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PULS Lesereihe 2015 Regensburg, das Finale war fett!

Die Alte Mälzerei lacht und staunt, Mine liest ein letztes Mal "Abgeschwiffen" und mit seinem Text "#Bachelor of Hearts" hat Fabian Bader die Herzen des Publikums und damit die PULS Lesereihe 2015 gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Von: Dominic Holzer

Stand: 05.11.2015 | Archiv

Wie jetzt, wirklich schon da? Die letzte Station der PULS Lesereihe 2015, das große Finale mit allen Tagessiegern und einem Wildcard-Teilnehmer in der Regensburger Alten Mälzerei – und die war proppenvoll: Über 200 Besucher wollten mitentscheiden, wer dieses Jahr den Sieg davonträgt. Alle fünf Autorinnen und Autoren haben ganz groß abgeliefert! Die meisten Stimmen aus dem Publikum sammelte unser "#Bachelor of Hearts", Fabian Bader. Glückwunsch zum Gewinn der PULS Lesereihe!

Ein Drink, ein Text, ein Tagessieg

Und schon wieder ein Heimspiel für Fabian Bader: Den Tagessieg im Vorfinale hat er in seiner alten Heimat Würzburg davongetragen, diesmal brachte er zwei, drei oder mehr Kommilitonen von der Regensburger Uni mit. Einmal mehr eröffnete er den Abend mit seiner Geschichte "#Bachelor of Hearts", in der er das Lesereihe-Motto "Sind wir bald da?" auf sehr amüsante Weise zum "Studier‘ ich bald zu Ende?" uminterpretiert. Mit dem Schwung aus Würzburg überzeugte er auch das Publikum in der Alten Mälzerei und räumt den Hauptgewinn ab: Ein Wochenende auf der Leipziger Buchmesse 2016, ein exklusiver Schreibworkshop am Deutschen Literaturinstitut – und eine Wildcard fürs Finale der deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaft 2015 in Augsburg: Dort eröffnet Fabian am Samstag das Einzelfinale mit seinem Gewinnertext. Chapeau!

Im Taxi erst Faxen, dann Schwermut

Die zweite Autorin des Abends: Laura Goudkamp, Tagessiegerin in Passau. Die angehende Journalistin gab vor ihrer Lesung entwaffnend offen zu, dass ihr das kreative Schreiben momentan doch noch etwas mehr liegt, als spröde Nachrichtentexte zu verfassen. Ein kleines  Nachrichten gibt‘s aber ja doch in ihrem Lesereihe-Text. Einmal mehr fesselte ihre Taxifahrt vom Münchner Odeonsplatz zum Flughafen das Publikum. Die Bombe platzt, auf zugegeben sehr unschöne Weise, erst ganz am Ende ihrer Geschichte. Und einmal mehr: Ein kurzer, betretener Moment, dann großer Applaus für ihre großartige Version des Mottos "Sind wir bald da?"

"Alter Hase" im Finale

Doch, doch, ein bisserl aufgeregt war Stephan Brandl auch diesmal: Bei seinem Tagessieg in München hat’s sogar noch mehr gekribbelt bei ihm, aber jetzt ist er ja schon ein "alter Hase im Showbusiness", grinste er PULS-Moderator Laury ins Gesicht. Nicht ganz so heiter ging’s zu in seiner Geschichte "Sind wir bald da?", die sich vor allem die Sehnsucht nach dem Ankommen thematisiert. Und ganz konsequent nachbohrt, was dann eigentlich werden soll, wenn wir denn mal da sind. Das alles aus den Perspektiven einer Familie mit quengelnden Kindern auf dem Rücksitz –dazu im krassen Kontrast einem Flüchtlingskutter auf dem ungewissen Weg nach Europa. Bravo!

Hochdruckreiniger, eine Sucht

Schirin Regner mag Baby-T-Rexe. Wie gerne wäre sie Paläontologin geworden oder, zweite Wahl, zumindest eine Katze – glaubt man ihrem Text. "Nein, es dauert noch ganz lang" hieß der stimmungsvolle vierte Text des Abends, der für mehr als nur einen herzlichen Kichermoment im Publikum sorgte. Wie schon zum Lesereihe-Auftakt in Nürnberg amüsierte sie auch in der Alten Mälzerei mit ihrem fiktiven Dialog zwischen Mutter und Tochter, der so gar nicht zielführend zu sein scheint. Wer steht schon auf Hochdruckreiniger und Entlaubungsmaschinen, wenn es um wichtige Themen im Leben geht? Zum Beispiel, was mal aus Töchterchen werden soll. Dass es aber genau nicht immer nur ums militärisch geplante Voranschreiten geht, dem stimmten auch einmal mehr Schirins Zuhörer in Regensburg zu.

Wie einst Roger Willemsen

Wildcard-Gewinner Alexander Voit komplettierte das Finale mit seinem titellosen Text: Die Inspiration für seine Story im Stil eines Reisetagebuchs holte er sich eher von Roger Willemsen, als von David Lynch, wie er uns verriet. Dass er im Online-Voting die meisten Stimmen sammelte und sich über diesen kleinen Umweg qualifizierte fürs PULS Lesereihe Finale, das bestätigte er mit einer eindrucksvollen, entnervten Schilderung unliebsamer Mitpassagiere in einem überfüllten Zug. Dabei lässt der Regensburger keinen Typus ungeschildert: Vom Dummschwätzer über pubertierende Lärmhörer bis hin zum blassgesichtigen lyrischen Ich, das auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat.

Mehr Mine als je zuvor


Fünf Autoren im Finale statt jeweils drei in den Vorfinals, das hieß auch für Mine: Öfter auf die Bühne, mehr Songs spielen. Die Zuschauer in der Alten Mälzerei freute es! Zusammen mit Bassistin Vroni Frisch lieferte die Mainzer Singer/Songwriterin ein Live-Set, das – Achtung Floskel – eines Finales würdig war. Nochmal ihr Cover von "B-Seite" hören, "Kann Sie Es Tragen", "Raus Raus Raus" und fast schon traditionell zum Abschluss "Der Mond Lacht"… kann das jetzt wirklich schon vorbei sein? Wir verdrücken ein Tränchen und verneigen uns!

Und weil Mine auch ein letztes Mal ihren eigenen Prosa-Text zum Motto "Sind wir bald da?" vortrug, verabschieden wir uns von der PULS Lesereihe 2015 mit ihren Worten: Der letzte Satz, ein Zitat aus ihrer Geschichte "Abgeschwiffen". Könnte schöner nicht sein: "Ankommen ist manchmal gar nicht so köstlich amüsant wie herumirren." Kusshand!


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