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Kommentar Wir dürfen nicht zulassen, dass die AfD das WM-Aus für ihre Zwecke ausschlachtet

Kaum ist die deutsche Nationalelf aus der WM geflogen, tobt im Netz der Shitstorm: Die AfD hat vor allem den deutsch-türkischen Nationalspieler Mesut Özil im Visier. Unsere Autorin findet das nicht nur zum Kotzen, sondern auch verdammt gefährlich.

Von: Miriam Harner

Stand: 28.06.2018 | Archiv

Mesut Özil | Bild: picture-alliance/dpa

Gestern sind bei deutschen Fußballfans kollektiv Hoffnungen zerstört, Träume geplatzt und Herzen gebrochen: Die Nationalelf ist raus, die WM ist für sie schon mit der Vorrunde vorbei – das gab’s noch nie. Nach Abpfiff der "Schmach von Kasan" hat es nur wenige Minuten gedauert, bis die AfD und andere Rechts-Konservative ihre Spielanalysen und Theorien zu den Gründen über das frühe WM-Aus der Deutschen mit ihren Followern geteilt haben. Vor allem einen Schuldigen haben die selbsternannten Fußballexperten der Alternative für Deutschland schnell ausgemacht: Mesut Özil.

Man könnte meinen, die AfD und Teile der neuen Rechten in Deutschland freuten sich geradezu über das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft.

Dabei ist das Özil-Bashing an sich keine Erfindung der AfD: Schon bei der WM 2014 wurde der Mittelfeldspieler kritisiert, er sei auf dem Rasen zu passiv unterwegs und kicke lethargisch.
Die AfD verpasst der alten Kritik an Özil jedoch einen neuen, wesentlich verheerenderen Twist: nicht seine sportliche Leistung steht im Vordergrund, sondern seine Herkunft. Politiker der rechtspopulistischen Partei suggerieren mit ihren Tweets und Postings, dass Özil aufgrund seiner türkischen Wurzeln und scheinbaren Sympathien für den türkischen Präsidenten Erdogan sich nicht zu 100 Prozent mit der deutschen Nationalmannschaft identifiziert. Deswegen sei es ihm mindestens völlig egal, wie das Team abschneidet, wenn er nicht sogar absichtlich schlecht gespielt habe.

Fremdenfeindliche Verleumdung und völliger Quatsch

Das ist fremdenfeindliche Verleumdung in Reinform und allein deswegen schon völliger Quatsch, weil Özil aus sportlicher Sicht viel besser ist als sein Ruf - was ein Blick in nüchterne Spielstatistiken ziemlich easy beweist. Ganz abgesehen von der Frage, was ein türkischer Staatschef davon hätte, dass die deutsche Nationalelf möglichst früh aus der WM fliegt.

Aber kein Wunder. Das Rezitieren der Sündenbock-Theorie gegen den Deutsch-Türken Özil bestätigt nämlich eine absurde Vorstellung vieler AfD-Anhänger: Die deutsche Nationalmannschaft ist nicht "deutsch" genug. Dass bei der WM 2014 ein deutscher Kader mit einem wesentlich höheren Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund den Titel geholt hat – vollkommen egal.

Das rassistische Özil-Bashing der AfD war zwar erwartbar, trotzdem ist es verdammt gefährlich: Es trägt fremdenfeindliche Ressentiments nämlich über den Fußball immer weiter in den Mainstream. Ein Beispiel: Ein Arbeitskollege hat mir heute fassungslos berichtet, dass folgendes unsägliche Meme in seiner Fußball-WhatsApp-Gruppe geteilt wurde:

Nur eins von vielen unterirdischen Memes, die nach dem WM-Aus die Runde machten.

Von ähnlichen Memes mit einem Thomas Müller oder Mats Hummels hingegen keine Spur. Klar, die sind ja auch "biodeutsch". Im Kontext der AfD-Hetze ist das mehr als die typische Özil-Dresche. Denn wer solche Memes teilt, macht sich – wenn auch unbewusst – zum Erfüllungsgehilfen der AfD.

Deswegen der dringende Appell an alle Fußballfans da draußen: Bei aller berechtigten Enttäuschung über das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft sollten wir es nicht zulassen, dass die AfD dieses Ereignis für ihre Zwecke ausschlachtet und wir uns im schlimmsten Fall auch noch dazu instrumentalisieren lassen, unreflektiert auf Özil einzuschlagen. Oder um es mit den Worten der schwedischen Nationalmannschaft auszudrücken: "Fuck racism!"

Sendung: Filter vom 28.06.2018 ab 15 Uhr