv als klassische Band. Da sind zum einen die drei Sänger: Mastermind Josh Homme mit seinem immer leicht weggetretenen Falsettgesang. Mark Lanegan, der klingt, als käme er direkt aus der Gruft der Vorväter. Und Bassist Nick Oliveri, der seinen Wahn schon im Opener rausschreit. Oliveris Temperament habe ich selbst schon hautnah erlebt. Nach einem Konzert stürmte er – nackt wie immer - aus der Backstagetür und mischte begeistert mit in einem Handgemenge zwischen Konzertbesuchern und dem Türsteher. Ein etwas eigenwilliger Einsatz für die Fans. Homme hat ihn später aus der Band geschmissen. Schade eigentlich, denn "Songs For The Deaf" lebt nicht zuletzt von Oliveris Unberechenbarkeit.

Wirklich großartig wird die Platte aber erst durch den Mann am Schlagzeug. Foo-Fighters-Kopf und Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl pflügt mit seinem Spiel durchs Album und gibt der Band ihre legendäre Zugkraft. Es ist vor allem ihre Vielfalt, die die Platte zum Meisterwerk macht. Treibende Songs wechseln sich ab mit drogendurchtränkten Meditationen.

Nur, um vom nächsten Ohrwurm weggefegt zu werden. Blues trifft auf 70er-Jahre-Hardrock, Punkrock auf Flamenco, Beatles-Melodien wabern über Stoner-Gitarren.

Queens of the Stone Age - Songs for the Deaf (Cover)

"Songs for the Deaf" ist ein Konzeptalbum, das uns mitnimmt auf eine Reise in die Wüste. Aus dem Autoradio plappern DJs, deren Ansagen umso abgedrehter werden, je tiefer wir ins Hillbilly-Country eindringen. Die Reise beginnt in L.A. und endet in Joshua Tree, mitten in der Mojave-Wüste. Hier hatte Josh Homme in den 90ern mit der Stoner-Band Kyuss den Grundstein für den Sound von QOTSA gelegt. Schon die ersten beiden Queens-Alben hatten mit Stoner-Rock allerdings wenig gemein. Auf dem Debüt herrschte totale Reduktion: minimalistische Rhythmen und stoisch wiederholte Riffs. Das zweite Album "Rated R" ließ bereits ahnen, welches Potential in der Band steckt: Hier standen Radiohits neben Schrei-Orgien und psychedelischen Sechsminütern. Doch vollends aufblühen konnten die Queens erst auf "Songs For The Deaf".

Ehrfurcht und Anbetung

Für mich ist das Album nicht nur eine der geilsten Platten des ganzen Jahrzehnts - es ist der Prototyp für modernen Rock. An "Songs For The Deaf" muss sich jeder messen, der heute die Gitarre tiefer stimmt und den Verzerrer aufdreht. Bis heute überkommt mich beim Anhören ein Gefühl von Ehrfurcht: Ich möchte auf die Knie fallen und die Band anbeten. Und einer der Radio-DJs auf der Platte gibt mir Recht: "Here is something you should drop to your knees for and worship. But you are too stupid to realize yourselves. A song for the deaf. That is for you."


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