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PULS Lesereihe 2015 München, ihr wart wunderbar!

"Sind wir bald da?" Na, lieber spät als nie - zumindest war das das Motto unserer drei Autorinnen und Autoren im Marstall Café in München. Alle drei hatten ihre Texte kurz vor Einsendeschluss geschickt. Zum Glück!

Von: Dominic Holzer

Stand: 29.10.2015 | Archiv

Katharina Lang, Kristin Ofer und Stephan Brandl haben sich Zeit gelassen mit ihren Geschichten zum Motto "Sind wir bald da?" - alle drei schickten sie erst am Abend des Einsendeschlusses ab. Der Andrang im Münchner Marstall Café war so groß, wir durften den ein oder anderen späten Gast gar nicht mehr reinlassen… darüber sind auch wir ein bisschen traurig und versprechen euch: Wir kommen wieder, mit der PULS Lesereihe 2016! 

Victoria, der Zug ist da!

Die Neufahrnerin Katharina Lang eröffnete den Abend mit "Zweisam", einer vielschichtigen Zugfahrt aus verschiedenen Perspektiven. Auch die einer gewissen Victoria. Mal wieder eine Kurzgeschichte zu schreiben war für Katharina befreiend, geradezu: Ihre Semmeln & Brezen verdient sie nämlich als Storyline-Editorin für die bayerische Serie "Dahoam is Dahoam". Eher so Fließbandarbeit und vor allem im Team. Ihren Text zum Motto "Sind wir bald da?" hat sie aber ganz alleine verfasst: "Im Zug findet man immer die besten Geschichten", sagt sie. Ihre Geschichte fand auch das Publikum gut, der Applaus sprach für sich.

Ein Dürüm auf zwei Beinen

Drei Stunden vor Mitternacht hat Kristin Ofer ihren Teilnehmertext bei uns eingereicht - und hat dafür auch ne gute Ausrede: Am Tag der Deadline hatte sich schließlich Geburtstag und ihre Magisterarbeit musste sie ja auch noch fertig schreiben. Für ihre Geschichte "Stellvertreterreise" hat sie ihre beiden Großväter "geremixed", sagt sie, um darin die Figur eines 86-jährigen Rentners glaubwürdig zu erzählen, dem das Internet und seine Enkelin noch mal eine richtig große Freude bereiten. Wie die in der Geschichte so durchs winterliche Istanbul wandert, das hat das Publikum im Marstall Café schön um den Finger gewickelt.

Zum Schluss ein Feuerwerk

Stephan Brandl war dann der Mann des Abends - seine Oma hat mal gesagt: "Bub, mach was Gescheites, schreib was." Hat er auch. Seine Interpretation des Mottos "Sind wir bald da?" hat er, wie alle Autoren des Abends, kurz vor knapp eingereicht am 1. August - und Stephan war dann überrascht davon, wie sehr die Weltlage inzwischen den Text eingeholt und fast überholt hat. In seiner Geschichte stellt er gegenüber, wie eine Familie sich über den Brenner nach Italien staut und voranschiebt, während in entgegengesetzter Richtung ein Seelenverkäufer von einem Fischkutter die gefährliche Reise übers Mittelmeer antritt. Gleiches Ziel, anderer Ausgang, so viel sei verraten. Das Publikum gab Stephan und seinem Text die meisten Stimmen des Abends und wählte ihn so ins Finale der diesjährigen PULS Lesereihe. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Regensburg.

Ein Überraschungsgast für Mine

Es sind mit Sicherheit gestern keine Stecknadeln zu Schaden gekommen, die hätte man lautstark fallen hören. Richtig seriös ging’s zu im Publikum während der Lesungen unserer drei Lesereihe-Autoren! Danach übernahm Mine das Lesepult mit ihrem Text "Abgeschwiffen" und plötzlich: Albernes Kichern, breites Grinsen, viel Applaus für die Mainzer Singer/Songwriterin.

Musik von Mine gab’s natürlich auch: Gemeinsam mit Bassistin Vroni Frisch entlockte sie mal wieder den skurrilsten Instrumenten die erstaunlichsten Harmonien. Können wir uns nicht satthören dran, am Omnichord-Solo im Song "Kann sie es tragen". Aufregend für die Gute Mine war dazu noch ein Überraschungsgast im Publikum: Edgar Wasser kam extra vorbei, um sie lesen und spielen zu hören - die beiden haben ja erst vor kurzem eine Kollabo gestartet. Freude groß, auch bei uns - danke, München! Und direkt weiter geht's nach Würzburg.


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