Jetzt mit Stephan Rehm und Simon Frontzek In die Nacht

Info Aus Liebe zu den Tönen starten wir Sonntag in die Nacht mit alternativen Klängen: Tomte-Keyboarder Simon Frontzek und Musikexpress-Redakteur Stephan Rehm legen jeden zweiten Sonntag aktuelle Hits und vergessene Geheimtipps auf.


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Karriereende von Yasiin Bey Mit der Glitzerwelt gebrochen

Anfang des Jahres kündigt Yasiin Bey aka Mos Def seinen Rückzug aus dem Showbusiness an. Mit einem letzten Album will er sich jetzt von seinen Fans verabschieden. Als politischer Aktivist wird er uns aber wohl erhalten bleiben.

Von: Benjamin Kanthak

Stand: 29.11.2016 14:01 Uhr | Archiv

Yasiin Bey  | Bild: picture-alliance/dpa

Am 20. Januar veröffentlichte Kanye West auf seiner Website eine Audionachricht von Yasiin Bey, in der der Rapper und Schauspieler sein Karriereende bekannt gab. Jetzt hat der Musiker sein finales Album "December 99th" angekündigt, das er zusammen mit dem Produzenten Ferrari Shepard komplett in Südafrika produziert hat. Die Platte erscheint am 9. Dezember und zusätzlich wird es vier finale Shows in Washington und New York Ende des Jahres geben, bei denen sich Yasiin Bey zusammen mit vielen Gästen von seinen Fans verabschieden will.

Schließlich ist Mos Def Ende der 1990er und Anfang der Nuller-Jahre eines der wichtigsten Gesichter des HipHop. Zusammen mit seinem Freund Talib Kweli bringt er 1998 unter dem Namen "Black Star" eines der besten Rapalben aller Zeiten raus und auch seine erste Soloplatte "Black on Both Sides" darf in keiner guten Plattensammlung fehlen. Und auch als Schauspieler macht er sich in Blockbustern wie "The Italian Job", "Per Anhalter durch die Galaxis" oder "16 Blocks" einen Namen in Hollywood.

Dabei ist Bey auch schon immer ein politischer Künstler, bei dem Bildung, ein aufgeklärtes Weltbild und Erziehung zur Mündigkeit häufig zentrale Themen bilden. Sein einzigartiger Flow und die deepen Texte geben dem Musiker aus Brooklyn dabei auch immer die Aura eines kreativen Intellektuellen, der sich mit den Problemen seiner Umgebung auseinandersetzt. Mit den Jahren wird es aber stetig ruhiger um den Rapper Mos Def und dafür umso lauter um den politischen Aktivisten Yasiin Bey.

Als er Anfang des Jahres sein Karriereende ankündigt, wird viel in der Presse über Bey geschrieben. Allerdings nicht wegen eines neuen Albums oder einer angekündigten Tour, sondern wegen seiner Festnahme am Flughafen in seiner Wahlheimat Kapstadt. Der Rapper wollte mit einem "Weltpass" aus Südafrika ausreisen, woraufhin er sich vor Gericht verantworten musste.

Der "Weltpass" wird durch die Non Profit Organisation "World Service Authority" ausgestellt, einem Teil der "Weltbürgerbewegung", die schon von Einstein unterstützt wurde. Die Bewegung folgt der Idee einer Weltverfassung und Weltregierung, um den weltweiten Frieden zu sichern. Die Pässe werden mit Ausnahme weniger Länder wie Ecuador nicht als rechtsgültiger Nachweis der Identität akzeptiert - aber von vielen Menschenrechtsaktivisten auf Grund der symbolischen Bedeutung genutzt.

Nach einer Geldstrafe und offiziellen Entschuldigung bei der südafrikanischen Regierung wurde der Streit beigelegt. Die Festnahme sorgt aber zwangsläufig dafür, dass die fast schon in Vergessenheit geratene Idee eines "Weltpasses" wieder mediale Aufmerksamkeit erhält. Und das passt wiederum wunderbar zum Bild des politischen Aktivisten Yasiin Bey. Bereits 2006 prangerte er mit seinem Song "Katrina Klap" die mangelnde Unterstützung der Regierung für die Opfer des Hurricane Katrina an - inklusive medial wirksamer Verhaftung in New York, bei einer unerlaubten Straßenperformance des Songs.

Am bekanntesten ist aber wohl seine Protestaktion gegen die Zwangsernährung von Häftlingen in Guantanamo Bay. Dabei unterzog er sich freiwillig der Prozedur und ließ sich dabei filmen - die verstörenden Bilder gingen um die Welt und stärkten sein Ansehen als Aktivist.

Das Talent des Rappers gerät bei all den Aktionen fast in Vergessenheit. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass er sich jetzt nochmal ordentlich von seiner Fangemeinde verabschieden wird. Denn eines darf man nie vergessen: Yasiin Bey aka Mos Def war einmal das, was Kendrick Lamar heute ist. Ein Rapper der "conscious" rappt, "conscious" lebt, aber keinen "Conscious Rap" macht.


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