Jetzt She Plays Bass Beabadoobee

Info beabadoobee aka Bea Kristi ist auf den Philippinen geboren und in London aufgewachsen. Kein Wunder, dass sie sich darauf versteht, Indie-Gitarren perfekt mit einem "Strandspaziergang bei Sonnenuntergang"-Gefühl zu verknüpfen.

Kommentar zur Jugendquote Lasst uns die Alten aus dem Bundestag fegen

Wir jungen Leute sind in den großen Parteien unterrepräsentiert. Die Alten bestimmen über die Themen, die für uns wichtig sind. Kann eine Jugendquote das ändern? Unsere Autorin sagt: Ja. Damit wir mal die Ärsche hochbekommen.

Von: Linda Becker

Stand: 27.04.2017 | Archiv

Jugendquote | Bild: BR

Hätten Unter-18-Jährige das Sagen, dann wäre statt der AfD die Tierschutzpartei im Berliner Senat. Und die Grünen wären zweitstärkste Kraft nach der SPD. Das hat das Bildungsprojekt des Bundesjugendrings rausgefunden - mit fiktiven U18-Wahlen. Reale Folgen hat das nicht, aber es zeigt: Junge Menschen würden anders entscheiden als alte.

Ich selbst würde mich als politisch interessiert bezeichnen. Trotzdem: In eine Partei einzutreten, ist keine Option für mich. Ich habe keinen Bock ständig auf furztrockenen Sitzungen rumzuhängen. Und ich will mich auch nicht jahrelang hochschleimen, bevor ich mal was mitentscheiden kann. Die meiste Zeit verstehe ich vom Gesabbel der regierenden Parteien sowieso nur die Hälfte. Alles zu kompliziert, alles zu undurchsichtig. Nicht mein Bier.

Wer gehört werden will, muss auch was sagen

Aber das ist natürlich Quatsch. Wohl mein Bier. Laut der letzten Shell-Jugendstudie sehen fast drei Viertel der jungen Menschen ihre Interessen von Politikern nicht vertreten. Denn insgesamt sind wir in der Politik im Vergleich zu unserem Bevölkerungsanteil absolut unterrepräsentiert. Im Bundestag sind nur etwa fünf Prozent der Abgeordneten unter 35 Jahre, dafür aber 66 Prozent über 45 Jahre. Das ist schon ein krasser Gap.

Dass alte Menschen die Hosen in der Politik anhaben, ist natürlich auch der Demographie geschuldet. Denn die Bevölkerung wird immer älter. Bei der Bundestagswahl 2017 werden 36 Prozent der Wahlberechtigten älter als 60 Jahre sein - und nur 15,4 Prozent unter 30. Forscher des Netzwerks Population Europe sagen: Alte Menschen können in 19 europäischen Ländern junge Wähler an den Wahlurnen überstimmen.

Da können wir natürlich jetzt den Kopf in den Sand stecken – aber dann dürfen wir auch nicht rumflennen oder uns unvertreten fühlen. Es ist wie überall: wer gehört werden will, muss auch was sagen. Und wir können den älteren Menschen in der Gesellschaft auch nicht vorwerfen, dass sie sich für ihre eigenen Interessen einsetzen. Jeder denkt aus seiner eigenen Lebenswirklichkeit heraus. Ganz normal, dass sie sich eher für ihre Rente interessieren, als für den Breitbandausbau oder die Erhöhung des Bafög.

Weniger Konsensgewichse, mehr frische Ansichten

Einige Experten fordern deshalb, eine Jugendquote für Parteien einzuführen. Dann müssten Parteien vordere Listenplätze für junge Menschen reservieren und sich aktiv um junge Mitglieder bemühen. Auch wenn die Jugendquote in etwa so umstritten ist, wie die Frauenquote - eine Quote ist ja erst mal nur dafür da, Strukturen von innen aufzubrechen. Parteien müssten sich überlegen, wie sie attraktiv für junge Mitglieder werden und wie sie unsere Vorstellungen von Themen wie Umwelt, Netz- und Europapolitik umsetzen können. Und wir hätten noch weniger Ausreden, uns nicht zu engagieren.

Wir – und damit meine ich ganz explizit auch mich selbst – müssen aufhören, nur irgendwelche Greenpeace-Petitionen zu unterschreiben oder einen kritischen Facebook Post von Amnesty International zu teilen. Danach kann man sich zwar politisch aktiv fühlen, aber erkämpft hat man noch lange nix, nur weil man eine Meinung teilt.

Wir müssen mal die Ärsche hoch bekommen

Klar, machen wir uns nichts vor: einen richtigen Run wird es wegen einer Jugendquote auf Parteien auch nicht geben. Aber diejenigen, die sich sowieso schon dafür interessieren, könnten leichter einen Fuß in die Tür bekommen. Und das wäre entscheidend, um die Vorstellungen unserer Generation zu vertreten.

Es bleibt natürlich trotzdem super wichtig, sich in Vereinen oder NGOs zusammen zu tun, auf Demos mitzulaufen und im Alltag bei rassistischen, homophoben, sexistischen Sprüchen dagegen zu halten. Um an Gesetzen mitarbeiten zu können, die unseren Alltag und unsere Zukunft bestimmen, ist es aber unverzichtbar, sich auch in Parteien zu engagieren. Wir müssen mal die Ärsche hoch bekommen – auch wenn’s echt anstrengend ist.

Sendung: Filter, 05.05.2017 - ab 15.00 Uhr