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Ruhmeshalle Kanye West - The College Dropout

Kanye West. Überproduzent. Legte Jay-Zs Rap-Kunst auf ein perfektes Soundbett. Rapper? Bis 2004 nicht. Bis "The College Dropout" den Grundstein für eine der größten Rapkarrieren aller Zeiten legte.

Von: Franziska Niesar

Stand: 12.02.2014 | Archiv

Pressebild von Kanye West | Bild: picture-alliance/dpa

Kanye Wests Rap-Debüt "The College Dropout" begleitet mich 2004 jeden Morgen auf dem Weg zur Schule. Der Sound schießt durch die alten, schlechten Lautsprecher und im ganzen Auto scheppert es. Vom Handschuhfach, über die Türen, bis in den mit Blech besetzten Kofferraum. Diese Mischung aus Soulsamples und leicht ungelenkem Rap mit etwas Popappeal ist einfach absolut geil.

Es kann jeden Moment vorbei sein

Aber woher kommt die Magie? Kanye rappt, manchmal singt er fast. Und: Beides geht ihm so smooth von den Lippen, als hätte es den schrecklichen Autounfall und die dreifache Fraktur im Gesicht während der Aufnahmen zu "The College Dropout" nie gegeben. Mit Draht im Kiefer nimmt er die Leadsingle "Through The Wire" auf und lässt alle Zweifel an seiner Rap-Kunst schlagartig verblassen. Man merkt, ihm ist durch den Unfall klar geworden: Es kann jeden Moment vorbei sein, und jetzt lässt er sich von nichts und niemandem mehr aufhalten, um zu erreichen, wovon er träumt. Nämlich der größte Rapstar aller Zeiten zu werden.

Auf "The College Dropout" stimmt einfach alles. Das Sounddesign ist genau, wie man es von einem Überproduzenten erwartet: dick, beladen, aber nicht überladen. Kanye West gräbt sich durch alte Soulplatten und macht aus Klassikern seine höchsteigenen Kanye-West-Klassiker. Hochgepitchte Stimmen, Gospelchöre und Beats, die über mich drüber rollen und mich keinen einzigen Track skippen lassen.

Für Zündstoff sorgt der Song "Jesus Walks". Darauf rappt Kanye West über Gott. Und das zu einer Zeit, als seine Kollegen hauptsächlich von Drogen, Bitches und Geld erzählen. Eine kleine Revolution. Gleich auf seinem Debüt schafft er damit einen der wichtigsten Tracks seiner Karriere.

Widersprüche, Jesus, Draht im Kiefer

"The College Dropout" ist ein clever durchgestyltes Konzeptalbum. Jeder Song spricht aus einer anderen Perspektive seiner Persönlichkeit. Und genau das ist es, was fesselt. Die Ehrlichkeit über die Widersprüche innerhalb der afroamerikanischen Mittelschicht. Die Ehrlichkeit darüber, dass jeder einfach mitspielen will, im Club der Air-Max und Designerklamotten. Als Sohn eines ehemaligen Black-Panther-Aktivisten, der heute als christlicher Eheberater arbeitet, kennt er die Widersprüche aus dem eigenen Elternhaus.

Für mich funktioniert "The College Dropout" damals auch ohne Widersprüche, Jesus oder Draht im Kiefer. Einfach als Sound in meiner Karre auf dem Weg zur Schule.


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