Jetzt Die Roger Rekless Show Ein bisschen mehr als Rap

Info Autor, Rapper, Freestyle-Gott und bester Typ Roger Rekless stellt seine Sendung unter die Überschrift: Einfach gute Musik aus der eigenen Sammlung spielen. "You're in for a treat", wie die Brexit-gebeutelten Nachbarn sagen würden.

“It Takes A Nation..." wird 30 Warum Public Enemy das schwarze CNN waren

Vor 30 Jahren erschien “It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“ der Rap-Gruppe Public Enemy. Heute gilt es als Meisterwerk und Inspiration für Run the Jewels, Beyoncé und Kendrick Lamar – und zwar aus drei Gründen.

Von: Matthias Scherer

Stand: 20.04.2018 | Archiv

Cover des Albums "It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back" von Public Enemy | Bild: Universal

1. Public Enemy rappten über das, was andere ignorierten

1988 waren Public Enemy richtig angepisst. Radiosender wollten ihre Musik nicht spielen und in ihrem Heimatstaat New York kamen regelmäßig afroamerikanische Bürgerinnen und Bürger ums Leben – oft durch die Aktionen von weißen Polizisten. Rapper Chuck D kanalisierte diese Wut in Texte, die Millionen von Afroamerikanern aus der Seele sprachen. Dazu bastelte das Produktionsteam Bomb Squad einen Sound, der dem Golden-Era-Boom-Bap der späten 80er einen Drehschlag verpasste.

Public Enemy besangen das, was in den Familien und Straßen Amerikas passierte, die vom Mittelstand und der Politik ignoriert wurden: Crack-Sucht, trashige Soap Operas und Rassismus. Und mit “Don’t Believe The Hype“ lieferten sie einen Song, der die Medien kritisierte – Jahrzehnte bevor Leute anfingen, über “Fake News“ zu reden.

2. Public Enemy setzten nicht nur Themen, sondern auch Trends

Der Look, den Chuck D auf dem Albumcover trägt, ist mittlerweile der Hipster-Standard: Bomberjacke, Hoodie, Baseballkappe. Außerdem kommt Public Enemy die fragwürdige Ehre zuteil, zu den ersten Rappern zu gehören, die Rock-Elemente in ihrer Musik benutzten – und damit den Grundstein für Nu Metal lieferten. Aber sorry: wenn Chuck D über ein Slayer-Riff rappt, hat das nichts mit Limp Bizkit zu tun, sondern knallt auch 30 Jahre später noch.

3. Public Enemy gaben ganz nebenbei Geschichtsunterricht

Jahrzehnte bevor Beyoncé bei ihrem jetzt schon legendären Coachella-Auftritt den Bürgerrechts-Aktivisten Malcolm X zitierte, bauten Public Enemy seine Reden in ihre Songs ein.

Rap-Fans werden auch heute noch durch das Sample-Feuerwerk auf “It Takes A Nation“ dazu angefixt, herauszufinden, wo die Ursprünge des Public Enemy-Sounds liegen. Fündig wird man bei den ganz Großen: den Funk-Tracks von James Brown und seiner Band und dem legendären Wattstax-Festival von 1972, wo R&B- und Soul-Bands vor mehreren Zehntausend im Los Angeles Memorial Coliseum auftraten.

Aus diesen Meilensteinen der afroamerikanischen Kultur bauten sich Public Enemy ihren eigenen Meilenstein – und beeinflussten damit Leute wie den Wu-Tang Clan, Run the Jewels und Kendrick Lamar. Die Welt hat sich seitdem weitergedreht – aber “It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“ war seiner Zeit so weit voraus, das wir jetzt erst auf seinem Level sind.  

Sendung: Plattenbau, 19.04.2018 - ab 19.00 Uhr