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Ruhmeshalle Wu-Tang Clan - Enter The 36 Chambers

Das Prinzip des Wu-Tang Clan wird sofort mit der allerersten Single "Protect Your Neck" klar gemacht: Ein Beat. Acht MCs, no Hooks, vier Minuten Raps vom Feinsten.

Stand: 05.11.2007 | Archiv

Eine neue Organisationsform im HipHop: Der Wu-Tang Clan | Bild: Michael Lavine

Das Jahr 1997: W ist überall - Hauswände, Unterführungen, Autoscheiben und Schulbänke werden mit einem seltsamen W in Fledermausform gebombt. Das W steht für Wu-Tang Clan. Mit ihrem zweiten Album "Forever" tritt der Wu-Tang Clan 1997 endgültig seinen weltweiten Triumphzug an. Selbst der letzte tiefer gelegte Corsa mit 1.000-Watt-Anlage pumpt den Clan. Dabei hätte alles schon vier Jahre früher passieren können. Denn das bessere, das alles verändernde Album ist ihr mittlerweile legendäres Debüt: "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)". Neun individuelle Solo MC's in einer Crew vereint – das gab es vorher noch nicht. Das Prinzip wird vom Clan sofort mit der allerersten Single "Protect your Neck" klar gemacht. Ein Beat. acht MCs, no Hooks, vier Minuten Raps vom Feinsten.

Eine Platte ohne Ausrutscher

Wu-Tang Clan - Enter The 36 Chambers (Cover)

All Killer, no Filler - keinen einzigen Ausrutscher werdet ihr auf der Scheibe finden. Neun hochtalentierte, individuelle Charaktere zeigen die Quintessenz ihres einzigartigen Flows. Neben dem Geschichtenerzähler Raekwon, dem Philosophen GZA und dem Irren Ol' Dirty Bastard sticht einer ganz besonders hervor: Der extrovertierte Method Man ist das Aushängeschild der Rap-Supergroup. Zusammengehalten werden die neun Individualisten durch die rauen Lo-Fi-Beats von Mastermind RZA. "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" ist keine teure Produktion. Aber genau das macht den Reiz der Scheibe aus. Manchmal stolpern und tänzeln die Beats kopfüber nach vorne, dann hängen sie einen entscheidenden Moment wieder hinterher. Sehr spontan und damit wunderschön unmittelbar klingt das alles.

Kampfkunst als Klang-Kulisse

Als Kulisse: Martial Arts-Filmsamples, vor der abgedrehte Klavierversatzstücke und Soundfetzen ihren Tanz aufführen. Eine fast surreale Atmosphäre entsteht, wie sie auf keiner Rap-Platte vorher zu hören war. "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)" klingt auch heute noch so unverbraucht und überraschend wie beim ersten Hören. Ein zeitloses Rap-Album. Der Clan schafft es in der Folge auch nicht mehr, ganz an sein Meisterwerk anzuknüpfen.

Der Wu-Tang Clan hat mit "Enter the Wu-Tang (36 Chambers)" eine Säule der Rapkultur gemeißelt, eine verwirrende Unruhe in den Rap-Zirkus gebracht, einen Tritt in den Hintern, der einer ganzen Legion an Rappern klar gemacht hat: Wenn ihr das nächste Level erreichen wollt, dann müsst ihr erst mal an uns vorbei.


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