Umweltschutz Warum wir unsere alten Handys recyceln lassen sollten

Die gute Nachricht: Wir benutzen unsere Smartphones immer länger, statt neue zu kaufen. Die schlechte Nachricht: Unsere alten Handys versauern in Schreibtischschubladen, statt recycelt zu werden.

Author: Conny Neumeyer

Published at: 13-11-2019 | Archiv

Altes Handy | Bild: BR

Es ist gar nicht so lange her, da war das iPhone noch Apples Cash Cow. Also das Produkt, das jahrelang bis zu 70 Prozent der Einnahmen des US-Unternehmens eingefahren hat. Im Herbst 2019 sank diese Zahl auf 48 Prozent – den schlechtesten Wert seit sieben Jahren. Scheinbar sinken die Zahlen sogar so weit, dass Apple ab sofort die Summe der verkauften iPhones nicht mehr veröffentlicht. Das Unternehmen ist nicht alleine: Auch Samsung und Sony haben in den letzten Jahren weniger Smartphones verkauft als in den Vorjahren.

Laut dem Marktforschungsunternehmen Kantar Worldpanel hat sich das Kaufverhalten der Kunden verändert. Das Ergebnis: Der Lebenszyklus der Geräte ist gestiegen. Von 2016 bis 2018 in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien von 23,4 auf 26,2 Monate. Wir benutzen die Geräte also länger, statt uns nach jedem Release ein Neues zu holen. Potentiell schlecht für die Unternehmen, gut für die Umwelt. Trotzdem versauern in Deutschland laut der Deutschen Umwelthilfe um die 124 Millionen Handys zuhause in unseren Schubladen. Das ist weniger gut für die Umwelt.

Korrektes recyclen - wie geht das?

Warum erklärt Thomas Fischer, er ist Leiter der Abfallwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe: "Smartphones enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer. Dafür werden ganze Landschaften umgegraben und zerstört und giftige Chemikalien eingesetzt." Dass es besser ist, bereits geschürfte Metalle weiter zu verwenden, anstatt die Erde zu durchwühlen, scheint logisch. Und auch Lithium aus den Akkus oder Kunststoffe der Gehäuse können aus den Altgeräten gewonnen werden. Handys enthalten aber nicht nur Wert- sondern auch Schadstoffe. "Zum Beispiel Schwermetalle wie Blei und Flammschutzmittel", sagt Dr. Andrea Menz, sie ist stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Elektro-Altgeräte Register.

Wie entsorge und recycle ich ein Smartphone also richtig? "Generell gibt es zwei Wege, Elektrogeräte abzugeben: Zum einen bei den Kommunen, also auf Wertstoffhöfen und zum anderen im Handel", sagt Menz. Läden, die mehr als 400 Quadratmeter für den Verkauf von Elektrogeräten vorgesehen haben, seien nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, Kleingeräte wie Handys zurückzunehmen. Auch wenn man im Laden nichts kauft.

Allerdings würden die Sammelstellen und Händler nur recyceln und nicht prüfen, ob ein Gerät vielleicht sogar wiederverwendet, also repariert werden könnte, so Thomas Fischer. Es sei daher noch besser, das Handy an zertifizierte Sammelstellen zu geben, wie "Handys für die Umwelt". Die Erlöse aus dem Weiterverkauf der reparierten Geräte spendet die Umwelthilfe an Umwelt- und Naturschutzprojekte.

Tonnenweise Gold, Silber und Kupfer in der Schublade

Fischer schätzt, dass die Millionen Smartphones in deutschen Schubladen circa 3,7 Tonnen Gold, über 37 Tonnen Silber und mehr als 2.000 Tonnen Kupfer enthalten. "Das sind unglaubliche Mengen an Edelmetallen, die da schlummern", so Fischer. Ungefähr 20 Prozent dieser Geräte seien für eine Wiederverwendung geeignet, den Rest könne man recyceln.

Das macht aber kaum jemand. "Wir haben in den letzten zehn Jahren insgesamt drei Millionen Handys wiederverwertet und recycelt", sagt Thomas Fischer. "Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Insgesamt werden in Deutschland jedes Jahr etwa 23 Millionen Smartphones verkauft. Andrea Menz sagt, dass es bisher kaum Wissen darüber gäbe, wie man Altgeräte richtig entsorgt. Daher tue das auch kaum jemand.

Die Stiftung Elektro-Altgeräte Register führt gerade ein Marktforschungsprojekt durch, für das sie die Verbraucher gefragt hat: Wisst ihr, was ihr mit alten Elektrogeräten machen sollt? Wisst ihr, was unter die Kategorie Elektrogerät fällt? Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten wusste nicht, was sie mit ihren alten Geräten tun sollte, noch wohin sie sie geben kann. Viele wussten außerdem nicht, dass die durchgestrichene Mülltonne auf der Rückseite von Smartphones bedeutet, dass das Gerät nicht in den Hausmüll geworfen werden darf. "Da ist noch ganz viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Das ist kein böser Wille von den Menschen, sondern Unkenntnis über die richtigen Entsorgungswege", sagt Menz.

Wer wissen will, wie Smartphones und Elektrogeräte richtig entsorgt werden, hat verschiedene Anlaufstellen zur Auswahl. Stiftungen wie die Elektro-Altgeräte Register haben beispielsweise Webseiten wie aus-alt-wird-neu.org eingerichtet. Thomas Fischer empfiehlt außerdem die kommunalen Abfallberatungsstellen, Verbraucher- und Umweltschutzverbände oder auch die Verbraucherzentrale.

Sendung: PULS vom 11.11.2019 ab 15 Uhr