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Run-The-Jewels-Rapper Killer Mike Ein neuer Malcolm X

#blacklivesmatter: Sieben Schüsse töten, einer stirbt und keiner sitzt im Knast. Für gewalttätige Rap-Lyrics dagegen kommt man 44 Monate ins Gefängnis. Gerechtigkeit sieht anders aus. Gut, dass es Killer Mike gibt.

Stand: 03.12.2014 | Archiv

Killer Mike mit Run The Jewels | Bild: Ninja Tunes

Im August dieses Jahres erschießt der amerikanische Polizist Darren Wilson den 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri. Der junge Afroamerikaner ist unbewaffnet und wird mit sieben Schüssen getötet. Seit kurzem ist klar: Darren Wilson wird nicht vor Gericht gestellt. Und wieder sind hunderte von Menschen in den USA auf der Straße und protestieren. Ihr größter Unterstützer: Killer Mike. Hier sind drei Gründe, warum der Rapper aus Atlanta möglicherweise gerade zum wichtigsten Mann der Bewegung wird.

Er bricht Kategorien und Vorurteile auf.

Fast schon paradox, dass ein Rapper, der sich selbst Killer Mike nennt, es schafft, tiefsitzende Vorurteile in amerikanischen Köpfen zu lockern und den HipHop aus der mit Gewalt assoziierten Schublade herauszuholen. Und das, obwohl gerade der Supreme Court den 27-jährigen Anthony Elonis für 44 Monate hinter Gitter gebracht hat, da er gewalttätige Rap-Lyrics gegenüber seiner Exfrau in sozialen Netzwerken postete. Begründung: eine Vorsichtsmaßnahme.

Genau da setzt Killer Mike an. Zusammen mit Erik Nielson, Professor an der Richmond University, hat er einen Artikel für USA Today geschrieben, der aufklärt. HipHop ist keine Gefahr, sondern vielmehr ein Zufluchtsort für Kids auf Abwegen. Eine Art Rettungsanker, der auch ihn selbst schon eher vor dem Gefängnis bewahrt hat, als umgekehrt: "The kids spending hours per day writing rap songs aren't a threat to society; they are often trying to escape the threats from society."

In seinen Essays appelliert Killer Mike an die Menschlichkeit in der Gesellschaft. Er schreibt über "people", nicht über "white and black". Er spricht von "humans" und nicht von "us and them". Im Interview mit CNN geht er sogar einen Schritt weiter und sieht in der aktuellen US-amerikanischen Staatsgewalt nicht mehr nur noch eine Bedrohung für afroamerikanische Communities, sondern für den US-Bürger generell. "What they are doing to the black community is eventually happening to all Americans. If they will violate the rights of an 18 year old african-american-child, this is going to happen to everyone."

Er ist glaubwürdig und eloquent.

Michael Render a.k.a. Killer Mike beschäftigt sich nicht erst seit dem Tod von Michael Brown im August dieses Jahres mit der politischen und gesellschaftlichen Situation in den USA. HipHop bzw. Rap öffnete ihm die Tür zur Kritik. Schon im Alter von neun Jahren nickte er zu den Singles der Sugarhill Gang. "King Of Rock" von Run DMC war sein Schlüsseltrack. Ab dem Zeitpunkt war für ihn klar: Er will selbst Rapper werden.

Run The Jewels 2

Killer Mikes Alben sind politische Manifeste: mehr Reagan und Bush-Kritik als platte Gangsta-Rap-Reime. Und obwohl er die weiße Vorherrschaft in Labels und am Mic ablehnt, steht er seit fast zwei Jahren mit Produzent El-P auf US-amerikanischen Bühnen. Zusammen sind sie Run The Jewels. In Interviews wirkt er ruhig und sachlich. Wie ein Experte. Fast schon eine moralische Instanz. Sein Vater war Polizist. Deshalb weiß er, wie der Alltag in dem Job aussieht und dass es schwierig ist, stets das Richtige zu tun. "Police see the least of human behaviour a lot more than they see the best".

Er bringt die Ferguson-Debatte auf eine emotionale Ebene.

Das Urteil im Fall Michael Brown schockiert Killer Mike so sehr, dass er vor seinem Konzert in St. Louis eine emotionale Ansprache hält. Er spricht von sich und seiner Familie. Er greift niemanden an, sondern macht schlicht und einfach auf die Ohnmacht aufmerksam, die jetzt viele US-Bürger empfinden. Er hat selbst zwei Kinder. Zwei Jungs, die er nicht mehr auf die Straße schicken möchte aus Angst, dass auch sie der Willkür der amerikanischen Polizei zum Opfer fallen. Er weint. Er ist plötzlich nicht mehr Rapper oder Experte, sondern vor allem ein Vater, der seine Kinder schützen will. Und wer würde da nicht zustimmend nicken?


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